Das Parker-Punkte-SystemNoch sind Investmentmöglichkeiten in Wein aber rar. In Deutschland gibt es nur eine Hand voll geschlossener Weinfonds. Seit Ende der 90er-Jahre hat etwa die Beteiligungsgesellschaft Blue Capital, eine Unicredit-Tochter, insgesamt vier Weinfonds aufgelegt. Aber das ist schon eher die Ausnahme. Gesammelt wurden vorwiegend Bordeaux-Weine, die nach dem Parker-Punkte-System mit mindestens 85 Punkten bewertet wurden. Der US-Weinexperte Robert Parker bewertet Weine auf einer Skala von 50 bis 100 Punkten. Zwar ist sein Urteil in der Weinwelt nicht unumstritten, dennoch bestimmt es die Performance vieler Weine.
"Wird ein Wein von Parker mit 99 Punkten bewertet, geht der Preis ab wie eine Rakete", sagt Valentin Brodbecker, Inhaber des Finanzdienstleisters Brodbecker Finance Competence, der von einer Fachzeitschrift zum "Weinkenner 2006" gekürt wurde. Den Einkauf der Weine für Blue Capital leitete der Bordeaux-Experte Guy Robert, um die Lagerung kümmerte sich der Hamburger Weingroßhändler Hawesko. Der Fonds "Vinum 2000" zum Beispiel hatte ein Volumen von 5 Mio. Euro, rund 300 Anleger waren beteiligt. Im nächsten Jahr beginnt der Verkauf. Trotz hoher Nachfrage sei ein neuer Weinfonds derzeit aber nicht geplant, da Blue Capital gerade in eine neue Holding überführt werde.
Prinzip bei Weinfonds in der Regel gleich
Bei Paulson wird es noch in diesem Jahr einen neuen Weinfonds geben. "Wir denken an ein Volumen von 3 bis 4 Mio. Euro", sagt Paulson. Die Laufzeit des Fonds wird voraussichtlich fünf Jahre betragen. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt: "Von Taiwan bis Brasilien", sagt Paulson. "Darunter sind betuchte Privatinvestoren, Finanzbosse und Fußballprofis."
Guter Wein kommt bekanntlich nicht nur aus Frankreich: Mit dem "Zum Wohle 2006" hat Brodbecker den ersten Fonds aufgelegt, der ausschließlich in deutsche Weine investiert. Die Mindesteinlage liegt bei 5000 Euro. Die Weine werden 10 bis 20 Prozent unter Marktpreis eingekauft. Brodbecker rechnet damit, dass die edlen Tropfen während der Laufzeit von drei Jahren eine Rendite von etwa 50 Prozent bringen.
Das Prinzip bei Weinfonds ist in der Regel gleich: Die Fondsmanager kaufen möglichst preisgünstig Spitzenweine ein, von denen sie nach Jahren der Lagerung im speziellen Weinkeller oder im teuren Weinschrank hohe Wertsteigerungsraten erwarten. Am Ende der festgelegten Laufzeit können die Kunden entscheiden, ob sie ihre Pakete selbst behalten oder verkaufen wollen oder aber den Verkauf der Fondsgesellschaft überlassen. Über die Höhe der Rendite entscheidet der dann erzielte Verkaufspreis abzüglich der Nebenkosten.