Wie das BGH-Urteil in der Praxis umgesetzt wirdDie Frankfurter Sparkasse hat sich für die Offensive entschieden: Jedes Beratungsgespräch wird auf einem Vordruck zusammengefasst. "Dieser enthält nun einen Passus, in den die Provisionszahlungen individuell zum jeweiligen Produkt vom Berater eingetragen werden", sagt ein Sprecher.
Auch Deutsche Bank und Dresdner Bank haben das BGH-Urteil in die Praxis umgesetzt: "Unsere Wertpapier- und Anlageberater weisen die Kunden im Beratungsgespräch vor jeder Auftragserteilung selbstständig und vollumfänglich auf die Kosten sowie die Erträge der Wertpapieranlage hin", sagt Holger Boschke, Investmentchef der Dresdner Bank. In der Regel geschehe das mündlich, auf Wunsch aber auch in schriftlicher Form.
Postbank-Berater informieren die Kunden über Provisionen und dokumentieren sie auf den Auftragsformularen. Dasselbe bei der Commerzbank: "Die Beratung gemäß den neuen Regeln hat letzte Woche begonnen", sagt Joachim Butterweck, Leiter der Gruppe Wertpapiere. Gedulden müssen sich Kunden der HypoVereinsbank: Bei der Fülle an verschiedenen Produkten sei es im Moment noch nicht möglich, für alle Produkte detaillierte Summen darzustellen, aber auf Nachfrage würden die Kunden genaue Informationen bekommen, so ein Mitarbeiter.
Mehr Kostenkontrolle
Bewegung gibt es auch beim Ausgabeaufschlag. Bei Aktienfonds können diese Vermittlungsgebühren fünf Prozent der Anlagesumme betragen. Von 10.000 Euro fließen also nur 9500 Euro in den Fonds-der Rest in die Tasche des Vermittlers. "In den nächsten Monaten werden Ausgabeaufschläge in den Abrechnungen separat ausgewiesen", erwartet Brem. Kunden sehen dann die Performance des Fonds nach Kosten, was in einigen Fällen für Ernüchterung sorgen wird.
Mit der neuen Transparenz haben die Kunden nun mehr Kostenkontrolle. "Das könnte eine Kettenreaktion in Gang setzen, die schließlich zum Ende der Provisionsberatung in Deutschland führt und die Honorarberatung weiter stärkt", sagt Felix Brem, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung von Brem Neff & Partner. Anzeichen dafür gibt es bereits: Die Quirin Bank sorgt für Unruhe im Markt, weil sie Kickbacks an Kunden zurückgibt. Dasselbe machen einige Privatbanken und die Mitglieder des Verbunds Deutscher Honorarberater - Anleger bezahlen Experten hier direkt für deren Empfehlungen, was die Unabhängigkeit der Beratung verbessert. Der Berater ist nicht mehr von der Verkaufsprovision eines Produkts abhängig. "Doch die meisten Bankkunden sind sich der Kickbacks und damit des Interessenkonflikts in der Beratung immer noch nicht bewusst", sagt van Leeuwen.