Die geprellten Anleger des Master Star Fund Deutscher Vermögensfonds I werden von ihren insgesamt eingezahlten 43,4 Mio. Euro maximal 15 bis 20 Prozent zurückerhalten. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt der Bericht des Insolvenzverwalters Jens-Sören Schröder, der der FTD vorliegt. Die übrigen Mittel wurden ausgegeben für eine Beteiligung an dem Unternehmen MI Invictum, Provisionen, Verwaltung und andere so genannte graue Kosten.
Der Fonds wurde im März 2003 aufgelegt. Beabsichtigt war, bei Kleinanlegern 200 Mio. Euro einzusammeln. Zu diesem Zweck heuerten die Initiatoren prominente Politiker an. Unter anderem warb der ehemalige Verteidigungsminister Rupert Scholz für das Produkt. Geschäftsführer des Fonds war der ehemalige Berliner Senator und FDP-Landesvorsitzende Walter Rasch. Die Werbung hatte Erfolg: 6957 Anleger zeichneten Anteile, ehe die Aufsichtsbehörde BaFin den Fonds wegen unzulässiger Finanzkommissionsgeschäfte vor fünf Monaten schloss.
Der Fonds sollte laut Prospekt in Immobilienfonds, Hedge-Fonds, Aktien- und gemischte Fonds investieren und sich außerdem an Unternehmen beteiligen. Als einzigen Vermögensgegenstand weist der Bericht des Insolvenzverwalters aber die Beteiligung an der MI Invictum KG aus. Das Unternehmen sollte einen Vertrieb mit 2500 Mitarbeitern aufbauen, die Versicherungs- und Anlageprodukte anbieten. Die Gesellschaft schaffte es offenbar aber nicht, die Vertriebsmitarbeiter exklusiv an sich zu binden. Sie traten stattdessen als Mehrfachagenten auf. Vertrieben wurden zudem nur zwei Produkte der Gutingia Lebensversicherung, die zu der umstrittenen Göttinger Gruppe gehört.
Bei beiden Produkten sollen die Provisionen über dem Marktdurchschnitt gelegen haben. Das treibt normalerweise den Umsatz an. MI Invictum erwirtschaftete laut Bericht dennoch 12,5 Mio. Euro Verlust. Allein 9,9 Mio. Euro davon zahlte das Unternehmen an die Firma Finance Business aus Lüneburg, die neue Mitarbeiter für MI Invictum rekrutiert haben soll.
Der Großteil des eingesammelten Geldes versickerte laut Bericht bei der DVM Deutsche Vertriebs Marketing AG. Das Unternehmen kassierte 24,8 Mio. Euro Provisionen allein dafür, dass es den Kontakt zu den Anlegern knüpfte. DVM gehört zur Deutschen Anlagen AG. Deren Gesellschafter werden von Anlegeranwälten ebenfalls dem Bereich der Göttinger Gruppe zuordnen. Mit der Göttinger Gruppe hatten in den 90er Jahren mehr als 100.000 Anleger Verluste gemacht.
"Der Master Star Fund ist anscheinend von Anfang an darauf ausgerichtet gewesen, ein möglichst undurchsichtiges Firmengeflecht zu Lasten der Anleger zu schaffen", sagt der Berliner Anlegerjurist Christian Röhlke.
Um möglichst die gesamten Investitionen zurückzubekommen, haben Anleger Klage eingereicht. Dietmar Kälberer, Rechtsanwalt in der Kanzlei KTAG, hält die Klagen gegen Walter Rasch für besonders aussichtsreich. Rasch eröffnete seinerseits einen Nebenschauplatz und erwirkte zwei einstweilige Verfügungen gegen KTAG. Damit ausgerüstet sollen die Vertriebsmitarbeiter nun offensichtlich zu den Anlegern gehen, um ihnen eine Umstellung in einen Garantiefonds anzubieten. Entsprechende Unterlagen liegen der FTD vor.