Als der zweitgrößte amerikanische Chemiekonzern DuPont am vergangenen Dienstag seine Quartalszahlen präsentierte, reagierten die Anleger an der Wall Street positiv überrascht. Man hatte Schlimmes erwartet, denn DuPont gehört zu denjenigen US-Unternehmen, deren Produktionsanlagen erheblich von den jüngsten Unwetterkatastrophen heimgesucht worden waren. In der Tat präsentierte DuPont einen Quartalsverlust in Höhe von 82 Mio. $ oder 9 Cent je Aktie, während im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 331 Mio. $ erzielt worden war.
Ohne die einmaligen Belastungen durch die Stürme und eine höhere Besteuerung hätte DuPont allerdings 33 Cent je Aktie verdient, so übertraf man die Erwartungen der Analysten. Positiv aufgenommen wurde auch, dass der Quartalsumsatz von 6 Mrd. $ auf 6,3 Mrd. $ gestiegen ist.
Die Auswirkungen der Umweltkatastrophen sind allerdings noch nicht ausgestanden: Im Quartal von Oktober bis Dezember rechnet DuPont nun mit einem Gewinn je Aktie von 20 bis 25 Cent, während Analysten zuvor von etwa 37 Cent ausgegangen waren. Dennoch stufte Merrill Lynch die Aktie hoch und bewertet sie nun mit "kaufen". Dabei dürfte eine Rolle gespielt haben, dass DuPont ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 5 Mrd. $ angekündigt hat. Leisten kann sich das Unternehmen dies allemal: Seit Jahren erzielt DuPont Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent oder mehr. Das renommierte Investmenthaus Value Line schätzt, dass DuPont 2006 einen Gewinn von 2,95 $ und einen Cashflow von 4,40 $ je Aktie erzielen wird.
Kursanstieg trotz Börsenschwäche
Entgegen dem allgemeinen Börsentrend hat die Aktie denn auch in den vergangenen Tagen merklich zugelegt. Das war allerdings auch fällig, denn zuvor hatte sie kräftig nachgegeben. Stand sie im März noch bei knapp 55 $, so fiel sie bis Mitte Oktober kontinuierlich und erreichte schließlich ein Jahrestief bei etwa 38 $. Für deutsche Anleger, die in Euro kalkulieren, war dies sogar der tiefste Kurs seit fünf Jahren.
DuPont ist eines der ältesten Unternehmen der USA. 1802 von französischen Einwanderern als Schießpulverfabrik gegründet, entwickelte es sich zu einem der global bedeutendsten Chemiekonzerne, dem die Welt unter anderem Produkte wie Nylon, Teflon und Kevlar verdankt. Die Aktie ist seit 1935 im Dow Jones vertreten. Viel Freude hat sie Anlegern in den vergangenen Jahren allerdings nicht bereitet. Von ihrem Rekordhoch aus dem Jahre 1998 ist sie selbst nach dem jüngsten Kursanstieg immer noch gut 50 Prozent entfernt.
Neben den genannten Sturmschäden wirkten sich 2005 wie überall in der Chemiebranche auch die gestiegenen Energiekosten belastend aus, die das Ergebnis im Vergleich zu 2004 mit etwa 1 Mrd. $ belasten dürften. Positiv ist zu werten, dass DuPont allein in der ersten Jahreshälfte 575 neue Produkte auf den Markt gebracht hat, die Umsätze zwischen 10 Mio. $ und 200 Mio. $ erzielen. Da DuPont 58 Prozent seiner Umsätze außerhalb der USA generiert, kann eine Dollar-Schwäche dem Unternehmen wenig anhaben - im Gegenteil, es würde sogar davon profitieren. Eine gut diversifizierte Produktpalette, kontinuierlich steigende Gewinne und nicht zuletzt eine Dividendenrendite von gut 3,5 Prozent lassen die Aktie auf dem gegenwärtigen Kursniveau recht preiswert erscheinen.