Nachdem der erste börsengehandelte Investmentfonds hierzulande erst vor sieben Jahren zugelassen wurde, können Anleger mittlerweile unter mehr als 100 verschiedenen Produkten wählen. Europaweit sind bereits mehr als 300 Indexaktien erhältlich. Vor drei Jahren war die Anzahl nicht einmal halb so groß. Lag das gehandelte Volumen 2004 noch bei etwa 70 Mrd. Euro, bringt es die Branche heute europaweit auf über 166 Mrd. Euro - Tendenz steigend.
Was Emittenten und Anleger in Europa optimistisch stimmt, sieht die Konkurrenz in Übersee relativ gelassen. In den USA liegt das Handelsvolumen bei 28 Mrd. $ - am Tag. "Hier sind ETFs bereits seit 1993 erhältlich, derzeit gibt es davon 389 mit einem verwalteten Volumen von mehr als 455 Mrd. $", sagt Deborah Fuhr, ETF-Spezialistin bei Morgan Stanley.
Noch in einem weiteren Punkt unterscheiden sich die Märkte in Europa und den USA von einander: Während sich in Amerika vor allem Privatanleger für ETFs interessieren - ihr Anteil beträgt etwa 70 Prozent - sind es in Deutschland und anderen europäischen Ländern in erster Linie institutionelle Investoren. Nach Expertenschätzungen bestreiten die Profis etwa 80 Prozent des hiesigen Handels mit ETFs. "Der Grund dafür ist, dass es diese Produkte in den USA bereits viel länger gibt", sagt Thorsten Michalik, Head of Equity ETFs bei der Deutschen Bank. "Es dauert eben seine Zeit, bis Anleger sich von dem Gedanken lösen, aktiv gemanagte Fonds seien die bessere Wahl", so Michalik.
Vorurteil: Indexprodukte sind langweilig
Als weiteren Grund nennt Götz Kirchhoff, Sprecher des Vorstands bei Indexchange, die unterschiedlichen Vertriebswege. "In den USA verdienen Vertriebsmitarbeiter in erster Linie an Beratungsleistungen, für die sie von Anlegern bezahlt werden. Im Gegenzug erwarten sie Angebote mit den günstigsten Kosten-Ertrags-Relationen, und das sind in den meisten Fällen nun einmal Indexprodukte." In Deutschland dagegen werde der Vertrieb in erster Linie über Ausgabeaufschläge und laufende Gebühren der Fonds bezahlt. "Da diese bei ETFs niedrig ausfallen, haben die meisten Berater kein Interesse daran, diese Produkte Anlegern zu verkaufen", so Kirchhoff.
So kommt es einigen Marktteilnehmern durchaus gelegen, dass Indexprodukte noch immer mit dem Vorurteil behaftet sind, langweilig zu sein. Erst langsam setzt sich auch bei Privatanlegern die Erkenntnis durch, dass die vermeintlichen Langeweiler etliche Vorteile zu bieten haben. So ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass nur die wenigsten Fondsmanager dauerhaft in der Lage sind, ihren jeweiligen Vergleichsindex zu schlagen. Oft schneiden aktiv gemanagte Produkte sogar schlechter ab als ihre passiven Pendants. Trotzdem müssen Anleger für gemanagte Fonds deutlich mehr bezahlen.
Götz Kirchhoff ist überzeugt, dass sich ETFs bei Privatanlegern durchsetzen werden: "Spätestens wenn die Honorarberatung an Bedeutung gewinnt und Investoren so wie beim Kauf von Konsumgütern auch bei Finanzanlagen stärker auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten, werden ETFs den endgültigen Durchbruch schaffen." Für Belebung dürfte die Deutsche Bank sorgen, die ihr Angebot bis Jahresende von derzeit 8 auf 50 ETFs aufstocken will. "Neben Länderprodukten werden wir auch ETFs auf einzelne Sektoren sowie auf regionale Indizes und verschiedene Assetklassen auflegen", sagt Michalik.