Hedge-Fonds erheben den Anspruch, auch während schwacher Marktphasen Geld zu verdienen - oder zumindest nicht zu verlieren. In der Regel sind die Fonds sehr reichen Privatleuten sowie professionellen Anlegern wie Pensionskassen vorbehalten. Über derivative Instrumente wie Zertifikate können auch Kunden mit weniger Vermögen in Hedge-Fonds investieren. Die direkte Anlage, seit 2004 in deutschen Produkten möglich, wird von viele Investoren bisher ignoriert. ABN Amro zum Beispiel schloss 2006 seinen erst ein Jahr zuvor aufgelegten Dach-Hedge-Fonds und konzentriert sich auf Zertifikate.
Die Vorteile der in Deutschland aufgelegten und direkt verkauften Hedge-Fonds seien nicht überzeugend, sagt Werner Goricki, Hedge-Fonds-Experte der Beratungsgesellschaft Feri Institutional Advisors. "Bei strukturierten Produkten hat man die volle Anlagefreiheit und kann Garantien einbauen." Anleger können bei den Hedge-Fonds-Zertifikaten zahlreicher Banken bereits ab 1000 Euro oder sogar 100 Euro einsteigen. Auch die Zahl der börsengehandelten Produkte steigt: Hedge-Fonds-Anbieter Apano, der in Deutschland Produkte des weltweiten Branchenführers Man Group verkauft, hat erst vergangenen Donnerstag ein Produkt listen lassen.
"Wir haben rund zehn Produkte. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir drei weitere Dach-Hedge-Fonds in Zertifikaten verpackt auf den Markt bringen", sagt Commerzbank-Experte Gotsche. "Bei den neuen Produkten wird es voraussichtlich Stückelungen von 100 Euro für Privatanleger sowie 10.000 Euro geben." Letztere seien für Großkunden sowie institutionelle Anleger gedacht.
"Einzel-Hedge-Fonds bieten wir in der Breite nicht an. In Zukunft werden wir auch Zertifikate mit anderen Risiko-Ertrags-Profilen offerieren, um unsere Empfehlungen für unterschiedliche Kunden stärker differenzieren zu können", sagt Thomas Koller, Leiter Asset Management der Dresdner Bank. Auch hier liegen die Stückelungen zwischen 100 Euro und 1000 Euro. Selbst die Sparte Private Wealth Management der Deutschen Bank bietet inzwischen mehrere Produkte mit 1000 Euro als Mindestanlage an. "Wir setzen auf Zertifikate", sagt Martin Keller, Global Head of Hedge Fund Investments im Private Wealth Management. "Wenn jemand ein Portfolio von 50.000 Euro hat, kann er doch 5000 Euro in Hedge-Fonds investieren", sagt Klaus Martini, Global Chief Investment Officer der Sparte.
Wie viel sie mit Hedge-Fonds-Zertifikaten eingesammelt haben, wollen aber die wenigsten Anbieter sagen - zumal 2006 nicht gerade ein erfolgreiches Jahr war. Laut Derivate Forum haben die breit emittierten Hedge-Fonds im vergangenen Jahr etwa zwölf Prozent verloren. "Aufgrund von Amaranth und schwächerer Performance Mitte 2006 haben sich die Käufer in den folgenden Monaten am Markt zurückgehalten", sagt Koller. Der zeitweise 9 Mrd. $ schwere US-Hedge-Fonds Amaranth hatte sich im Herbst am Gasmarkt verspekuliert und war danach in die Pleite geschlittert. Nach Zahlen des Branchenverbandes BAI haben die deutschen Hedge-Fonds-Derivate ihren Wert in den ersten elf Monaten 2006 durchschnittlich um zwei bis drei Prozent gesteigert - eine ähnlich schwache Rendite erzielten im Schnitt auch die in Deutschland aufgelegten Hedge-Fonds.
Ob es 2007 besser läuft, wird auch davon abhängen, wie sich Hedge-Fonds in diesen Tagen schlagen: Nach dem Kursrutsch an den Aktienmärkten im Mai vergangenen Jahres jedenfalls hatte die Branche zwei Monate nacheinander leicht an Wert verloren.