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Merken   Drucken   07.08.2007, 08:15 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Wenige Perlen im Entry Standard

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, sagt ein altes Sprichwort. Im Entry Standard häufen sich derzeit die Festlichkeiten. Vor gut zwei Wochen bejubelte das Einstiegssegment der Deutschen Börse mit dem Handelsstart von M4E sein 100. Mitglied. von Christian Ingerl
Schon steht das nächste Jubiläum an: Am 25. Oktober wird der Entry Standard zwei Jahre alt. Jubelstimmung mag bei Anlegern nicht aufkommen. Zwar ging es gleich nach dem Start steil bergauf: Innerhalb weniger Monate schoss der Entry-Standard-Index um mehr als 60 Prozent nach oben. Doch der Höhenflug war nicht von Dauer. Aktuell liegt das aus den 30 liquidesten Titeln bestehende Barometer nur noch rund ein Prozent über dem Startwert. Mehr als die Hälfte der Indexmitglieder notiert im Vergleich zum Börsengang oder der Notierungsaufnahme im Minus. Trauriger Rekordhalter ist Amitelo, dessen Preis mittlerweile auf 21 Cent abgestürzt ist. Den Schweizern werden Falschmeldungen nachgesagt.
"Wir müssen die Qualität im Entry Standard  hoch halten, weil wir bei Investoren bereits eine gewisse Zurückhaltung spüren", sagt Mathias Schmid, Vorstandsmitglied bei der Concord Investmentbank. "Wir müssen uns sehr bemühen, damit wir nach dem 100. auch noch das 200. Unternehmen im Entry Standard sehen."
Brutkasten für kapitalhungrige Unternehmen   Brutkasten für kapitalhungrige Unternehmen
Die schwache Performance dürfte mehrere Gründe haben: Zum einen vollzog sich am Markt ein Favoritenwechsel weg von Nebenwerten hin zu Blue Chips. Das bekommen die oft illiquiden Entry-Standard-Titel zu spüren. Zum anderen gibt es erste Vertrauensverluste. So verzeichnete das Segment schon nach gut einem Jahr mit dem Telekomhändler Eutex die erste Insolvenz. Dazu lasten fragwürdige Geschäftsmodelle auf dem Image des Entry Standard. "Es kann durchaus weitere Ausfälle geben, denn nicht jedes Geschäftsmodell funktioniert", sagt Peter Conzatti, Fondsmanager bei Lupus alpha. "Volkswirtschaftlich gesehen ist der Entry Standard als Institution aber eine gute Sache."
So gibt es auch Erfolgsstorys zu berichten. Unternehmen wie Manz Automation  oder Bavaria Industriekapital  überzeugen mit hohen Kurszuwächsen. Die Aktie von Roth & Rau , einem Ausrüster für die Solarbranche, ist mit einem Plus von fast 400 Prozent seit Börsengang Spitzenreiter. Analysten von Goldman Sachs hoben ihr Kursziel jüngst von 123 auf 200 Euro an, das würde vom aktuellen Kurs aus gerechnet ein Plus von weiteren 20 Prozent bedeuten.
Kaum Transparenz
Dennoch: Aufgrund der laschen Regulierung des Segments und der geringeren Transparenz - Kritiker bezeichnen die Firmen gerne als Blackbox -, müssen Anleger schon sehr genau hinsehen, in welche Werte sie investieren. Hinzu kommt das geringe Handelsvolumen, das eine Anlage zusätzlich riskant macht. Börsenbriefe nutzen dies gerne aus. Kürzlich sorgte ein Aktientipp bei der Vectron-Aktie für eine Kursrally.
Kursinformationen und Charts
  BKN BIOSTROM AG 0,55 EUR  [-0.04 -6,78%
  BAVARIA INDUSTRIEKA. O.N. 11,8 EUR  [0 0,00%
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Noch relativ unbekannt, aber durchaus interessant ist Bavaria Industriekapital. Die Beteiligungsfirma ist auf den Kauf von Turnaround-Kandidaten spezialisiert und päppelt diese durch aktives Management auf. Mit Erfolg: Die Münchner erzielten 2006 einen Nettogewinn von 13,8 Mio. Euro, nach 2,1 Mio. Euro im Vorjahr. Fünf der neun Beteiligungen steuerten bereits positive Erträge bei. Das Unternehmen zeigt sich seinen Aktionären gegenüber großzügig: Zuletzt schüttete Bavaria 3 Euro je Anteilsschein aus - das bedeutet eine Dividendenrendite von knapp sieben Prozent. Auch für die Zukunft ist das Unternehmen zuversichtlich gestimmt und erwartet 2007 wesentliche Ergebnisverbesserungen im Beteiligungsportfolio.
Einen Blick wert könnte auch BKN Biokraftstoff Nord  sein. Zwar bläst der Branche wegen der mittlerweile geringen Preisdifferenz zwischen dem klassischen Diesel und der Biovariante ein starker Wind entgegen. Die Firma hat aber die Zeichen der Zeit erkannt und sich kürzlich mit der Übernahme eines Biostromunternehmens ein zweites Standbein geschaffen. Um das Risiko möglichst niedrig zu halten, baut die profitable Tochter die Anlagen nicht selbst, sondern tritt als Projektmanager auf. Derweil läuft auch die Biodieselproduktion weiter.
Bei günstigeren politischen Rahmenbedingungen schließt BKN sogar eine Kapazitätserweiterung nicht aus. "Der zügige Ausbau des Biogasgeschäfts und der verstärkte Eigenvertrieb von Biodiesel sollten zu einem kräftigen Umsatz- und Ergebniswachstum führen", ist sich SES-Analyst Karsten von Blumenthal sicher. Er empfiehlt die BKN-Aktie mit einem Kursziel von 17 Euro zum Kauf. Mitarbeit: Mark Böschen
Ausgewählte Aktien aus dem Entry Standard
Unternehmen ISIN Börsenwert* KGV 2008e** Performance***
Bavaria Industriek. DE0002605557 97,0 4,0 -34,5 %
BKN Biokr. Nord DE000A0LD4M4 84,0 11,7 103,5 %
Roth & Rau DE000A0JCZ51 381,8 27,6 319,0 %
         
*) in Mio. €;
**) erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis;
***) seit Jahresbeginn, Quelle: Bloomberg, Reuters, Dt. Börse
 
09:37:12 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
BKN BIOSTROM AG 0,55 EUR   -6,78%  -0.04
BAVARIA INDUSTRIEKA. O.N. 11,8 EUR   0,00%  0
Manz Automation 22,315 EUR   -1,74%  -0.395
ENTRY STANDARD KURSINDEX 355,75    -0,12%  -0.43
Roth & Rau 17,55 EUR   +4,25%  0.715
  • Aus der FTD vom 07.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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