Während angesichts der Finanzkrise Anleger massenhaft ihre strauchelnden Geldmarktfonds verkaufen, werden große Umsätze mit sogenannten steueroptimierten Cashfonds gemacht. Monat für Monat verkauft die Union Investment Anteile vom UniOpti4 im Wert von 1 Mrd. Euro. von Wolf Brandes
Sehr gut laufen auch die Geschäfte bei Deka-OptiCash, DWS Rendite Optima Four Seasons und Cominvest Top4. Auf den Markt gekommen sind die steueroptimierten Geldmarktfonds passend zur Halbierung der Sparerfreibeträge Anfang 2007 auf 750 Euro für Ledige und 1500 Euro für Verheiratete. Die deutschen Fondsgesellschaften bieten Produkte, mit denen sich die steuerpflichtigen Kapitalerträge reduzieren lassen. Die Fonds haben einen niedrigen steuerpflichtigen Zinsertrag und werden von den Anbietern gern steueroptimiert genannt.
Ausgewählte Geldmarktprodukte
Die Manager investieren meist in kurz laufende Anleihen mit niedrigem Kupon, vor allem Yen-Papiere. Gleichzeitig sichert der Manager die Währungen ab und erzielt steuerfreie Erträge. Je nach Fonds sind 70 bis 90 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei für den Anleger. Hinzu kommt, dass die Fonds ihre Erträge häufig quartalsweise ausschütten. So funktioniert das Konzept jedoch nur bis zum Start der Abgeltungssteuer.
Mit Fonds wie dem UniOpti4 reagierten die Investmentgesellschaften auf die Tagesgeldkonten von Direktbanken, bei denen die Zinsen ebenfalls regelmäßig gezahlt werden. "Von denen holen wir viel Geld zurück", sagt Klaus Riester, zuständig für den Vertrieb bei der Union Investment. Als steueroptimierte Rentenfonds gibt es diese Art von Produkten schon lang, doch erst als Alternative zum Tagesgeldkonto investierten die Anleger massenhaft in diese Produkte. Insgesamt kauften Sparer von dieser relativ neuen Art der Investmentfonds im laufenden Jahr rund 20 Mrd. Euro.
Anleger ziehen Konsequenzen aus niedrigen Renditen
Ohne den Boom bei steueroptimierten Geldmarktfonds wäre der Nettoabsatz bei den Wertpapierfonds im laufenden Jahr praktisch zum Erliegen gekommen. Nicht zuletzt deshalb, weil aus klassischen Geldmarktfonds erhebliche Mittel abgeflossen sind. Diese Fonds hatten oft Asset-Backed Securities (ABS) als Renditebringer beigemischt. Durch die Probleme mit verbrieften Forderungen im Zuge der US-Hypothekenkrise waren auch Kurse und Liquidität europäischer ABS-Papiere unter Druck gekommen - und mit ihnen viele Geldmarktfonds.
Die Folge waren deutlich geringere Renditen. Die Anleger zogen daraus die Konsequenzen und verkauften - beispielsweise den Pioneer Euro Geldmarkt Plus. Der Fonds ist ganz überwiegend in ABS engagiert und hat seit Anfang August 0,7 Prozent verloren. Bei dem als sicher eingestuften Produkt gab es daher in den vergangenen Monaten Mittelabflüsse von mehr als 2 Mrd. Euro. Das bedeutet, dass der Fonds mehr als zwei Drittel seines Volumens verloren hat.
Hohe Abflüsse wurden auch für den DWS ABS Fund gemeldet, der in wenigen Wochen eine Milliardensumme einbüßte und im August sogar 4,6 Prozent an Wert verloren hatte. Betroffen waren in der Folge auch Produkte wie DWS Geldmarkt, HSBC Trinkaus Euro Geldmarktfonds und Deka-Geldmarkt Euro TF - wenn auch weniger so stark. Für manchen Investor stellte die gute Bewertung der gestrauchelten Geldmarktfonds durch Ratingagenturen im Nachhinein "eine unerträgliche Verschleierung von Anlagerisiken" dar, weil auf Anhieb der hohe Anteil an ABS-Papieren und deren Risiko nicht zu erkennen waren.
Von den Problemen einiger Geldmarktfonds durch die ABS-Krise profitieren aber nicht nur die steueroptimierten Cashfonds, sondern auch ein neuer, börsengehandelter Index-Geldmarktfonds. Der Mitte des Jahres aufgelegte DB X-Trackers Eonia ETF hat bereits 1 Mrd. Euro eingesammelt. Einen Nachteil gibt es hier jedoch für den Anleger: Bei einem Geldmarktfonds ohne Ausgabeaufschlag gibt es keine Transaktionskosten, während beim Eonia-ETF Gebühren für Kauf und Verkauf zu zahlen sind.
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