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Merken   Drucken   09.08.2007, 08:31 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Keine Panik bei Geldmarktfonds

Die Krise an den Kreditmärkten beunruhigt zunehmend Anleger, die vermeintlich sichere Geldmarkt- und Rentenfonds im Depot haben. Branchenexperten geben jedoch Entwarnung. von Reinhard Hönighaus
Seit einigen Tagen häufen sich Meldungen, dass Fonds für forderungsbesicherte Anleihen (Asset Backed Securities, ABS) vorläufig dicht machen, weil Fondsmanager diese Anleihen in der aktuellen Liquiditätskrise nur zu Abschlägen verkaufen können. Vermittler, Banken und Sparkassen sind mit Anfragen nervöser Kunden konfrontiert, die wissen wollen: Sind jetzt etwa auch Geldmarkt- und Rentenfonds nicht mehr sicher?
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Branchenexperten warnen vor Panik, auch wenn einige Fonds in den vergangenen Tagen Kursabschläge hinnehmen mussten. "Jetzt generell Geldmarktfonds zu verkaufen, scheint mir eine übertriebene Reaktion zu sein", sagte Natalia Wolfstetter, Fondsanalystin bei der Ratingagentur Morningstar. "In vielen geldmarktnahen Fonds sind zwar ABS beigemischt. Wenn es zu Abflüssen kommt, können bei Bedarf aber erst andere, liquidere Geldmarktpositionen abgestoßen werden. Das Fondsmanagement hat also die Möglichkeit, Probleme bei ABS eine Zeit lang auszusitzen. ABS bedeutet auch nicht automatisch Subprime", sagte Wolfstetter.
Mit Subprime sind die unheilvollen Verbriefungen von US-Hypotheken schwacher Bonität gemeint, die zunehmend ausfallen und die aktuelle Krise an den Kreditmärkten ausgelöst haben. Fonds, die in diese Wertpapiere investiert haben, sind im Juli als erste unter Druck geraten: So haben Axa, Union Investment, HSBC Trinkaus und Frankfurt Trust ihre speziellen ABS-Fonds überwiegend für institutionelle Anleger vorläufig geschlossen.
Mittelabflüsse geldmarktnaher Fonds befürchtet
Diese Fonds waren zwar nur in geringem Maße im Subprime-Segment investiert, geben aber bis auf Weiteres keine neuen Anteile mehr aus und nehmen - ausgenommen Axa - keine mehr zurück. Selbst Fonds, die nicht direkt im Subprime-Segment investiert sind, etwa der WestLB Mellon Compass ABS Fund, sind mittlerweile geschlossen, da die Märkte für forderungsbesicherte Anleihen auch in Europa weitgehend ausgetrocknet sind.
Fondsanbieter fürchten nun, dass Mittelabflüsse auch Rentenfonds und große geldmarktnahe Fonds treffen, denen ABS als Renditebringer beigemischt sind. Im ersten Halbjahr waren Geldmarktfonds mit Nettozuflüssen von knapp 28 Mrd. Euro noch die beliebteste Anlagekategorie bei den deutschen Fondsanlegern. Unter den geldmarktnahen Fonds sind zum Beispiel der Deka-Euroflex Plus und der Pioneer Euro Geldmarkt Plus stark in ABS investiert. "Wir haben in den vergangenen Tagen geringe Mittelabflüsse gehabt", sagte Wolfgang Bauer, Fondsmanager des zuletzt knapp 5 Mrd. Euro schweren Pioneer Euro Geldmarkt Plus.
Ruhe bewahren
Der Fondsmanager sieht bisher aber genügend Möglichkeiten, mit Anteilsrückgaben umzugehen: Ende Juli war der Euro Geldmarkt Plus noch zu 90 Prozent in ABS und zu fünf Prozent in Pfandbriefen investiert. Die übrigen fünf Prozent lagen bar in der Kasse. "Wir haben zunächst die Barbestände und die Pfandbriefe abgebaut und dann sukzessive auch einige ABS mit kurzer Laufzeit in den Markt gegeben. Für Papiere mit der besten Bonitätsnote AAA, wie wir sie ausschließlich halten, sind die Preise auch in der gegenwärtigen Marktsituation noch akzeptabel", sagte Bauer. Der Preisabschlag habe im Schnitt bei 0,05 Prozent gelegen. Somit hat sich der Fonds auch in den turbulenten Zeiten bisher im Plus halten können. "Diese ABS-Anleihen sind ja werthaltig, es werden laufend Zins und Tilgung ausbezahlt. Wir sehen keine Ausfälle", sagte Bauer. Schließlich sei der Fonds zwar in Forderungsverbriefungen, nicht aber im US-Hypothekenmarkt investiert. "Wir sind überzeugt, dass sich der Markt wieder stabilisieren wird", so Bauer.
Auch ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte: "Ich halte die Gefahr für nicht sehr groß, dass Geldmarktfonds unter großen Druck kommen, da die meisten nur zu einem geringen Teil in ABS investiert sind." Wolfgang Mansfeld, Präsident der Fondslobby BVI, sagte: "Anleger sind gut beraten, in dieser Zeit ruhig und besonnen zu handeln. Im Bereich der offenen Immobilienfonds haben wir gesehen, dass es gut ist, wenn Anleger nicht überstürzt agieren. Gerade die Anleger dürften belohnt werden, die jetzt Ruhe bewahren."
  • Aus der FTD vom 09.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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