Viele Privatanleger suchen mit Gold eine Anlageklasse, die physisch greifbar ist und nicht auf einem Papier beruht, das vom Zahlungsversprechen Dritter abhängig ist. "Was an Gold produziert wurde, ging in den vergangenen Wochen sofort wieder raus", sagt Heike Becker, Goldhändlerin beim Edelmetallspezialisten Heraeus in Hanau. In dieser Woche habe sich die Lage wieder etwas beruhigt, aber das könne sich bei der nächsten schlechten Nachricht aus der Bankenbranche schnell wieder ändern. "Der hohe Goldpreis würde eigentlich gegen eine starke Nachfrage sprechen, aber momentan ist die Psychologie entscheidend", sagt Becker. "Wer Schwarzmaler ist und eine große Krise aufziehen sieht, für den sind 700 $ und mehr für die Unze noch günstig."
Physisches Gold in Form von Barren und Münzen verspricht Sicherheit. "Die Krise der britischen Northern-Rock-Bank hat gezeigt, dass selbst ein Sparbuch eine riskante Geldanlage sein kann", sagt Jürgen Ganßleben von der Vermögensverwaltung Gebser & Partner. Zwar sind die Spareinlagen in Deutschland gut abgesichert, dennoch verursacht das stetige Geldmengenwachstum Kopfschmerzen.
Die jüngste Zinssenkung in den USA führte dazu, dass die langfristigen Renditen gestiegen sind: Die Anleihemärkte rechnen also mit einer Inflation, die das Vermögen über die Zeit mindert. Das Problem: "Die offizielle US-Inflationsrate lässt die rapiden Preissteigerungen im Energie-, Hypotheken- und Lebensmittelbereich außen vor. Die offiziellen Daten verschleiern also vieles", sagt Sean Corrigan, Stratege beim Investmenthaus Diapason in Lausanne. Allerdings müsse man damit rechnen, dass diese Inflationstendenzen mittelfristig auch die Preise für andere Güter erhöhen.
Dass Gold wieder ins Blickfeld der Investoren gerät, zeigt auch der Erfolg der börsengehandelten Goldfonds (ETFs). Der erst im April gestartete Goldfonds des britischen Anbieters ETF Securities lagert inzwischen Barren für mehr als 300 Mio. $ in Tresoren der Londoner HSBC. Mittlerweile horten die ETFs weltweit mehr als 600 Tonnen Gold. Seit Ende August nahm das Fondsvolumen der drei größten Gold-ETFs um zehn Prozent zu.
Im Jahr 1980 notierte Gold bei seinem bisherigen Höchststand von nominal 850 $ je Unze - es war ein Höhepunkt des Vertrauensverlusts in Papiergeld, der mit dem Ende der Goldanbindung 1971 eingeläutet wurde.
"Wenn Sie Gold in der Hand halten, kann Ihnen völlig egal sein, was draußen passiert", sagt Ganßleben, der einen Fonds berät, der vor allem in Goldminenaktien investiert. "Gold ist seit Menschengedenken ein Zahlungsmittel. Alle Papierwährungen sind irgendwann verschwunden."
Bei Pro Aurum ist die Nachfrage nach 100-Gramm-Barren am höchsten. Doch auch Barren mit einem Gewicht von einer Unze (31,1 Gramm) verkaufen sich gut. "Die Ein-Unzen-Barren sind interessant geworden, weil der Münzenmarkt leer gefegt ist", sagt Pro-Aurum-Geschäftsführer Robert Hartmann. Normalerweise ist der Krügerrand billiger als ein Barren gleichen Gewichts, derzeit ist er mit 544 Euro stolze 8 Euro teurer als sein Pendant. Für Ein-Kilo-Barren sind im Vergleich zum Spotpreis in London zwei Prozent Agio zu zahlen. Hartmann will Gold deshalb nicht als "teure Anlageklasse" gelten lassen. "In einem Schließfach, das 50 Euro Gebühren im Jahr kostet, lassen sich problemlos 40 Kilo Gold lagern."