Börsennotierte Wettkonzerne im Überblick
Doch längst nicht alle Beobachter sehen den Fall Hoyzer negativ: "Es ist beeindruckend, was die hohe öffentliche Aufmerksamkeit um Hoyzer der Onlinebranche für Zuwächse beschert hat", sagt der Vorstand des deutschen Glücksspielanbieters
Tipp24 , Marc Peters.
Offenbar ist vielen Fans erst jetzt bewusst geworden, dass man auf den Ausgang von Fußballspielen wetten kann. In Deutschland ist das Geschäft um Geld und Quoten dem staatlichen Anbieter Oddset vorbehalten. Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass die Liberalisierung des Markts in Europa nicht aufzuhalten ist. In Deutschland kommt das Bundesverfassungsgericht am 8. November zu einer ersten Anhörung zusammen, in der es um die Zulässigkeit von privaten Wettanbietern geht.
Wettbüros übernehmen Vermittleraufgaben
Stationäre Wettbüros oder Internetfirmen wie Tipp24 treten derzeit als Vermittler auf und verdienen auch damit gutes Geld. So blieben dem Konzern, dessen Hauptstandbein Internetlotto ist, im ersten Halbjahr von 12,2 Mio. Euro Umsatz fast 23 Prozent als Gewinn vor Zinsen und Steuern. Tipp24 ist der jüngste Spross unter den börsennotierten Glücksspielanbietern. Das IPO fand erst am 12. Oktober statt. Trotz 15facher Überzeichnung konnte sich die Aktie bislang nicht vom Emissionspreis von 20,50 Euro lösen. Doch angesichts der jüngsten Kursturbulenzen vieler Branchenkollegen kann der Börsengang durchaus als Erfolg gewertet werden. Durch Umsatz- und Gewinnwarnungen der Pokerportale Partygaming und Empire Online kamen viele Glücksspielaktien unter Druck.
Einen Schub fürs Geschäft erhofft sich die Branche von der Fußball-WM 2006: "Es wird einen Sondereffekt geben", sagt Stefan Hänel. Der Fluxx-Finanzchef geht davon aus, dass der deutsche Wettmarkt von derzeit etwa 1 Mrd. Euro bis 2007 auf etwa 4 Mrd. Euro anwachsen wird.
Vorteile durch Gesetzeslücke
Der Wettkonzern Betandwin.com profitiert als größter privater Anbieter in Deutschland von einer Gesetzeslücke: Über eine Tochtergesellschaft ist Betandwin im Besitz einer Wettlizenz aus DDR-Zeiten. Die Wetteinsätze bei Betandwin stiegen im zweiten Quartal von 184 auf 556 Mio. Euro. Der Aktienkurs ist 2005 um mehr als 300 Prozent geklettert. Zwei Analysten empfehlen den Kauf der Aktie, während zwei andere Experten die Aktie für zu teuer halten.
Keine Probleme mit der Profitabilität hat Sportingbet. Die Briten steigerten den Vorsteuergewinn im vergangenen Geschäftsjahr von 5,6 auf 27,5 Mio. Euro. Mit einem Umsatz von mehr als 2,5 Mrd. Euro ist Sportingbet einer der weltweit größten Spezialisten für Glücksspiele im Internet. Ähnlich positioniert ist Unibet, das den Umsatz seit 1997 verhundertfacht hat. Von solch starken Wachstumsraten ist William Hill weit entfernt. Im Zuge der Übernahme von Stanley Leisure im Juni 2005 ist der Konzern mit seinen mehr als 2200 Wettbüros zum größten britischen Buchmacher aufgestiegen.
Christian Scheid ist Redakteur bei "Börse Online".