Die US-Notenbank hat den Leitzins bereits gesenkt, und viele Experten gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr ein weiterer Zinsschritt nach unten folgt. "Eine Demokratie hält eine Deflation nicht aus - das geringere Übel ist da die Geldentwertung über die Jahre. Die offiziellen Inflationsdaten weisen das zwar nicht aus - aber bei Luxusgütern oder einem Restaurantbesuch spürt jeder den Preisanstieg", sagt von Bechtolsheim.
Wie stark die US-Zinspolitik den Handlungsrahmen bestimmt, bestätigt Morgan-Stanley-Analyst Teun Draaisma. "Ich würde Aktien erst verkaufen, wenn die US-Notenbank beginnt, die Zinsen zu erhöhen", sagt er. "Wenn wir diese Kreditkrise überstehen, dann erleben wir eine Börseneuphorie unermesslichen Ausmaßes. Die Leute werden wieder sagen, dass alles anders ist und der Zyklus nach oben immer weitergeht", prophezeit Draaisma und warnt, dass es am Ende Inflation, Rezession und Tränen geben werde.
Warnung vor euphorischer Phase der Hausse
Tatsächlich haben Bullenmärkte die Tendenz, zum Ende hin noch mal sehr stark zu steigen. Es ist der Moment, in dem Marktakteure euphorisch werden und die Risiken ausblenden. Das war auch so nach dem Crash 1998, der bis 2000 die Technologie- und Internetblase einleitete. Die Investoren leiden dann an Selbstüberschätzung - ein Phänomen, das die Behavioral-Finance-Forschung seit vielen Jahren bestätigt. "Unsere Laborversuche haben gezeigt, dass Leute die Blase erkennen, und dennoch kaufen sie weiter", sagt Wirtschaftsnobelpreisträger Vernon Smith.
Wie lange eine solche euphorische Phase dieses Mal anhalten kann, weiß niemand - das ist Teil der Wette, die derzeit analysiert wird: Jeder weiß, dass es irgendwann kracht, doch bis dahin, so der Antrieb zum Aktienkauf, lässt sich sehr viel Geld verdienen.