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Merken   Drucken   12.01.2008, 12:00 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Neue China-Rally in Sicht

Chinas Börsen locken erneut mit zweistelligem Wachstum. Doch die Regierung in Peking will dem Boom Einhalt gebieten. Hier ein paar Tipps, wie Anleger vom Wachstum in China profitieren. von Samira Lazarovic
Das Jahr 2007 war das Jahr des Schweins in China - ein sogenanntes goldenes Jahr. Golden deshalb, weil 2007 im Horoskop mit dem Element Feuer einherging, eine Konstellation, die nur alle 60 Jahre vorkommt und Wohlstand verheißt.
Schaut man sich die chinesischen Aktienmärkte an, ist man geneigt, öfter Horoskope zu lesen. So hat sich der Hang-Seng-China-Enterprises-Index im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, der Shanghai-B-Index legte um rund 190 Prozent zu.
Dass die Rally nach den jüngsten Korrekturen wieder Fahrt aufnehmen wird, dafür sprechen die für 2008 erneut erwarteten zweistelligen Wachstumsraten. Diese dürften besonders vom privaten Konsum der neuen kaufkräftigen Mittelschicht getrieben werden. Ein weiterer Wachstumsmotor sind die geplanten millionenschweren staatlichen Investitionen, beispielsweise in die Infrastruktur oder den Umweltschutz. Nicht zuletzt freut sich die chinesische Wirtschaft auf die Olympischen Spiele in Peking.
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Einbruch im November
Unsicherheiten gibt es im Hinblick auf die Regulierungsmaßnahmen der chinesischen Regierung. Den Einbruch im November verdanken die Börsen der Entscheidung Pekings, den Zugang zum Aktienmarkt in Hongkong nun doch nicht zu öffnen. Damit bleibt den chinesischen Anlegern weiterhin nur die Möglichkeit, in Schanghai und Shenzhen zu handeln. "China wollte mit der Öffnung etwas Druck von den sich überhitzenden Festlandbörsen nehmen", sagt Analyst Jürgen Koch von ABN Amro.
Jetzt würden aber die unsicheren US-Konjunkturaussichten den Markt schon ausreichend abkühlen. Seiner Ansicht nach besteht auf dem Festland die Chance, dass sich die Börse bei dem noch niedrigen Zinsniveau nach der Korrektur dreht. Hongkong sei dagegen stärker an die US-Börsen gebunden und ein Rückschlag hier wahrscheinlicher. Insgesamt komme man längerfristig am chinesischen Aktienmarkt nicht vorbei, so der Analyst.
Noch sind die Bewertungen hoch
Kurzfristig gilt es jedoch auch, die hohen Bewertungen der Börsen in Schanghai und Shenzhen zu bedenken, die das Kurspotenzial 2008 begrenzen könnten. "Viele Favoriten unter den Blue Chips, wie beispielsweise Petrochina oder China Life, haben seit dem Höhepunkt der Börsenhausse Ende Oktober bereits kräftig verloren", sagt Gerhard Heinrich vom Asienspezialisten Emfis. China werde zum Markt für Stockpicker, man sollte lieber auf ausgewählte Einzeltitel setzen, als sich in den Gesamtmarkt zu stürzen. Heinrich empfiehlt Unternehmen, die vom Konsum profitieren, zum Beispiel Einzelhandelstitel. Auch Umweltaktien könnten interessant werden, so der Analyst. Angesichts der unsicheren US-Konjunkturaussichten sei im Finanzsektor und bei exportorientierten Unternehmen Vorsicht angebracht.
Chinesisches Stockpicking will jedoch gelernt sein, denn der stark segmentierte Markt macht die Informationsbeschaffung für Anleger schwer. Allerdings gibt es auch eine ganze Reihe von "Fertigprodukten" wie Fonds oder Zertifikate.
Der Bestseller unter den China-Fonds ist der Baring Hong Kong China, der in den vergangenen zwei Jahren um rund 170 Prozent zulegte. Auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS ist mit ihrem China-Fonds erfolgreich. Der Fonds brachte es im gleichen Zeitraum immerhin auf eine Rendite von 98,51 Prozent.
Mit Indexzertifikaten können Anleger an der Entwicklung chinesischer Aktienindizes wie des Hang Seng oder des Hang Seng China Enterprises teilhaben. Zu beachten ist hier das Währungsrisiko: Da die Indizes in Hongkong-Dollar notieren und dieser gegenüber dem Euro zuletzt Schwäche zeigte, mussten Investoren Kurseinbußen hinnehmen. Daher empfiehlt es sich, währungsgeschützte Zertifikate zu erwerben.
Bei den hoch bewerteten chinesischen Inlandsaktien, die etwa im FTSE/Xinhua-50-A-Shares-Index versammelt sind, könnte sich dagegen ein Short-Engagement lohnen, bei dem Anleger auf fallende Kurse setzen. Das ist mit gehebelten Turbo-Bear-Zertifikaten möglich, die über eine Knock-out-Schwelle verfügen und daher nur für eine Kurzfristanlage geeignet sind.
Übrigens: Wer statt Fundamentaldaten doch eher das Horoskop zu Rate ziehen möchte - 2008 ist das Jahr der Ratte. Ratten gelten als großzügig bis verschwenderisch in Sachen Geld, gleichzeitig aber als erfinderisch, was den Erwerb und die Verwaltung der Finanzen angeht.
  • Aus der FTD vom 12.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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