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Merken   Drucken   17.08.2007, 08:10 Schriftgröße: AAA

Portfolio: In Panik verkaufen Anleger alles

Aktien und Rohstoffe haben kräftig verloren, sogar die Krisenwährung Gold büßte an Wert ein. Überall rote Zahlen - die US-Hypothekenkrise betrifft alle Assets -, außer die sicheren Staatsanleihen, deren Kurse gestiegen sind. Privatanleger können sich offensichtlich nicht darauf verlassen, dass Diversifikation der Assets vor Verlusten schützt. von Bernd Mikosch und Markus Zydra
Die globalen Finanzmärkte sind verknüpft wie noch nie in der Geschichte. Wenn Immobilienkredite platzen, fällt der Goldpreis, wenn ein Aktienmarkt kollabiert, spürt man es auch an den Rohstoffmärkten. Die meisten Akteure wollen in Krisensituationen alle durch eine Tür. Ihre Handelsstrategien ähneln sich, ihre quantitativen Modelle geben zum selben Zeitpunkt dieselben Ausstiegssignale.
Da viele Handelsgeschäfte auf Pump finanziert sind, müssen gute Investments liquidiert werden, wenn schlechte platzen. "Schuld haben die Zentralbanken, die zu viel billiges Geld in den Kreislauf gepumpt haben. Auch Fondsmanager gehen mit billigem Geld höhere Risiken ein", sagt der Schweizer Vermögensverwalter Marc Faber.
Unstrittig ist, dass sich der Gleichlauf der globalen Aktienmärkte in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt hat: Wenn die Wall Street nach Handelsschluss in Europa an Wert einbüßt, können Anleger am nächsten Morgen fest mit Kursverlusten im Dax rechnen. Vor 30 Jahren war das noch anders, zeigen Berechnungen von JP Morgan. Mitte der 1970er-Jahre konnte ein Anleger, der Wall-Street-Aktien und europäische Standardwerte im Depot hatte, sein Vermögen noch sinnvoll streuen. Heute ist der Gleichlauf so groß, dass US-Titel das Risiko im Depot eines europäischen Anlegers kaum noch senken.
"Dass sich die Korrelationen an den Aktienmärkten verstärken, ist nur folgerichtig", sagt Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chefstratege des Vermögensberaters Feri. "Die Welt wird globaler, darum hat eine Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank auch Einfluss auf den deutschen Markt." Er betont aber, dass sich Korrelationen auch reduzieren können. "Früher haben alle Schwellenländeraktien gleichzeitig gewonnen oder verloren, weil es kaum detaillierte Informationen über einzelne Märkte gab", sagt Rapp. Heute wüssten die Anleger durchaus zu unterscheiden zwischen Korea als exportlastiger Wirtschaft und Brasilien als Rohstoffnation. "Also haben sich auch die Korrelationen der Schwellenmärkte untereinander reduziert."
Schützt Diversifikation vor Verlusten? Wie beim Mikado kann eine ...   Schützt Diversifikation vor Verlusten? Wie beim Mikado kann eine Anlageklasse die andere wackeln lassen
Vertrackte Situation beim Gold
Beim als Krisenwährung geltenden Gold ist die Sache derzeit vertrackt. Auf den ersten Blick überraschen die aktuellen Wertverluste, doch es gibt eine Erklärung, die erneut die wachsende Komplexität der Finanzmärkte unterstreicht. "Kreditinstitute leihen sich für einen geringen Zinssatz Gold von der Zentralbank und verkaufen es am Markt, um so ihre Liquiditätslücken zu stopfen", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. "Dafür gibt der Preis eigentlich nur gering nach, weil andere Investoren aufgrund der Krise Gold nachfragen. Gold fungiert also auch diesmal als Krisenwährung", so Weinberg. Gold sei in jeder Krisenlage wie 1987, 1998 oder 2001 kurzfristig ideal zur Liquiditätsbeschaffung. "Die Akteure verkaufen es, weil man bei steigender Volatilität mit anderen Anlageklassen viel mehr Geld verdienen kann", so Weinberg.
Feri-Vorstand Rapp hat eine andere Erklärung für das Phänomen: "Wenn die Marktteilnehmer wirklich von einer ernsten Krise des Finanzsystems ausgehen, wird der Goldpreis steigen. Noch sind sie aber offenbar so gelassen, dass sie kein Gold kaufen."
Im vergangenen Frühsommer, als Inflationsängste die Finanzmärkte beherrschten, verlor Gold sogar deutlich an Wert. "Damals ging es für kurze Zeit wirklich an allen Märkten runter", sagt Rapp. "Diese Korrektur ist die beste Fallstudie dafür, dass Diversifikation in Krisensituationen nicht immer hilft." Anlegern rät er, sich nicht auf historische Korrelationen zu verlassen. Sie sollten stattdessen im Blick haben, an welchen Märkten mit hoher Verschuldung gearbeitet werde. "Wenn dort der Blitz einschlägt, müssen Investoren aus anderen Märkten Geld abziehen. Das kann dazu führen, dass kurzfristig alle Anlagen an Wert verlieren."
  • Aus der FTD vom 17.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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