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Merken   Drucken   08.08.2006, 08:33 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Später Erfolg der Riester-Renten

Erst war sie ein Ladenhüter, jetzt ist sie ein Verkaufsschlager: Die staatlich geförderte private Altersvorsorge, die so genannte Riester-Rente, hat den Durchbruch geschafft. Mehr als sechs Millionen Kunden haben inzwischen einen Vertrag. von Anja Krüger
Anzahl der Riester-Verträge   Anzahl der Riester-Verträge
Die Bundesregierung hat die Förderung der Altersvorsorge 2002 eingeführt, um Kürzungen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Der Staat bezuschusst Riester-Verträge mit Zulagen, die in vier Stufen von 2002 bis 2008 steigen - das ist ein Grund für den erst jetzt einsetzenden Verkaufserfolg. Zurzeit liegt die Zulage bei maximal 114 Euro im Jahr für Alleinstehende, Ehepaare erhalten das Doppelte. Für jedes Kind gibt es jährlich weitere 138 Euro. Außerdem können die Beiträge steuerlich geltend gemacht werden. "Die Riester-Rente ist eine gute Sache, die auch Gutverdiener mitnehmen sollten", sagt Thorsten Rudnik von der Verbraucherorganisation Bund der Versicherten.
Riester-Renten werden als Banksparplan, Versicherung oder Investmentfondsvertrag angeboten. Für alle Produkte gilt: Der Anbieter muss den Erhalt der eingezahlten Beiträge garantieren. Rudnik empfiehlt Kunden, die erst in 10 bis 15 Jahren in Rente gehen, den Abschluss eines Investmentfonds-Vertrags. "Hier sind die Renditechancen größer."
Riester-Banksparpläne dagegen sind sehr sicherheitsorientiert. Viele Banken bieten sie gar nicht an, bislang wurden erst 265.000 Stück verkauft. Die Versicherer haben schon mehr als fünf Millionen Riester-Policen abgesetzt. Bei einer klassischen Riester-Versicherung erhält der Kunde in der Regel eine garantierte Mindestverzinsung von zurzeit 2,75 Prozent auf den Sparanteil seiner Prämie. Bei der fondsgebundenen Variante gibt es keine Garantieverzinsung, dafür sind trotz höherer Kosten die Renditechancen höher. Bis Ende 2005 waren erst 20 Prozent der Riester-Versicherungen fondsgebunden, unter den im ersten Quartal 2006 verkauften waren es bereits ein Drittel. Investmentgesellschaften holen auf
"Wer sich bei Riester für eine Fondsanlage entscheidet, sollte direkt bei einer Fondsgesellschaft abschließen", sagte Rudnik. Kunden könnten bei einer Riester-Versicherung nicht nachvollziehen, wie viel von der Prämie angespart und wie viel für Kosten abgezogen werde.
Die Investmentgesellschaften haben im Riester-Geschäft mächtig aufgeholt. Der Bestand stieg von rund 316.000 Verträgen 2004 auf jetzt etwa 811.000. Mit einem Marktanteil von 86 Prozent ist hier die zum Verbund der Raiffeisen- und Genossenschaftsbanken gehörende Union Investment führend. "Mit Riester hatten wir das erste Mal die Möglichkeit, Garantien zu geben", sagt Wolfram Erling, Leiter der Abteilung Altersvorsorge. "Die Beiträge des Kunden und die Zulagen fließen in einen Aktienfonds. Bei sinkenden Märkten werden die Einlagen automatisch in einen Rentenfonds umgelagert", sagt Erling. Das ist für den Kunden kostenlos. Allerdings muss er für jeden Beitrag einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent bezahlen. Und wenn er noch kein Depot bei dem Anbieter hat, wird außerdem eine einmalige Gebühr von 9,86 Euro fällig. Hinzu kommt eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,2 Prozent des angelegten Vermögens.
Die Versicherer sehen ihre Verträge vor allem in der Auszahlungsphase im Vorteil. Anders als Investmentgesellschaften haben sie Erfahrung mit lebenslang laufenden Renten. Bei einem Investmentfondsvertrag fließt das Geld bis zum 85. Lebensjahr aus einem Auszahlungsplan. Für die Zeit danach muss der Kunde eine Rentenversicherung abschließen. Die Folge könne ein dramatisches Gefälle zwischen den Zahlungen vor und nach dem 85. Lebensjahr sein, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Bei einer Rentenversicherung wird zu Beginn der Rente eine Zahlung kalkuliert, die der Höhe nach garantiert ist", sagt ein Sprecher.
Der Kunde könne bei einem Versicherer wählen, ob er eine lebenslang gleich hohe Rente wolle oder eine höhere in den ersten Jahren nach Zahlungsbeginn. So wisse er, was er mindestens erhält.
  • Aus der FTD vom 08.08.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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