Erst ab einer Anlagesumme von etwa 30.000 Euro empfiehlt Bufe als Beimischung maximal zwei spezielle Fonds für kleinere Regionen oder Branchen. Wird mehr investiert, sollte nicht die Anzahl der Spezialfonds erhöht, sondern stattdessen die Basisinvestments breiter gestreut werden. "Allerdings ist das mit einem höheren Aufwand bei der Fondsauswahl und -betreuung verbunden", so Bufe. Wer nicht aufpasst, läuft Gefahr, sich Klumpenrisiken auszusetzen, wenn verschiedene Fonds im Depot ohne Wissen des Anlegers auf die gleichen Aktien setzen, statt für mehr Diversifikation zu sorgen. Auf zu große Vielfalt sollten Anleger deshalb nicht setzen: "Mehr als zehn bis zwölf Fonds sollte niemand im Depot haben, auch nicht, wenn er eine große Summe investiert", so Bufe.
Zur Selbstbeschränkung rät auch Andreas Heiming, Geschäftsführer der Argentum Vermögensberatung. "Anleger, die zu viele Fonds im Depot haben, verlieren leicht den Überblick und verzetteln sich", so Heiming. Auch er macht die Anzahl der Fonds an der Investitionssumme fest. "Für Depots bis 100.000 Euro reichen maximal acht Fonds, zwei davon sollten Renten- oder Mischprodukte sein, weitere zwei global anlegende Aktienfonds mit unterschiedlicher Ausrichtung, etwa Value und Growth." Fonds mit den Anlageschwerpunkten globale Small Caps oder Europa könnten als Beimischung dienen. "Investments im Risikosegment, beispielsweise in Asien, Lateinamerika oder auch in Branchen wie Biotech oder regenerative Energien, sollten 20 Prozent des Portfolios nicht überschreiten", so Heiming. Darüber hinaus rät er dazu, nicht nur auf Produkte eines Fondsanbieters zu setzen: "Keine Gesellschaft ist auf allen Gebieten gut, Anleger sollten gezieltes Fondspicking betreiben."
"Die Assetklassen sind entscheidend"
Überhaupt nicht auf eine bestimmte Anzahl festlegen will sich A. Sabri Ergin. "Die Anzahl der Fonds spielt keine Rolle", sagt der Geschäftsführer der Ergin Finanzberatung. "Die Assetklassen sind entscheidend." Untersuchungen geben Ergin recht. Sie zeigen, dass die Wahl des richtigen Anlagesektors viel stärkeren Einfluss auf den Erfolg eines Depots nimmt als die Menge der Fonds. Investoren, die beispielsweise den richtigen Riecher hatten und vor Jahren in den Rohstoffsektor investierten, stehen heute besser da als Anleger, die nicht in diesem Segment engagiert sind - und zwar auch dann, wenn sie einen der schwächeren Fonds erwischt haben sollten.
Da die meisten Anleger mit Entscheidungen wie diesen überfordert sein dürften, empfiehlt Ergin, die sechs wichtigsten Assetklassen abzudecken: also Aktien-, Renten-, Geldmarkt, offene Immobilienfonds, Rohstoffe und Hedge-Fonds. "Damit ist zumindest langfristig die beste risikoadjustierte Rendite möglich, da die verschiedenen Anlageklassen nicht oder nur gering miteinander korreliert sind", so Ergin.
Eine andere Möglichkeit, der Fondsschwemme zu entgehen, bieten passive Indexprodukte wie Exchange Traded Funds (ETFs). Hier ist das Angebot noch weitgehend überschaubar, und die laufenden Kosten fallen geringer aus als bei der aktiv gemanagten Konkurrenz.
Klassifizierung
Publikumsfonds Investmentfonds werden in Abhängigkeit vom Anlegerkreis in Publikums- und Spezialfonds unterteilt. Anteilscheine von Publikumsfonds können von jedermann erworben werden. Die Grafik zeigt, wie sich die hiesige Branche seit 1987 entwickelt hat. Nach Angaben des BVI waren mit Stand Ende September 2006 genau 3112 Publikumsfonds zugelassen.
Spezialfonds werden im Regelfall für institutionelle Anleger aufgelegt. Das Investmentgesetz definiert sie als Fonds, deren Anteile von nicht mehr als 30 nicht natürlichen Personen gehalten werden.