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Merken   Drucken   23.05.2007, 08:10 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Tiefschlag für geschlossene Derivatefonds

Wenn Anleger ihre Wertpapiere bis Silvester 2008 kaufen, ist im Rahmen der Abgeltungsteuer eine großzügige Übergangsregelung geplant: Ein Verkauf nach Ablauf der Spekulationsfrist bleibt abgabenfrei. Nach dem Gesetz, das nun vom Finanzausschuss beschlossen werden soll, gilt die Ausnahmeregel aber nicht für Zertifikate. von Robert Kracht
Hier wird für alle nach dem 14. März 2007 erworbenen Titel am 30. Juni 2009 Schluss sein. Später verkaufte Werte unterliegen unabhängig von Haltefrist und Kaufdatum der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Dazu kommt der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls auch Kirchensteuer. Diese aktuelle Korrektur im laufenden Gesetzgebungsverfahren ist die Antwort auf Gestaltungsangebote der Branche, Anlegern Steuerfreiheit auf Lebenszeit zu konservieren - über neu aufgelegte Open-End-Zertifikate.
Den zunächst in Aussicht gestellten Bestandschutz verwenden derzeit auch Initiatoren geschlossener Fonds. Sie setzen in den Assetklassen Private Equity, gebrauchte Lebensversicherungen oder Infrastruktur nicht auf Unternehmen oder Policen, sondern investieren hier indirekt über Zertifikate.
Die jetzt kurzfristig gekippte Übergangsregel trifft Fondsanleger besonders hart. Sie binden sich bei geschlossenen Beteiligungsmodellen bis zu 15 Jahre lang und rutschen dauerhaft in die nicht einkalkulierte Steuerpflicht. Während Wertpapierbesitzer ihre Bonus- oder Indexzertifikate börsentäglich bis Ende Juni 2009 abstoßen können, ist das bei geschlossenen Fonds nur eingeschränkt über wenige Zweitmärkte möglich. Beim Preis müssen sie zudem einkalkulieren, dass der Käufer die Steuerpflicht gleich miterwirbt - der Preis sinkt entsprechend. "Bis zum endgültigen Gesetzestext sollte keine Beteiligung mit Zertifikaten mehr gezeichnet werden", sagt Fondsexperte Martin Führlein von Rödl & Partner in Nürnberg.
Ein Viertel weniger Rendite
Statt einer erhofften steuerfreien Jahresrendite von bis zu zehn Prozent sind es nämlich gut ein Viertel weniger, wenn der Fiskus bei den Gewinnen ab 2009 mit der neuen Pauschalsteuer die Hand aufhält. Die Anbieter müssen somit ihre Prospekte überarbeiten und geringere Nachsteuerrenditen einkalkulieren. "Daher sollten Initiatoren den Vertrieb für betroffene Produkte bis zur endgültigen Klärung erst einmal stoppen", sagt Steuerberater Führlein. Bei solch langfristigen Anlagen würden die Entscheidungen der kommenden Tage gravierend wirken, vor allem, weil einige Fonds mit Blick auf die Ausnahmeregel bei der Abgeltungsteuer konzipiert wurden. Planungssicherheit gibt es wohl erst am 8. Juni mit Zustimmung des Bundesrats zum heutigen Beschluss.
Betroffen sind Private-Equity-Fonds. Sie sind gerade erst auf den Zertifikatezug aufgesprungen, um Problemen mit dem Fiskus aus dem Weg zu gehen. Zwar ist der spätere Verkauf oder Börsengang der jungen Unternehmen bei herkömmlicher Beteiligung steuerfrei. Dafür müssen die Gesellschaften aber bestimmte Kriterien penibel einhalten, was insbesondere beim für Kleinanleger konzipierten Dachfonds gar nicht so einfach ist. Ein falsch gewählter Zielfonds bringt plötzlich gewerbliche Gewinne für die gesamte Konstruktion.
Diese Gefahr besteht bei den Zertifikaten nicht, die auf den Erfolg von Unternehmen in der Entwicklungsphase über Indizes setzen. Der Umweg über Wertpapiere soll den Anlegern Jahresrenditen von zehn Prozent bringen. Das gelingt aber nur mit der eingerechneten Steuerfreiheit. Nach dem aktuellen Gesetzesplan sind es noch knapp 7,5 Prozent Rendite. Da es bei anderen Anlageformen beim Bestandsschutz bleiben soll, ist so die Direktinvestition in Unternehmen steuerlich wieder attraktiver.
Bei Lebensversicherungsfonds, die über Derivate auf ein zusammengestelltes Portfolio aus Zweitmarkt-Policen setzen, sieht es ähnlich aus. Die Steuerfreiheit ist auch hier das entscheidende Argument für die Konstruktion, denn bei herkömmlichen geschlossenen Fonds erfasst das Finanzamt alle Erträge als gewerbliche Gewinne mit der individuellen Anlegerprogression.
Auch geschlossene Infrastrukturfonds leiden. Sie bilden über Zertifikate oder Genussrechte die Wertentwicklung eines Referenzportfolios nach. Die frisch gedruckten Prospekte müssen wohl berichtigt werden, durch Anpassung der Nettorendite nach unten.

Betroffene Produkte im Überblick
Private Equity Die Hannover Leasing mit dem Private Invest I und die LHI Leasing mit dem Fonds Europäischer Mittelstand sind derzeit in der Zeichnung. Das Fondsvermögen aus Zertifikaten entwickelt sich auf Grundlage eines Portfolios verschiedener realer Private-Equity-Investitionen, ähnlich einem Aktienkorb. Erst nach einem Jahr werden die Derivate verkauft.
Lebensversicherungen Die HSC-Sachwert Concept mit dem Optivita Europe LV und die Helios Life mit ihrem UK-Policenfonds sind im Angebot. Über Zertifikate oder vergleichbare Genussrechte wird hier ein Depot mit gebrauchten Policen zusammengestellt. Die Gewinne aus dem Handel gehen in die Kurse der Wertpapiere ein und werden frühestens nach zwölf Monaten realisiert.
Infrastruktur HPC-Capital bietet Anlegern den Fonds Infrastruktur 1, die Macquarie Bank den Infrastruktur Nr. 3. Das Referenzportfolio besteht aus mehreren Infrastrukturfonds verschiedener Investmentgesellschaften, die wiederum Unternehmen aus den Bereichen Straßen-, Schienen- und Brückenbau erwerben. Das Aussitzen der einjährigen Spekulationsfrist ist in der Kalkulation eingerechnet.
  • Aus der FTD vom 23.05.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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