Zertifikate: ein neuer Ratingansatz soll für mehr Transparenz sorgen
Insgesamt gliedert sich Scopes Analyse in drei unterschiedlich gewichtete Segmente. 20 Prozent des Ratings macht der Faktor "Risikokontrolle" aus. Das freut die Emittenten, sind doch die ohnehin zu erfüllenden Anforderungen für eine Bank bereits so hoch, dass eine "erhöhte Qualität" beim Rating auch ohne weitere Maßnahmen gewährleistet ist.
Mit gut einem Drittel etwas höher ist der Einfluss des Punktes "Management und Prozesse". Hier erreichte die Commerzbank die höchsten Bewertungen. Gelobt wurden vor allem die Anbindung aller relevanten Onlinebroker, die Handelbarkeit fast aller Produkte von 8 bis 22 Uhr und die kontinuierliche Verbesserung des Handelssystems.
Das größte Gewicht (45 Prozent) erhält jedoch die Bewertung des Unternehmens selbst. Entscheidend ist hier vor allem die "finanzielle Stärke" der Bank, die das gesamte Rating zu über 20 Prozent beeinflusst. Ein Punkt, der sich durchaus kontrovers diskutieren lässt. Schließlich wird dieser Aspekt bereits in den Kreditratings von S&P, Moody's oder Fitch abgedeckt. Und eigentlich ist die Scope-Analyse als Ergänzung dazu gedacht. Als Begründung für diese Doppelung hebt Scope die enorme Bedeutung für den Anleger hervor. "Die Analyse der Kreditwürdigkeit ist besonders wichtig, weil die Unterschiede zwischen den Emittenten in den Pricings der Zertifikate nicht zu erkennen sind", so der zuständige Zertifikateanalyst. Anders als zum Beispiel bei Anleihen spiegelt sich die Bonität des Schuldners bei Zertifikaten (noch) nicht in den Kursen wider.
Einen etwas faden Beigeschmack erhält das tendenziell gute Konzept dadurch, dass das Rating, wie in der Branche üblich, nur nach Anforderung (und Bezahlung) des Emittenten selbst erstellt wird. So wird es wohl darauf hinauslaufen, dass die vergebenen Ratings alle im oberen Qualitätssegment angesiedelt sind, weil sich tatsächlich nur die "guten" Emittenten überhaupt prüfen lassen. Potenzielle Schwachstellen des Marktes, vor denen Investoren durch eine solche Analyse gewarnt werden könnten, werden somit kaum aufgedeckt. Dennoch ist die Idee, nicht nur die Produkte, sondern auch die dahinterstehenden Anbieter intensiv zu prüfen und zu bewerten, für die Zertifikatebranche ein begrüßenswerter Ansatz.