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Merken   Drucken   08.06.2006, 08:36 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Immobilienaktien in der Klemme

Immobilienaktien und Real Estate Investment Trusts (REITs) haben dem jüngsten Abwärtstrend an den Börsen besser widerstanden als manch anderer Aktienindex. Dennoch sind zahlreiche Analysten skeptisch, ob sich die Kurse weiter halten werden. von Richard Haimann
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Der globale Zinsanstieg, so die Befürchtung, könnte die Notierungen noch kräftig unter Druck bringen. Generell skeptisch gestimmt für den gesamten Sektor sind die Experten von Morgan Stanley Research Europe. Nach ihren Berechnungen notieren die meisten europäischen Immobilienaktien über ihrem oder nur knapp unter dem Net Asset Value, (NAV), der den Vermögenswert eines Unternehmens abzüglich der Verbindlichkeiten bezeichnet (innerer Wert).
Besonders stark überbewertet sei das Papier des niederländischen Shoppingcenter-REITs Rodamco. Zwar ist die Aktie seit Anfang Mai von 90 Euro auf 75,20 Euro gefallen. Den inneren Wert beziffert Morgan-Stanley-Chefresearcher Martin Allen allerdings nur auf 67 Euro.
Globaler Zinsanstieg birgt Risiken
Was Skeptiker wie Allen zur Vorsicht mahnen lässt, ist der globale Zinsanstieg. Sichere Unternehmens- und Staatsanleihen werfen inzwischen fast ebenso hohe Erträge ab wie die riskanteren Immobilienaktien. "Mit einer Rendite von rund fünf Prozent stehen zehnjährige US-Staatsanleihen den US-REITs nicht nach", warnen die Invesco-Analysten Max Swango und Steve Walker.
Nach Berechnungen der National Association of Real Estate Investment Trusts (NAREIT) betrug die durchschnittliche Ausschüttungsrendite nordamerikanischer REITs Ende Mai nur 4,83 Prozent. Der Spread gegenüber den Staatsanleihen sei mittlerweile zu gering, um die REIT-Kurse nun nach unten hin abzusichern, meint Mike Swanson, Vorsitzender des Stretegic Investment Committees von Daniel Capital Management. "Am REIT-Segment hat sich eine Spekulationsblase gebildet." Die steigenden Zinsen seien die Nadel, die den Ballon zum Platzen bringen dürfte, mahnt der Immobilienexperte.
Mittlerweile ist diese Gefahr an den Märkten zu erahnen. Der GPR 250 Global Index hat seit Beginn der Trendwende am Aktienmarkt knapp zehn Prozent eingebüßt. In dem Index hat Global Property Research die 250 größten börsennotierten Immobilienwerte der Welt zusammengefasst.
Analysten uneins über IVG
Die geringsten Verluste verzeichneten dabei europäische Immobilienaktien. Bei ihnen betrug das Minus im Mai nach Berechnungen der European Public Real Estate Association (EPRA) nur 2,11 Prozent. US-REITs büßten nach der offiziellen NAREIT-Statistik im Schnitt 3,66 Prozent ein. Dagegen verloren asiatische Werte nach Berechnungen beider Institute durchschnittlich 6,16 Prozent.
Bei den Einzelaktien kam es zu einem deutlichen Anstieg der Volatilität. So fiel die Notierung der deutschen IVG in der Spitze von 27,01 Euro auf 21,80 Euro. Zwischenzeitlich konnte der Wert aber wieder auf über 24 Euro steigen. Die Analysten von Sal. Oppenheim sind für die IVG  weiter optimistisch gestimmt und empfehlen die Aktie mit einem Kursziel von 31 Euro zum Kauf. Henning Wagener von AC Research hingegen sieht in dem Papier nur noch eine Halteposition. Den inneren Wert der Aktie macht er bei 24 Euro aus. Sämtliche positiven Nachrichten seien bereits im Kurs enthalten.
Notenbanken ziehen Zinsschraube wieder fester an
Nach dem Börsencrash von 2001 hatten die Notenbanken rund um den Globus die Zinsen drastisch gesenkt. Opportunity Funds, Pensionskassen und Versicherungen finanzierten Investments in REITs und Immobilienaktien daraufhin per Kredit und trieben die Notierungen in die Höhe. Die Dividenden waren üppig genug, um Zins und Tilgung zu begleichen und obendrein noch Erträge abzuwerfen. Durch die Kurszuwächse sind die Dividendenrenditen jedoch deutlich zurückgegangen. Zugleich ziehen die Notenbanken die Zinsschraube wieder fester an. "Die Strategie der Spekulanten geht nicht mehr auf", meint Swanson. Nun fehle eine große Käuferschicht, die das Marktsegment stützen könnte.
In Europa wurde das Kursfeuerwerk der Immobilienaktien zusätzlich durch Spekulationen um die Einführung von REITs beflügelt. Morgan-Stanley-Experte Allen warnte bereits zu Jahresbeginn, dies sei keine solide Basis für weitere Kurssteigerungen. Tatsächlich fielen in Großbritannien die Notierungen von Immobilienaktien bereits Anfang April, als die britische Regierung die Einführung von REITs für Januar 2007 ankündigte. In Deutschland hingegen gibt es erheblichen Widerstand aus Teilen der SPD-Fraktion. Ob und wie die REITs kommen, ist ungewiss.
  • Aus der FTD vom 08.06.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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