Cormac Weldon
Bank of America ,
Microsoft ,
Dell ,
Apple ,
Intel - wenn Cormac Weldon ruft, kommen sie alle. "Morgen wird EMC hier sein", erklärt Weldon, Head of North American Equities bei der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle. Fast jeden Tag melden sich gleich mehrere Unternehmenslenker im Londoner Threadneedle-Hauptquartier an, um Weldon und seinem achtköpfigen Team aus Analysten und Fondsmanagement einen Besuch abzustatten.
Für insgesamt 37 Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Nordamerika sind sie verantwortlich. Es handelt sich um Produkte für Kleinanleger und institutionelle Kunden. Weldon und seine Kollegen betreuen alles, vom Small Cap bis zum größten Unternehmen wie
General Electric . Dessen Ex-Chef Jack Welch hat das Team natürlich auch getroffen. "Ein charismatischer Typ und der Einzige, der mich, abgesehen von meinem Vater, permanent 'Sohn' nannte", sagt Weldon.
Überhaupt geht es locker zu im großen Gemeinschaftsbüro bei Threadneedle. "Ich fürchte, viele Leute haben eine falsche Vorstellung vom Leben eines Fondsmanagers", meint Weldon. "Denn der Alltag ist alles andere als aufregend. Natürlich trifft man viele Menschen, was interessant ist. Aber den Großteil des Arbeitstages verbringen wir entweder in Meetings oder vor Computerbildschirmen." Kurzschlussreaktionen, Panikanfälle und hektisches Ein- und Aussteigen bei Aktien gehören jedenfalls nicht zum täglich Brot. "Zum Glück nicht", meint der Manager. "Wenn das so wäre, hätten wir etwas falsch gemacht."
Weldon, geboren in Dublin und seit 1991 Analyst für amerikanische Aktien, wurde bereits zwei Jahre später zum Portfoliomanager befördert. Bei Threadneedle arbeitet der Ire seit 1997. Dass es gerade amerikanische Aktien sind, mit denen er sich seit 14 Jahren beschäftigt, entsprang einem Zufall. "Als ich bei meinem früheren Arbeitgeber Provident Mutual anfing, war in dem Bereich eine Stelle frei, und es hat mich gleich gepackt. "
Zwei-Schicht-Betrieb im Team
Seinen Tag beginnt Weldon gegen acht Uhr. Eine Hälfte des Teams kommt später und bleibt dafür länger, schließlich öffnet der amerikanische Markt aus europäischer Sicht erst am Nachmittag. "Drei von uns bleiben deshalb so lange im Büro, bis der US-Markt schließt, und bereiten alle relevanten News für den nächsten Morgen auf. So wissen diejenigen, die früher gegangen sind, am nächsten Tag gleich, worauf sie sich konzentrieren müssen."
Weldon mag diese Art der Arbeitsteilung. "So bekommen wir die Einschätzung der anderen, was sehr wichtig ist. Schließlich möchte ich nicht nur auf meine eigene Meinung vertrauen." Dass er mit seinem Team nicht vor Ort in den USA sitzt, stört Weldon nicht. "Ich sehe das eher als Vorteil, schließlich haben wir so den ganzen Vormittag, um uns über die Strategie des Tages zu unterhalten."
Rund 900 Unternehmensbesuche haben er und sein Team im vergangenen Jahr absolviert, einen Teil davon vor Ort, andere im Threadneedle-Hauptquartier in Saint Mary Axe.
Nach Strategiebesprechung und Unternehmensbesuchen steht die Auswertung der Gespräche auf dem Programm sowie die Pflege von Kontakten zu Investmentbanken und Analysten anderer Gesellschaften. "Wir machen zwar den Großteil unseres Research selbst, trotzdem holen wir uns Meinungen von außen ein, um weitere Anregungen zu bekommen", so Weldon. "Alle unsere Entscheidungen werden im Team gefällt", sagt er. "Niemand hier ist Einzelkämpfer." Deshalb heißt es reden, reden, reden. Immer wieder und jeden Tag aufs Neue. Können sich die Manager auf ein Unternehmen einigen, kommt dieses auf die zweimal wöchentlich aktualisierte "Preferred-Liste", die allen Fondsmanagern bei Threadneedle, auch den weltweit investierenden, zur Einsicht offen steht.
Etwa 30 verschiedene Aktien stehen auf der Liste. Wie viele davon in die einzelnen Fonds aufgenommen werden, liegt größtenteils in der Verantwortung des jeweiligen Fondsmanagers, und dieser Aufgabe muss jetzt auch Weldon wieder nachkommen. Ein Blick auf die Uhr, ein freundlicher Abschied, und schon ist der Manager durch die Tür. Der nächste Unternehmensbesuch ruft.