Schützt Diversifikation vor Verlusten? Wie beim Mikado kann eine Anlageklasse die andere wackeln lassen
Vertrackte Situation beim GoldBeim als Krisenwährung geltenden Gold ist die Sache derzeit vertrackt. Auf den ersten Blick überraschen die aktuellen Wertverluste, doch es gibt eine Erklärung, die erneut die wachsende Komplexität der Finanzmärkte unterstreicht. "Kreditinstitute leihen sich für einen geringen Zinssatz Gold von der Zentralbank und verkaufen es am Markt, um so ihre Liquiditätslücken zu stopfen", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. "Dafür gibt der Preis eigentlich nur gering nach, weil andere Investoren aufgrund der Krise Gold nachfragen. Gold fungiert also auch diesmal als Krisenwährung", so Weinberg. Gold sei in jeder Krisenlage wie 1987, 1998 oder 2001 kurzfristig ideal zur Liquiditätsbeschaffung. "Die Akteure verkaufen es, weil man bei steigender Volatilität mit anderen Anlageklassen viel mehr Geld verdienen kann", so Weinberg.
Feri-Vorstand Rapp hat eine andere Erklärung für das Phänomen: "Wenn die Marktteilnehmer wirklich von einer ernsten Krise des Finanzsystems ausgehen, wird der Goldpreis steigen. Noch sind sie aber offenbar so gelassen, dass sie kein Gold kaufen."
Im vergangenen Frühsommer, als Inflationsängste die Finanzmärkte beherrschten, verlor Gold sogar deutlich an Wert. "Damals ging es für kurze Zeit wirklich an allen Märkten runter", sagt Rapp. "Diese Korrektur ist die beste Fallstudie dafür, dass Diversifikation in Krisensituationen nicht immer hilft." Anlegern rät er, sich nicht auf historische Korrelationen zu verlassen. Sie sollten stattdessen im Blick haben, an welchen Märkten mit hoher Verschuldung gearbeitet werde. "Wenn dort der Blitz einschlägt, müssen Investoren aus anderen Märkten Geld abziehen. Das kann dazu führen, dass kurzfristig alle Anlagen an Wert verlieren."