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Merken   Drucken   17.07.2007, 08:09 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Starkes Interesse an Weinfonds

Im Januar nächsten Jahres ist es so weit: Dann beginnt Weinhändler Jan-Eric Paulson den Ausverkauf seines "Rare-Wine-Pools", eines Weinfonds mit erlesenen Tropfen, die über fünf Jahre lang in seinem Depot schlummerten. von Jarka Kubsova
Die Rendite könne er bisher noch nicht beziffern. Aber sie wird "sicher sehr gut" sein, ist Paulson überzeugt. "Die Preise für Wein ändern sich derzeit wöchentlich", sagt Paulson, "und eigentlich geht es nur steil nach oben." Davon zeugt auch der Leitindex für feine Weine der Londoner Internetweinbörse Liv-ex: Der Liv-ex 100 hat im vergangenen Jahr 90 Prozent hinzugewonnen. Der Index bildet die Preisentwicklung von 100 Weinen der Jahrgänge 1982 bis 2003 ab, die vorwiegend aus Frankreich stammen.
Mit den Renditen steigt auch die Nachfrage nach Investitionsmöglichkeiten. "Die Menschen sind auf der Suche nach alternativen Investments", sagt Paulson. "Das Interesse an Weinfonds ist sehr hoch." Vor mehr als 20 Jahren hat sich der gebürtige Schwede auf den Handel mit Weinraritäten spezialisiert. In den vergangenen Jahren wurde die Nachfrage nach kostbaren Weinen vor allem aus China, Indien und Osteuropa getrieben.
Das Parker-Punkte-System
Noch sind Investmentmöglichkeiten in Wein aber rar. In Deutschland gibt es nur eine Hand voll geschlossener Weinfonds. Seit Ende der 90er-Jahre hat etwa die Beteiligungsgesellschaft Blue Capital, eine Unicredit-Tochter, insgesamt vier Weinfonds aufgelegt. Aber das ist schon eher die Ausnahme. Gesammelt wurden vorwiegend Bordeaux-Weine, die nach dem Parker-Punkte-System mit mindestens 85 Punkten bewertet wurden. Der US-Weinexperte Robert Parker bewertet Weine auf einer Skala von 50 bis 100 Punkten. Zwar ist sein Urteil in der Weinwelt nicht unumstritten, dennoch bestimmt es die Performance vieler Weine.
"Wird ein Wein von Parker mit 99 Punkten bewertet, geht der Preis ab wie eine Rakete", sagt Valentin Brodbecker, Inhaber des Finanzdienstleisters Brodbecker Finance Competence, der von einer Fachzeitschrift zum "Weinkenner 2006" gekürt wurde. Den Einkauf der Weine für Blue Capital leitete der Bordeaux-Experte Guy Robert, um die Lagerung kümmerte sich der Hamburger Weingroßhändler Hawesko. Der Fonds "Vinum 2000" zum Beispiel hatte ein Volumen von 5 Mio. Euro, rund 300 Anleger waren beteiligt. Im nächsten Jahr beginnt der Verkauf. Trotz hoher Nachfrage sei ein neuer Weinfonds derzeit aber nicht geplant, da Blue Capital gerade in eine neue Holding überführt werde.
Prinzip bei Weinfonds in der Regel gleich
Bei Paulson wird es noch in diesem Jahr einen neuen Weinfonds geben. "Wir denken an ein Volumen von 3 bis 4 Mio. Euro", sagt Paulson. Die Laufzeit des Fonds wird voraussichtlich fünf Jahre betragen. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt: "Von Taiwan bis Brasilien", sagt Paulson. "Darunter sind betuchte Privatinvestoren, Finanzbosse und Fußballprofis."
Guter Wein kommt bekanntlich nicht nur aus Frankreich: Mit dem "Zum Wohle 2006" hat Brodbecker den ersten Fonds aufgelegt, der ausschließlich in deutsche Weine investiert. Die Mindesteinlage liegt bei 5000 Euro. Die Weine werden 10 bis 20 Prozent unter Marktpreis eingekauft. Brodbecker rechnet damit, dass die edlen Tropfen während der Laufzeit von drei Jahren eine Rendite von etwa 50 Prozent bringen.
Das Prinzip bei Weinfonds ist in der Regel gleich: Die Fondsmanager kaufen möglichst preisgünstig Spitzenweine ein, von denen sie nach Jahren der Lagerung im speziellen Weinkeller oder im teuren Weinschrank hohe Wertsteigerungsraten erwarten. Am Ende der festgelegten Laufzeit können die Kunden entscheiden, ob sie ihre Pakete selbst behalten oder verkaufen wollen oder aber den Verkauf der Fondsgesellschaft überlassen. Über die Höhe der Rendite entscheidet der dann erzielte Verkaufspreis abzüglich der Nebenkosten.

Teil 2: Wovon die Wertsteigerung abhängt

  • Aus der FTD vom 17.07.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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