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Merken   Drucken   08.01.2008, 08:26 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Profianleger entdecken den Index

Großinvestoren wie Versicherer und Banken verzichten immer öfter auf teure Fondsmanager, die den Vergleichsindex ohnehin nur selten schlagen können. Auch die Entwicklung an der Börse sehen sie zunehmend skeptisch: Ein Grund ebenfalls vorsichtiger zu agieren. von Elisabeth Atzler
Die professionellen Anleger in Deutschland wollen verstärkt passiv anlegen: Momentan stecken 27 Prozent der institutionellen Investoren Gelder in börsennotierten Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs). Bis 2010 soll der Anteil auf 42 Prozent steigen. Zudem erwarten die Geldverwalter, dass künftig mehr traditionelle Fondsmanager renditeabhängig bezahlt werden - bisher war das für knapp zehn Prozent der entsprechenden Fondsmittel der Fall, 2010 soll das für 13 Prozent gelten.
Das hat die aktuelle Investorenstudie des Vermögensberaters Feri ergeben. Feri führt die Befragung, die die größte ihrer Art in Deutschland ist und der FTD in Teilen vorliegt, alle zwei Jahre durch. Dieses Mal antworteten 220 Investoren, die zusammen 1200 Mrd. Euro verwalten. Häufig sind Profis Vorreiter für Entwicklungen, die später auch Privatanleger erreichen.
ETFs, die wegen ihrer geringen Gebühren attraktiv sind, werden in den USA massiv von Großanlegern genutzt. Zu den prominenten Befürwortern zählt der Chefanleger der Yale-Stiftung, David Swensen. Er rät vor allem Privatanlegern, aber auch kleineren Profis zu Indexprodukten - in erster Linie wegen hoher Kosten vieler gemanagter Fonds, die oft hinter dem Index zurückbleiben.
Das in ETFs verwaltete Vermögen ist zuletzt auch in Europa stark gestiegen. Laut der Deutschen Bank steckten Ende 2007 europaweit etwa 89 Mrd. Euro in Indexfonds, fast 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die deutschen Profianleger haben mit fast 68 Prozent nach wie vor den Großteil ihrer Mittel in Anleihen gesteckt. Der Anteil wird bis 2010 schrumpfen, allerdings nur sehr langsam. Die Gelder fließen dann etwas mehr in Aktien sowie Immobilien. Zudem haben die Investoren vor, zumindest ein wenig mehr in Beteiligungsgesellschaften, Hedge-Fonds und Rohstoffen anzulegen. Liquide Mittel sowie Geldmarktanlagen sollen hingegen zurückgefahren werden.
Bei Zertifikaten scheiden sich die Geister: 57 Prozent der Befragten betrachten sie als möglichen Ersatz für Fonds oder als Ergänzung - 20 Prozent nutzen das Produkt auch. 43 Prozent aber finden es "völlig ungeeignet". Wesentliches Argument für ein Zertifikat ist, dass man etwa auch Hedge-Fonds damit verpacken kann. Aus diesem Grund, doch auch wegen passiver Aktienengagements, dürfte das Indexzertifikat hoch im Kurs stehen. 54 Prozent der Investoren sind daran interessiert, immerhin 19 Prozent an der Discountvariante - eigentlich Domäne von Privatanlegern.
Die Anleger investieren zwar nach wie vor massiv in Staatsanleihen, haben aber zunehmend alternative Rentenprodukte gewählt: Besonders Unternehmensanleihen und variable verzinste Papiere liegen bei den meisten Investoren im Portfolio. Aber auch forderungsbesicherte Anleihen (Asset-Backed Securities, ABS) sowie strukturierte Zinsprodukte finden sich bei 28 Prozent beziehungsweise 52 Prozent der Anleger. Vor allem über ABS-Produkte drohen ihnen allerdings schwache Renditen oder gar Verluste: Während der Kreditkrise stellte sich heraus, dass einige Produkte auf US-Hypotheken nicht mehr handelbar waren, was auch zahlreiche ABS-Fonds erwischte. Teils sind auch ABS-Produkte mit sehr gutem Rating betroffen. In der Feri-Umfrage wird auch deutlich, dass die Profianleger gerade ABSs sehr unterschiedlich bewerten: Während 28 Prozent investiert haben, lehnen 24 Prozent die Produkte grundsätzlich ab.
Die Profis achten inzwischen auf gute Unternehmensführung bei Fondsgesellschaften: Nur für neun Prozent der Befragten spielt Corporate Governance keine Rolle. Für immerhin 41 Prozent ist es ein wichtiges, für 50 Prozent ein untergeordnetes Kriterium. Die Anleger verlangen in erster Linie, dass die Investmentfirma verantwortungsbewusst mit Risiken umgeht, gefolgt vom Wunsch nach Stabilität bei Mitarbeitern und Organisation. Beinahe ebenso wichtig ist eine effiziente Informationspolitik. Während der Kreditkrise haderten viele Investoren mit den Fondsgesellschaften: Mangelnde Information und fehlende Transparenz zogen das Vertrauen in Mitleidenschaft - so 65 Prozent der Investoren kürzlich in der monatlichen FTD/Feri-Umfrage. Insgesamt sind die Profis keineswegs zufrieden: 88 Prozent meinen, die Fondsgesellschaften haben gute Unternehmensführung nicht oder überwiegend nicht realisiert.
Die Vergabe von Mandaten an externe Vermögensverwalter ist kräftig gestiegen - und wird sich weiter erhöhen. Die Investoren vergaben zuletzt deutlich mehr Mandate als noch vor zwei Jahren. "Wichtigster Erklärungsgrund ist die allgemeine Risikodiversifizierung, gerade nach den teils massiven Verlusten am Aktienmarkt von 2000 bis 2003", sagt Jörg Grünberg, Leiter Institutional Market Research bei Feri. "Hinzu kommt die zunehmende Berücksichtigung von Publikumsfonds." Allerdings entfallen fast 90 Prozent der Mandate noch auf Spezialfonds, die Profis vorbehalten sind. Dabei entscheiden die Anleger immer noch meist selbst: Lediglich 26 Prozent der Anlageauswahl fielen auf Empfehlung eines Beraters.
Auf Ratings verlassen sich die Investoren bei der Fondsauswahl nicht: Für 50 Prozent spielt ein Rating eine untergeordnete Rolle, für elf Prozent gar keine. Beim Rest hat es entscheidenden Einfluss.
  • Aus der FTD vom 08.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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