Kursinformationen und Charts
Am Mittwoch dieser Woche sorgte eine Aktie mit einem Kursschub von in der Spitze zehn Prozent für Aufsehen, die ansonsten eher als zwar substanzstarkes, aber langweiliges Papier gilt. Nach der Veröffentlichung überzeugender Zahlen für das zweite Quartal kam Leben in die Titel von BayWa, und zwar sowohl in die Namensaktien als auch in die im Nebenwertesegment SDax vertretenen vinkulierten Namensaktien des Unternehmens.
Der Substanzriese BayWa gilt in Börsianerkreisen als das, was die Amerikaner "Sleeping Beauty" nennen: eine schlafende Schönheit, deren Qualitäten an der Börse allgemein verkannt werden. Der auf Süd- und Ostdeutschland, Österreich und die südosteuropäischen Länder ausgerichtete Handels- und Dienstleistungskonzern steht auf vier Säulen: Agrar, Bau, Energie und sonstige Aktivitäten. Schon ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass der Titel eine Ausnahmestellung einnimmt: BayWa hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 6 Mrd. Euro erzielt, der Börsenwert beträgt aber gerade einmal ein Zwölftel dieses Werts. Zum Vergleich: Der MDax-Titel Deutsche Postbank hat im vergangenen Jahr nur etwa fünf Prozent mehr umgesetzt als BayWa, ist an der Börse aber 14-mal so viel wert. Trotz des jüngsten Kursschubs notiert die vinkulierte Namensaktie der BayWa noch immer unterhalb des anteiligen Buchwerts.
Interessanter Kursverlauf
Interessant ist der langfristige Kursverlauf der Aktie: Über Jahre dümpelte der Kurs im Bereich zwischen 6 Euro und7 Euro vor sich hin, ehe ein starker Kursschub einsetzte, der bis in den Bereich von etwa 16 Euro führte. Es folgte eine ausgeprägte Konsolidierungsphase; in den vergangenen beiden Jahren notierte die Aktie ohne große Kursbewegungen zwischen 12 und 14 Euro, die allgemeine Hausse der deutschen Nebenwerte ging an ihr vorbei.
Wohl zu Unrecht, wie sich jetzt erweist. BayWa hat für das zweite Quartal gute Zahlen vorgelegt und dabei in einigen Teilbereichen positiv überrascht. Nach einem witterungsbedingt schwachen ersten Quartal liefen die Geschäfte von April bis Juni so gut, dass der Umsatz des entsprechenden Vorjahreszeitraums um 5,2 Prozent übertroffen werden konnte. Die Geschäftsführung zeigte sich optimistisch, dass BayWa sowohl beim Umsatz als auch beim Vorsteuergewinn die Zahlen des Vorjahrs übertreffen wird.
Jedes Kind kennt BayWa, zumindest in Bayern
In Bayern kennt BayWa zwar jedes Kind, schon deshalb, weil der Konzern, wenn schon nicht in jedem Dorf, so doch in jeder Kleinstadt vertreten ist. Aber in der Finanzszene wird die Aktie wenig beachtet. Immerhin gab es unmittelbar nach Veröffentlichung der Quartalszahlen Analysen vom Bankhaus Lampe und von der HypoVereinsbank (HVB), die sich recht ähnlich lesen: BayWa liege im Plan, werde die gesteckten Ziele erreichen und biete Investoren überdurchschnittliche Gewinnchancen. Die HVB setzt ein Kursziel von 17 Euro, Bankhaus Lampe von 18 Euro.
Angesichts des aktuellen Kursniveaus klingt das nicht gerade ambitioniert, aber für Langfristanleger gelten andere Maßstäbe. BayWa ist alles andere als eine "sexy" Aktie mit einer aufregenden Story. Es handelt sich vielmehr um ein sehr gut und umsichtig geführtes Unternehmen mit langer Tradition und klarer Ausrichtung. Der aktuelle Unternehmenswert an der Börse ist weitgehend durch den immensen Immobilienbesitz gedeckt, das Risiko von Kursverlusten daher zumindest auf lange Sicht zu vernachlässigen. Der Titel ist sicher nicht für extreme Kurssprünge gut, aber er ist genau das, was substanzwertorientierte Anleger suchen. Wäre Investorenlegende Warren Buffet nicht in Nebraska, sondern in Bayern aufgewachsen, dann hätte er BayWa mit Sicherheit im Depot.