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FTD-Serie: Informationen für Anleger

Geld anlegen nach Plan: Von Aktien bis Hedge-Fonds, von Edelmetallen bis zu Index-Zertifikaten.

Merken   Drucken   15.12.2007, 11:00 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Gutes Geld bei guten Noten

Wohltäter wollen wissen, was mit ihren Almosen passiert. Ein Siegel kann helfen, frisst aber einen Teil der Spenden auf. von Ruth Fend
Gutes zu tun schien selten so leicht wie heute - Hilfe fehlt schließlich überall. Klimawandel, Aids, Menschenrechtsverletzungen, Wetterkatastrophen: Die Liste der drängenden Probleme ließe sich beliebig verlängern. Sinnvoll zu spenden ist dagegen gar nicht so einfach.
Mehr als 2000 gemeinnützige Organisationen in Deutschland konkurrieren um Aufmerksamkeit und Geld. Aber wer den Hilfsorganisationen genauer auf die Finger schauen will, hat es schwer. "Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben für Berichterstattung und damit keine Vergleichsbasis", sagt Dieter Horst, Experte für Corporate Social Responsibility (CSR) bei PricewaterhouseCoopers (PwC). "Manche lassen sich freiwillig von Wirtschaftsprüfern prüfen, aber bei kleineren und mittleren Organisationen nimmt das stark ab." Schließlich wächst damit der Verwaltungsaufwand - und das Geld, das direkt in die Projekte fließen kann, wird weniger. Das wiederum sehen die Spender ungern.
"Der Spender ist misstrauischer als früher. Wie hoch etwa Verwaltungskosten von Organisationen sind, hat vor dem Tsunami kaum jemand gefragt", sagt Daniela Felser vom Spendenrat, der Interessenvertretung Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen. Auf den Tsunami folgten Medienberichte über Trittbrettfahrer und über die Probleme der Organisationen, überhaupt noch sinnvolle Projekte zu finden.
Die Möglichkeiten, sich zu informieren, nehmen aber zu. Eine Art TÜV für gemeinnützige Organisationen bietet das DZI-Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Das Siegel bekommt nur, wer gewisse Mindeststandards einhält, also unter anderem zeigt, dass Werbung wahr und sachlich ist, eine nachvollziehbare Rechnungslegung erstellt und für Werbung und Verwaltung weniger als 35 Prozent des Budgets ausgibt.
Für das Zertifikat müssen die Spendenorganisationen aber tief in die Tasche greifen - je nach Spendenaufkommen kann es bis zu 10.000 Euro im Jahr kosten. Mit Slogans wie "Jeder Euro kommt an" verträgt sich das nur schwer. Auch findet keine qualitative Abstufung zwischen den Organisationen statt.
Deshalb hat PwC zusammen mit der Universität Göttingen einen Kriterienkatalog für die Berichterstattung von Spendenorganisationen entwickelt und einen Transparenzpreis ausgeschrieben. "Das ist ein Schwergewicht, das da auf den Markt kommt", sagt Felser. Der Markt wird ihrer Meinung nach übrigens stark wachsen, da das Steuerrecht inzwischen großzügige Spendenabzüge ermöglicht.
Infos im Internet
www.dzi.de Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) veröffentlicht jährlich einen Spenden-Almanach, der Transparenz im Spendenwesen schaffen soll. Das Spenden-Siegel-Bulletin listet die Organisationen auf, denen das DZI ein Spendensiegel zuerkannt hat.
www.spendenrat.de Der Deutsche Spendenrat nimmt Mitglieder nur nach Eingangskontrollen auf.
www.charitynavigator.org bezeichnet sich als Amerikas Nummer eins unter den Bewertern von gemeinnützigen Organisationen.
www.charitywatch.org Das US-Institut der Philanthropie (AIP) informiert Spendenwillige.
www.spenden.de Unternehmen können Spendenschecks erwerben und ihren Kunden schenken.
Auf Transparenz legen besonders Unternehmen wert, die nach Partnern für ihr soziales Engagement suchen. "Unternehmen wollen von den Organisationen einen bestimmten Service. Dazu gehört, dass sie Rechenschaft darüber ablegen, was mit dem gespendeten Geld passiert", sagt CSR-Experte Horst. Wie sehr sich die Organisationen professionalisieren, sieht PwC an den Ergebnissen der Transparenzinitiative. "Einige Spendenorganisationen informieren mittlerweile mustergültig über ihre Tätigkeit und setzen Standards für die Berichterstattung", sagt PwC-Vorstandssprecher Hans Wagener. Alle 43 Teilnehmer, die sich schon im Vorjahr beworben hatten, hätten sich verbessert. Der Testsieger Kindernothilfe holte 90 der möglichen 100 Punkte. Der Vorjahressieger Ärzte ohne Grenzen hatte 2006 schon mit 70 Punkten den ersten Platz erreicht.
Die Angaben der Organisationen zur Bewertung und Evaluierung ihrer Projekte sind PwC zufolge allerdings noch mangelhaft. Auch in den Transparenzpreis fließen die Projektergebnisse und -ziele nicht ein. "Der Spender soll selber entscheiden können, für wen er spendet, aber dafür braucht er Transparenz", sagt Horst. Eine Organisation könne vom Spendenaufkommen auch ein paar Audi TT kaufen - Hauptsache, sie berichte darüber. Obwohl die zehn transparentesten Organisationen von PwC auf ihrer Webseite genannt werden, weist der Wirtschaftsprüfer ausdrücklich darauf hin, dass er keine Spendenempfehlung ausspricht.
Wohin die Reise in Deutschland aber gehen könnte, zeigt ein Blick in die USA: Dort scannt der "Charity Navigator", selbst eine gemeinnützige Organisation, unaufgefordert die Finanzdaten von über 5000 nationalen Organisationen und verteilt bis zu vier Sternchen auf seiner Webseite. Der Nutzer kann Organisationen nach Projektarten oder Standort suchen, Listen der effizientesten und ineffizientesten Organisationen einsehen - oder Kommentare und Blogs von den Navigator-Experten mitverfolgen. Nicht einmal ein Spendentipp für das diesjährige Weihnachtsfest fehlt: "Helfen Sie den Geschädigten der Kreditkrise!"
  • FTD.de, 15.12.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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