FTD.de » Finanzen » Geldanlage » Neue Regeln für Lebenspolicen

Merken   Drucken   13.03.2007, 08:22 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Neue Regeln für Lebenspolicen

Wer jetzt eine Kapitallebensversicherung abschließt, kann sich getrost als Steuergewinner betrachten. Nach dem veröffentlichten Gesetzentwurf zur Abgeltungsteuer erfasst der Fiskus selbst Millionenerträge später maximal mit 25 Prozent. von Robert Kracht
Unterm Strich mehr aus der Police   Unterm Strich mehr aus der Police
Was Aktien und Investmentfonds durch den Wegfall von Halbeinkünfteverfahren und Spekulationsfrist drastisch an Rendite verlieren, gewinnen die Policen hinzu, auch wenn bis zuletzt an den Vergünstigungen für die Versicherungen gefeilt wurde.
Ausgangspunkt ist die ab Neujahr 2009 geplante Abgeltungsteuer mit einem Pauschaltarif von 25 Prozent auf Zinsen, Dividenden, Optionsprämien sowie realisierte Kurserlöse unabhängig von der Haltedauer auf einer Ebene. Das ändert die Spielregeln für die Geldanlage völlig, da erstmalig eine Einkunftsart vom seit Jahrzehnten bekannten Steuersystem abgekoppelt wird. Mit Blick auf die Altersvorsorge erstrahlen Lebensversicherungen plötzlich wieder in ganz neuem Licht, nachdem sie 2005 durch den Wegfall der Steuerfreiheit stark gebeutelt worden waren.
Rentenpolicen behalten weiter den günstigen Ertragsanteil, bis 2004 abgeschlossene Kapitalverträge ihre Steuerfreiheit, und jüngere Kapitallebensversicherungen sind einer der großen Profiteure, wenn Auszahlung oder Kündigung frühestens 2009 erfolgen. Das betrifft nahezu jeden jetzt abgeschlossenen Vertrag. Ein erheblicher Vorteil ist der Erhalt des Halbeinkünfteverfahrens, im Unterschied zu Aktien und entsprechenden Fonds.
Hälfte der Erträge ab 60 steuerfrei
Damit bleiben 50 Prozent der ab dem 60. Lebensjahr ausbezahlten Erträge steuerfrei, vorausgesetzt, die Police läuft mindestens zwölf Jahre. Dann wird sie zwar weiter über die Steuererklärung erfasst. Aber eben zur Hälfte, sodass selbst bei hoher Progression nur rund 20 Prozent der Auszahlung besteuert werden. Davon können Anleger bei Dividenden und realisierten Aktiengewinnen ab 2009 nur träumen. Hier unterliegen selbst Minierträge dem Pauschalsatz von 25 Prozent.
Doch das ist noch nicht alles. Die Einnahmen bei Versicherungen laufen erst einmal abgabenfrei auf. Erhält der Versicherte seine Rückzahlung vor dem 60. Geburtstag, oder läuft die Police keine zwölf Jahre, profitiert er neben der steuerfreien Zinseszinsansammlung auch noch von dem entlastenden Progressionseffekt. Denn trifft eine der Alternativen zu, wirkt hier die Abgeltungsteuer, und der Ertrag kommt nicht mehr in die Erklärung. Und selbst wenn es später zu einer hohen Auszahlungssumme kommt, entfällt der Progressionsschub etwa auf Lohn, Mieten oder Firmengewinne. Denn der Abgeltungssatz ist immer gleich hoch und wirkt losgelöst vom übrigen Einkommen. Hinzu kommt noch die Minderbelastung aus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
Das wirkt sich besonders bei fondsgebundenen Versicherungen aus, da die Erträge erst einmal nicht erfasst werden. Bei herkömmlichen Investmentfonds ist das anders, hier müssen die jährlich eingesammelten Zinsen, Mieten oder Dividenden sofort versteuert werden und stehen für den Zinseszinseffekt nicht zur Verfügung. Da der Fiskus das Risiko bei Aktien, Zertifikaten oder Hedge-Fonds künftig nicht mehr belohnt, holen die eher konservativen Kapitalpolicen in der Nachsteuerrendite kräftig auf. Änderungen beim Verkauf Eine einschneidende Änderung ergibt sich beim Verkauf von nach 2004 abgeschlossenen gebrauchten Policen an gewerbliche Aufkäufer oder Fonds. Die Einnahmen werden ab 2009 mit dem Abgeltungssatz von 25 Prozent erfasst. "Aber auch nach Abzug der Steuer ist der Zweitmarkt günstiger als die vorzeitige Kündigung beim Versicherer", kalkuliert Stefan Kleine-Depenbrock. Der Vorstandsvorsitzende des Marktführers Cashlife rechnet nach der Gesetzesänderung sogar mit einem noch höheren Stornovolumen: "Verluste aus dem Verkauf sind dann auch steuerlich abzugsfähig." Das Minus, das besonders bei noch weit entfernter Fälligkeit hoch ausfällt, kann der Versicherte dann mit Zinsen oder Aktiengewinnen verrechnen.
Eine weitere Neuerung kommt schon 2008. Dann werden die Steuererträge anders berechnet, wenn ein Vertrag zuvor gekauft worden ist. Wegen per Saldo höherer Anschaffungskosten weisen dann geschlossene Policenfonds weniger Kapitaleinnahmen für die Anleger aus. Das gelingt aber nur, wenn sie vermögensverwaltend tätig sind. Derzeit ziehen die Gesellschaften noch die Gewerblichkeit vor. "Die Neuberechnung klingt zwar gut, ist aber so nicht umsetzbar", erläutert Till Giessmann vom Anbieter MPC Capital: "Alleine durch die Aufnahme von Fremdkapital sind unsere Fonds schon gewerblich." Daher müssen die Initiatoren noch kräftig über neue Konzepte brüten, um für ihre Anleger geringere Erträge mit dem moderaten Abgeltungssatz zu generieren. Diese Arbeit haben Direktversicherte nicht. Sie können entspannt auf die günstige Steuer ab 2009 warten.
  • Aus der FTD vom 13.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6315,89  [30.14 +0,48%
  Euro Stoxx 50 2156,52  [22.47 +1,05%
  Dow Jones 12457,85  [-38.3 -0,31%
  Nasdaq Composite 2830,16  [-19.96 -0,70%
  Euro 1,25381 USD  [-0.00189 -0,15%
  Brent-Öl 106,56 USD  [0.25 +0,24%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



FTD-SPEZIAL: FINANZKOMMUNIKATION

mehr FTD-Spezial: Finanzkommunikation

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote