FTD.de » Finanzen » Geldanlage » Verunsicherte Anleger gieren nach Goldbarren

Merken   Drucken   26.08.2007, 09:00 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Verunsicherte Anleger gieren nach Goldbarren

Gold ist in diesen turbulenten Zeiten an den Finanzmärkten wieder als Krisenwährung gefragt. In den vergangenen Tagen mussten Anleger in den Filialen des Münchner Edelmetallhändlers Pro Aurum bis zu eine halbe Stunde Schlange stehen, um sich mit Goldmünzen oder -barren einzudecken. von Bernd Mikosch und Tobias Bayer
Pro Aurum muss derzeit bis zu zwei Wochen auf Lieferungen warten, weil Produzenten wie Heraeus aus Hanau nicht mehr mit der Produktion hinterherkommen. "Uns werden buchstäblich die Regale leergekauft", sagt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Leiter Marketing und Sales bei der Heraeus Metallgesellschaft. Die Herstellungskapazitäten seien derzeit voll ausgelastet.
Der Goldpreis in $ je Feinunze   Der Goldpreis in $ je Feinunze
Doch die Krise am US-Hypothekenmarkt treibt nicht nur die Nachfrage der Privatanleger nach physischem Gold, sie ist auch ein Risiko für den Preis des Edelmetalls: Gold können große Investoren nämlich problemlos verkaufen, wenn sie kurzfristig Liquidität brauchen. "Halten die Subprime-Turbulenzen weiter an, kann es zu Rückschlägen beim Goldpreis kommen", sagt Wrzesniok-Rossbach. Am Donnerstag notierte Gold bei 664 $ je Feinunze (31,1 Gramm), nicht weit entfernt vom Jahreshöchststand bei 694,25 $, der im April erreicht wurde.
Fundamental sehen Experten den Goldpreis gut unterstützt. Eine bedeutende Rolle kommt Indien zu, das für 20 Prozent der globalen Nachfrage aufkommt. Die Monate September und Oktober sind laut Rhona O'Connell, Analystin beim Researchhaus GFMS Analytics, traditionell die nachfragestärksten im Jahr. Doch eine Sorge hat O'Connell: "Der Monsun hat verspätet angefangen. Das kann dazu führen, dass Juweliere bereits Gold gekauft haben und der positive Nachfrageeffekt geringer ausfällt als gewöhnlich." Sie rechnet damit, dass der Goldpreis in den nächsten Monaten die Marke von 715 $ testen wird. "Darüber hinaus sehe ich aber kein großes Potenzial."
Wichtig sind auch die Absicherungsgeschäfte der Minengesellschaften. Diese haben laut GFMS im zweiten Quartal Verkaufspositionen in Höhe von 161 Tonnen geschlossen, was den Goldpreis stabilisierte. "Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass sich das in dieser Größenordnung fortsetzt", sagt Wrzesniok-Rossbach. Der Experte geht davon aus, dass sich der Goldpreis in den kommenden sechs Monaten in engen Bahnen bewegt und sogar leicht sinken könnte.
Anlegern, die eine Krise des Finanzsystems fürchten, werden solche Überlegungen egal sein. "Unsere Kunden sehen Gold nicht als Spekulationsmedium, sondern als Hort der Sicherheit und als Versicherung für das Depot", sagt Pro-Aurum-Geschäftsführer Robert Hartmann. "Für Anleger, die auf kurzfristige Preistrends setzen wollen, sind Zertifikate besser geeignet." Bei Zertifikaten kann sich der Anleger auch eine Währungssicherung (Quanto) einkaufen. Das erscheint bei Gold durchaus sinnvoll, schließlich reagiert der Goldpreis relativ sensibel auf den Dollar-Kurs. Außerdem bieten Zertifikate die Möglichkeit, von fallenden Kursen zu profitieren - für Anleger, die nicht an die große Krise glauben.
Allerdings: Bei einer Bankenkrise wie derzeit sind Zertifikate keine gute Wahl. Diese Papiere sind schließlich Inhaberschuldverschreibungen, deren Rückzahlung bei einer Schieflage der Bank gefährdet ist. Mehr Sicherheit versprechen börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die mit physischem Gold hinterlegt sind.

Kein sicherer Hafen
Seitwärtstrend Gold gilt als Krisenwährung – der Kurs sollte in schlechten Börsenzeiten zulegen. Von der Hypothekenkrise kann das Edelmetall bisher nicht profitieren. Investoren verkaufen sogar Gold, weil sie schnell Geld brauchen, um andere Löcher zu stopfen.
  • FTD.de, 26.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6315,89  [30.14 +0,48%
  Euro Stoxx 50 2156,52  [22.47 +1,05%
  Dow Jones 12443,02  [-53.13 -0,43%
  Nasdaq Composite 2828,56  [-21.56 -0,76%
  Euro 1,25322 USD  [-0.00248 -0,20%
  Brent-Öl 106,56 USD  [0.25 +0,24%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



FTD-SPEZIAL: FINANZKOMMUNIKATION

mehr FTD-Spezial: Finanzkommunikation

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote