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Der Datendiebstahl hat sich bereits 2003 bei einer Tochtergesellschaft der Bank auf den Cayman Islands ereignet. Er führt für einzelne Kunden nun zu gravierenden Spätschäden, da sie sich wegen Steuerhinterziehung verantworten und mit Nachforderungen des deutschen Fiskus in Millionenhöhe rechnen müssen. In Einzelfällen können sie den ganzen angelegten Vermögensbetrag verlieren, schlimmstenfalls drohen sogar Freiheitsstrafen. Unklar ist, wie viele Kunden Probleme mit den Steuerbehörden haben, nach Angaben der Bank nur eine "relativ kleine Anzahl - weniger als 100 - Kunden".
Die Betroffenen sind vermutlich Opfer eines Konfliktes zwischen Julius Bär und einem ehemaligen Mitarbeiter, der seit 2003 einen Feldzug gegen die Bank führt. In den vergangenen Monaten versetzte der Datendieb Bankkunden mit anonymen Briefen in Angst und Schrecken. Aus einem der Schreiben geht hervor, dass der Täter den deutschen Steuerbehörden einen Datenträger mit geheimen Bankdaten geschickt hat. In dem an den Fiskus gerichteten Brief nennt er Bankkunden mit Adressen und Vermögensbeträgen, die zwischen 5 Mio. und über 100 Mio. $ liegen, sowie mit den Namen von auf den Cayman Islands ansässigen Offshore-Vehikeln.
Einen ähnlichen Datenträger schickte der Täter bereits im Juni 2005 der Schweizer Zeitung "Cash". Die CD-ROM enthielt Daten aus den Jahren 1997 bis 2003, die aus Firmen der Julius-Bär-Gruppe auf den Caymans stammen. Julius Bär reichte daraufhin in Zürich Strafanzeige gegen Unbekannt ein. Als Hauptverdächtiger galt damals wie heute ein ehemaliger Mitarbeiter, der für die Gesellschaft auf den Cayman Islands gearbeitet hat. Schon 2003 trennte sich die Bank von dem heute 52-jährigen Schweizer.
Seit 2005 ermittelt die Züricher Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Verletzung des Bankgeheimnisses. Die leitende Staatsanwältin hatte den Hauptverdächtigen sogar in Untersuchungshaft gesetzt, musste ihn nach einem Monat aber wieder laufen lassen. Der Hauptverdächtige, der sich gegenwärtig im Ausland aufhält, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Kenner des Falles sehen in dem mutmaßlichen Täter einen an Verfolgungswahn leidenden psychisch Kranken. In Briefen hatte er der Bank vorgeworfen, sie trachte ihm nach dem Leben. Auch die Briefe an Bankkunden, Steuerbehörden und Medien wirken wie das Werk eines wirren Geistes. "Bei diesem Datendiebstahl handelte es sich nach eingehenden Untersuchungen um einen bedauerlichen einmaligen und nur Daten aus der Zeit vor 2003 betreffenden Einzelfall", erklärte ein Sprecher der Bank. "Die gestohlenen Daten konnten rekonstruiert und entsprechende Maßnahmen getroffen werden." Die Bank habe alles getan, um Kunden und Bankgeheimnis zu schützen.