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Merken   Drucken   31.01.2008, 08:25 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Fiskus jagt Investoren aus Aktien

Die Abgeltungsteuer treibt Anleger aus Aktien und wird für einen Absatzschub bei der staatlich geförderten Riester-Rente sorgen. Diesen Schluss lässt eine Umfrage von TNS Infratest Finanzforschung zu, die im Auftrag der Commerzbank 700 repräsentativ ausgewählte Wertpapierbesitzer in Deutschland interviewt hat. von Bernd Mikosch
Die Abgeltungsteuer von 25 Prozent gilt ab 2009 für nahezu alle Kapitalerträge. Ausgenommen sind unter anderem thesaurierte Gewinne in Fonds, die bis Silvester 2008 gekauft werden. Investmentgesellschaften werden deshalb in diesem Jahr massiv um Kundschaft werben: Wer noch 2008 Geld investiert, kann die Erträge auch nach vielen Jahren noch steuerfrei kassieren, so die Botschaft.
Gut jeder zweite Depotinhaber orientiert sich beim Kauf von Wertpapieren schon an der kommenden Steuer, ergab die Befragung. Etwa 40 Prozent planen, ihr Depot umzuschichten. Mehr als die Hälfte davon will mit Blick auf die Abgeltungsteuer den Aktienanteil im Depot senken - offenbar, weil künftige Umschichtungen nicht mehr steuerfrei erfolgen können. "Steuern sparen um jeden Preis ist sicher nicht der richtige Weg", sagt Michael Mandel, Konzernleiter Privat- und Geschäftskunden bei der Commerzbank. "Entscheidend ist die Nachsteuerrendite. Darum wäre es ein Fehler, auf die langfristig höheren Renditechancen zu verzichten, die Aktien zweifelsohne bieten."
Gewinner der Abgeltungsteuer dürfte die staatlich geförderte Altersvorsorge sein: 55 Prozent der Befragten wollen künftig mehr Geld in Riester-Produkte stecken. Sie sind zwar von der neuen Steuer ausgenommen. Dafür müssen die Erträge im Rentenalter allerdings individuell versteuert werden.
Schlechter Ruf der neuen Steuer
Der Abgeltungsteuer eilt ein schlechter Ruf voraus: Nur 20 Prozent der Befragten beurteilen sie positiv. Lediglich bei Wertpapierbesitzern mit höherem Haushaltseinkommen liegt die Zustimmung zur Abgeltungssteuer deutlich höher bei 29 Prozent. Diese Anleger haben einen höheren persönlichen Steuersatz, die Abgeltungsteuer spart ihnen zum Beispiel bei festverzinslichen Produkten viel Geld.
"Nur weil ,Steuer‘ draufsteht, ist die Abgeltungsteuer nicht per se negativ - das vergessen viele", sagt Mandel. "Die neue Pauschalsteuer reduziert die Komplexität der Steuergesetzgebung, was sicher kein Fehler ist." Der langfristige Vermögensaufbau mit Fondssparplänen werde durch die Steuer allerdings behindert. Bisher können Anleger, die regelmäßig Geld in einen Fondssparplan fließen lassen, erwirtschaftete Kursgewinne nach Ablauf einer Haltefrist von zwölf Monaten steuerfrei vereinnahmen. Künftig fällt grundsätzlich auf alle Kursgewinne aus Fondsanteilen, die ab 2009 gekauft werden, Abgeltungsteuer an.
Wie andere Experten rät auch Mandel den Privatanlegern, in den kommenden Monaten wichtige Weichen für den Vermögensaufbau zu stellen: "Anleger müssen in diesem Jahr unbedingt eine klare Strategie für ihr Portfolio entwickeln, denn jede spätere Korrektur kann bares Geld kosten."
  • Aus der FTD vom 31.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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