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Merken   Drucken   06.02.2006, 08:39 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Rätselhafte Renditelücke

Indexfonds performen schlechter als der Index. Das widerspricht der Theorie und ist trotzdem die Regel. Die Unterschiede sind beträchtlich.
von Martin Diekmann

Indexfonds haben einige Vorteile: Anleger bezahlen beim Handel nur die Differenz von An- und Verkaufskurs: Der Wert liegt zwischen 0,05 Prozent und einem Prozent. Auch die laufenden Kosten fallen gering aus, weil Indexfonds ohne aktive Manager auskommen. Zudem sind Indexinvestments börsentäglich jederzeit handelbar; der Preis richtet sich nach dem Indexstand. Anleger können deshalb anhand des Indexpreises jederzeit sehen, was ihr Investment wert ist. So weit die Theorie.

Die Praxis sieht anders aus. Zwar heißt es, dass die Passiv-Produkte die gleiche Performance wie der zu Grunde liegende Index aufweisen sollen, doch das ist nicht der Fall. Die Unterschiede sind sogar beträchtlich: So liegt die Wertentwicklung bei ETFs und Indexfonds, die den Index EuroStoxx 50  abbilden, auf Jahressicht zwischen 20,97 und 25,08 Prozent - das ist eine beträchtliche Varianz von gut vier Prozentpunkten - wobei der Index ein Plus von 26,12 Prozent machte.

Ein vergleichbares Bild ergibt sich bei anderen Indizes, etwa beim Stoxx 50: Hier gab es auf ein Jahr Wertentwicklungen zwischen 22,76 und 23,34 Prozent bei einer Indexperformance von 25,49 Prozent. Dasselbe Phänomen beim Dax : Dort bewegen sich die Performancewerte der Fonds zwischen 24,17 und 26,81 Prozent; der Index selbst erreicht 27,21 Prozent.

Höhere Kosten

Diese Differenzen treten nicht nur auf Jahressicht auf. In der Akkumulation nach fünf Jahren schneidet das am schlechtesten performende Indexinvestment auf den EuroStoxx 50 um elf Prozentpunkte schlechter ab als der Index, beim Dax beträgt das Minus immerhin noch knapp acht Prozentpunkte.

"Einer der Gründe dafür liegt in den laufenden Kosten", sagt Beate Bastian, Pressesprecherin bei Unico. "Diese fallen bei Indexprodukten zwar weitaus geringer aus als bei aktiv gemanagten Anlagen, schmälern aber nichtsdestotrotz die Wertentwicklung gegenüber dem kostenneutralen Index."

Zudem bilden Indexfonds und ETFs das so genannte Underlying zumeist über Direktinvestments in Aktien ab. Dadurch entstehen höhere Kosten als bei Zertifikaten, die den Index mit Hilfe von Derivaten nachbauen.

Da bei Indexfonds jederzeit ein Recht auf Rückgabe besteht, müssen die Investmentgesellschaften einen Teil des Fondsvermögens als Kassenbestand halten, da sie sonst aussteigewillige Anleger nicht prompt ausbezahlen könnten. Das ist in Zeiten gut performender Börsen und niedriger Zinsen ein klarer Nachteil. Bei ETFs ist es anders, da sie nur über die Börse gehandelt werden.

Halbe Wahrheit

Anleger sollten auch auf die Ausstattung der Indexpapiere achten. Bei thesaurierenden Produkten werden ausgeschüttete Dividenden automatisch reinvestiert. "Auf die Brutto-Dividende müssen bei deutschen Aktien allerdings am Jahresende 21,1 Prozent Steuern gezahlt werden, die dem Fondsvermögen abfließen", so Götz Kirchhoff, Vorstand bei Indexchange, dem größten deutschen Anbieter von ETFs. Das schmälert die Rendite gegenüber dem Index zusätzlich. Wer seinen Steuerfreibetrag noch nicht ausgeschöpft hat, bekommt die Steuer in Form einer Barauszahlung zwar erstattet. In den Fondspreis wird diese Zahlung jedoch nicht aufgenommen, da nicht alle Anleger in den Genuss der Rückzahlung kommen.

Die Kurse der Indexinvestments erzählen also nur die halbe Wahrheit. So schlecht, wie die reinen Performancezahlen suggerieren, schneiden sie nicht ab, da die anfallenden Ausschüttungen in den Preisen nicht aufgeführt sind.

Die großen Performanceunterschiede verschiedener Produkte auf denselben Index lassen sich jedoch nur durch unterschiedliche laufende Kosten erklären.

Am indexnächsten schneiden häufig Zertifikate ab. Für Anleger ist das trotzdem nicht immer positiv, da die meisten Zertifikate Kursindizes abbilden, sämtliche anfallenden Dividenden also an den Emittenten fließen. Bei ETFs und herkömmlichen Indexfonds bekommen Anleger dagegen die Dividenden separat ausgezahlt, sie tauchen allerdings nicht in den Fondspreisen auf. Zertifikate haben zudem noch einen weiteren Nachteil: Für den Fall einer Pleite des Emittenten sind die Anlegergelder nicht geschützt. Im schlimmsten Fall droht dadurch der Totalverlust. Fonds hingegen sind so genanntes Sondervermögen und damit gegen den Zugriff von Gläubigern geschützt.

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  • Aus der FTD vom 06.02.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland
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