Darüber hinaus will Xing, anders als zum Börsengang angekündigt, einen Teil der kostenfreien Plattform für Werbevermarkter öffnen. Ein heikles Unterfangen, schließlich haben die Nutzer hochsensible Daten auf der Internetseite hinterlegt. Allerdings soll das Vorhaben im Einklang mit den deutschen und europäischen Datenschutzbestimmungen stehen. Zudem werden die Werbepartner keine Einflussmöglichkeit auf die Plattforminhalte haben. Es bleibt dennoch abzuwarten, ob sich die Internetwerbung als zweite Einnahmequelle neben den Abonnements etablieren kann.
Die Analysten sehen die Pläne des Unternehmens positiv: Von den vier bei der Finanzagentur Bloomberg geführten Xing-Experten raten derzeit drei zum Kauf und einer zum Halten der Aktie. Das positive Urteil ist angesichts der stattlichen Bewertung erstaunlich. Schließlich beträgt der Börsenwert von Xing mit etwa 200 Mio. Euro rund das Zehnfache der für 2007 erwarteten Umsätze.
Bedenkt man allerdings, wie andere Web-2.0-Firmen bewertet werden, bleibt noch viel Spielraum nach oben. Einen Anteil von 1,6 Prozent an der nicht börsennotierten Facebook ließ sich Microsoft kürzlich umgerechnet 163 Mio. Euro kosten. Daraus errechnet sich ein Gesamtwert der vier Jahre alten Firma von sage und schreibe 10,2 Mrd. Euro - das 68-Fache des für 2007 erwarteten Umsatzes von Facebook. Gemessen an dem großen Interesse, das den Web-2.0-Firmen derzeit zuteil wird, könnte auch Xing eines Tages zum Übernahmekandidaten werden.
Christian Scheid schreibt als freier Autor für die FTD