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Merken   Drucken   25.10.2006, 08:07 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Zertifikateanbieter im Qualitätscheck

Ein neuer Ratingansatz von Scope soll für mehr Transparenz sorgen. Die Schwachstellen werden dabei aber kaum aufgedeckt. von Thomas Koch
Zertifikate sind in. Während die Fondsbranche über Mittelabflüsse bei Aktienfonds klagt, vermeldet der Branchenverband Derivate Forum weiterhin starke Wachstumsraten. Und trotzdem begegnen dem aufstrebenden Anlagesegment immer noch viele Investoren mit Skepsis. Vor allem die Tatsache, dass Zertifikate - anders als Fonds - nicht durch ein Sondervermögen geschützt sind, verschreckt viele Kunden. Aber das ist nicht das einzige Problem. Durch immer neue Produkte und Anbieter ist in der Zertifikatewelt die Übersichtlichkeit verloren gegangen. Über 30 Emittenten tummeln sich bereits am Markt - Tendenz weiter steigend.
Hier wieder für mehr Transparenz zu sorgen, hat sich im vergangenen Jahr die Ratingagentur Scope auf die Fahnen geschrieben - und lässt ihren Versprechungen nun Taten folgen. Nach dem rein quantitativen Rating der gängigen Anlagezertifikate, das vor gut einem Jahr begonnen und wegen einiger Anfangsfehler stark kritisiert wurde, widmet sich Scope nun auch den qualitativen Kriterien. In einem mehrwöchigen Ratingprozess werden die Emittenten auf Herz und Nieren geprüft und dann mit einer eindeutigen Bewertung versehen. Erster Prüfling war die Commerzbank, dem mit der Höchstnote "AAA" eine hervorragende Qualität als Anbieter von Zertifikaten bescheinigt wurde.
Wirklich verwundern kann dieses Ergebnis nicht. So war die Commerzbank bei den im September durchgeführten Scope-Awards bereits als Topanbieter von Discountzertifikaten geehrt worden. Ausschlaggebend für die ausschließlich aus Scope-Analysten bestehende Jury waren dabei vor allem die Preisbildung der Papiere sowie Angebotsvielfalt und Handelsqualität des Bankhauses. Genau diese Punkte fließen auch bei dem Qualitätsrating der Emittenten mit in die Bewertung ein.
Zertifikate: ein neuer Ratingansatz soll für mehr Transparenz sorgen   Zertifikate: ein neuer Ratingansatz soll für mehr Transparenz sorgen
Insgesamt gliedert sich Scopes Analyse in drei unterschiedlich gewichtete Segmente. 20 Prozent des Ratings macht der Faktor "Risikokontrolle" aus. Das freut die Emittenten, sind doch die ohnehin zu erfüllenden Anforderungen für eine Bank bereits so hoch, dass eine "erhöhte Qualität" beim Rating auch ohne weitere Maßnahmen gewährleistet ist.
Mit gut einem Drittel etwas höher ist der Einfluss des Punktes "Management und Prozesse". Hier erreichte die Commerzbank die höchsten Bewertungen. Gelobt wurden vor allem die Anbindung aller relevanten Onlinebroker, die Handelbarkeit fast aller Produkte von 8 bis 22 Uhr und die kontinuierliche Verbesserung des Handelssystems.
Das größte Gewicht (45 Prozent) erhält jedoch die Bewertung des Unternehmens selbst. Entscheidend ist hier vor allem die "finanzielle Stärke" der Bank, die das gesamte Rating zu über 20 Prozent beeinflusst. Ein Punkt, der sich durchaus kontrovers diskutieren lässt. Schließlich wird dieser Aspekt bereits in den Kreditratings von S&P, Moody's oder Fitch abgedeckt. Und eigentlich ist die Scope-Analyse als Ergänzung dazu gedacht. Als Begründung für diese Doppelung hebt Scope die enorme Bedeutung für den Anleger hervor. "Die Analyse der Kreditwürdigkeit ist besonders wichtig, weil die Unterschiede zwischen den Emittenten in den Pricings der Zertifikate nicht zu erkennen sind", so der zuständige Zertifikateanalyst. Anders als zum Beispiel bei Anleihen spiegelt sich die Bonität des Schuldners bei Zertifikaten (noch) nicht in den Kursen wider.
Einen etwas faden Beigeschmack erhält das tendenziell gute Konzept dadurch, dass das Rating, wie in der Branche üblich, nur nach Anforderung (und Bezahlung) des Emittenten selbst erstellt wird. So wird es wohl darauf hinauslaufen, dass die vergebenen Ratings alle im oberen Qualitätssegment angesiedelt sind, weil sich tatsächlich nur die "guten" Emittenten überhaupt prüfen lassen. Potenzielle Schwachstellen des Marktes, vor denen Investoren durch eine solche Analyse gewarnt werden könnten, werden somit kaum aufgedeckt. Dennoch ist die Idee, nicht nur die Produkte, sondern auch die dahinterstehenden Anbieter intensiv zu prüfen und zu bewerten, für die Zertifikatebranche ein begrüßenswerter Ansatz.
  • Aus der FTD vom 25.10.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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