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Merken   Drucken   11.11.2007, 09:00 Schriftgröße: AAA

Private Altersvorsorge: Abgeltungsteuer hilft Versicherern

Die Vertriebe der Versicherer haben ein neues Argument, um den Kunden ihre Rentenversicherungen zu verkaufen: Mit der Einführung der Abgeltungsteuer zum 1. Januar 2009 werden die Policen gegenüber der Direktanlage in Investmentfonds steuerlich bevorzugt. von Patrick Hagen
Kunden sollen sich davon nicht täuschen lassen, warnen Verbraucherschützer. "Die Kosten bei diesen Policen sind in den meisten Fällen so hoch, dass der Steuervorteil überkompensiert wird", sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen.
Bei den Verbraucherschützern war die private Rentenversicherung noch nie beliebt: Zu teuer und zu unflexibel seien die Verträge. Trotzdem ist sie die beliebteste Art der privaten Altersvorsorge. Besonders ihre fondsgebundene Variante verkauft sich immer besser.
Der Staat hilft beim Aufbau eines Polsters für den Lebensabend   Der Staat hilft beim Aufbau eines Polsters für den Lebensabend
Bei der klassischen privaten Rentenversicherung garantiert der Versicherer bei Vertragsschluss eine Mindestsumme als lebenslange Rente oder als Einmalauszahlung. Diese errechnet sich aus dem gesetzlich festgelegten Garantiezins von zurzeit 2,25 Prozent auf den Sparanteil der Beiträge. Der Sparanteil liegt meistens bei rund 80 Prozent der Zahlungen des Kunden. Den Rest verwenden die Versicherer für Vertrieb und Verwaltung. Zusätzlich zahlen sie ihren Kunden eine Beteiligung an darüber hinaus erwirtschafteten Gewinnen - die Überschussbeteiligung.
Bei der fondsgebundenen Variante gibt es in der Regel keine Garantie. Die Sparbeiträge des Kunden wandern in Investmentfonds. Das Risiko für die Anlage trägt allein der Kunde. "Darüber sind Verbraucher oft nicht ausreichend informiert", sagt Hans-Ludger Sandkühler vom Institut der Versicherungsmakler.
Unterschiede
Klassiker Konventionelle private Rentenversicherungen bieten eine gesetzlich festgeschriebene Mindestverzinsung von zurzeit maximal 2,25 Prozent.
Newcomer Fondsbasierte Rentenversicherungen sehen in der Regel keine Garantie vor, das Risiko liegt beim Kunden.
Für risikofreudigere Anleger war die fondsgebundene Rentenversicherung bislang die schlechtere Alternative zu Fondssparplänen. Das soll sich nach Ansicht der Versicherer mit der Abgeltungsteuer ändern. Bei reinen Fondssparplänen müssen ab 2009 die erzielten Dividenden jährlich versteuert werden. Damit fällt die Summe des angesparten Kapitals geringer aus, der Anleger profitiert weniger vom Zinseszinseffekt.
Bei Rentenversicherungen fallen erst am Laufzeitende Steuern an - und zwar nur auf den Ertragsanteil, also die Differenz aus Auszahlungssumme und eingezahlten Beiträgen. Lief die Police länger als zwölf Jahre und wird erst nach dem 60. Lebensjahr ausgezahlt, muss nur die Hälfte der Erträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden.
Diesen Vorteil können aber viele fondsgebundene Verträge nicht umsetzen. "Die meisten Policen können trotz der Begünstigung keine besseren Ergebnisse erzielen als die Direkteinlage in einen Fonds", sagt Gottschalk. Er hat verschiedene Policen, die in denselben Fonds investieren, mit einer Direktinvestition verglichen: Bei einem Steuersatz von 44 Prozent schneidet nur eine Fondspolice besser ab als die ungünstigste Direktanlage. Besser fällt das Ergebnis für die Policen bei niedrigeren Steuersätzen aus. "Je höher der persönliche Steuersatz, desto schlechter fällt das Ergebnis für die Policen aus", so Gottschalk.

Ratgeber: In zehn Schritten zum Vertrag
Stellen Sie sich dem Thema! Möglicherweise haben Sie gar kein Problem mit Ihrer Altersvorsorge. Falls Sie 50 Jahre oder älter sind: Keine Panik! Für jede Altersgruppe gibt es spezielle Strategien. Wenn Sie noch jung sind, sollten Sie nicht zu lang warten.
Stellen Sie fest, wie viel Geld Sie im Alter wahrscheinlich brauchen und wie viel Sie voraussichtlich haben werden. Vergessen Sie bei Ihrer Aufstellung nicht Inflation, Steuern, Rentenanpassungen und angespartes Kapital. Lassen Sie im Zweifel Ihre Vorsorge von einem unabhängigen Experten prüfen.
Falls Sie Schulden haben, kümmern Sie sich erst einmal darum. Wenn Sie den Dispokredit ständig überziehen, machen Sie mit einem Altersvorsorgevertrag die Finanzbranche doppelt glücklich. Der Vertrag kann nicht so rentabel sein, dass er 14 Prozent Überziehungszinsen übertrifft.
Prüfen Sie, ob die Instrumente zur Altersversorgung, die der Staat fördert, für Sie infrage kommen. Der Staat bezuschusst den Aufbau privater Altersvorsorge mit Zulagen oder steuerlichen Vorteilen. Investieren Sie aber nicht mehr, als Sie für die maximale Förderung müssen.
Stellen Sie Ihre eigenen Richtlinien auf: Wollen Sie eine Altersvorsorge, die flexibel ist? Das könnte richtig sein, wenn Sie in fünf Jahren selbstständig sein oder ein Haus kaufen wollen. Ist Ihre Lebensplanung dagegen voraussehbar, kann eine langfristige Bindung das Richtige sein.
Lassen Sie von einem unabhängigen Berater ausrechnen, wie groß Ihre Altersvorsorgelücke ist und welche Verträge die richtigen sind. Wirklich unabhängig sind Berater, wenn sie statt Provision ein Honorar bekommen, wie Verbraucherzentralen und spezielle Versicherungsberater.
Manche Honorarberater unterstützen Sie bei der Suche nach dem richtigen Vertrag. Diese Berater nehmen direkt Kontakt zu dem Anbieter auf, der in diesem Fall die Provision aus dem Preis für den Vertrag herausrechnet. Es wird für Sie also billiger.
Kaufen Sie über einen Vermittler, sollten Sie niemals auf die Beratung verzichten. Einen Verzicht müssen Sie dem Vermittler schriftlich bestätigen, Sie verlieren damit aber sämtliche Haftungsansprüche gegen den Verkäufer. Heben Sie die Dokumentation des Beratungsgesprächs gut auf.
Lassen Sie sich bei Aktienfonds nicht von kurzfristigen Betrachtungen blenden. Positive Ausreißer bei der Renditeentwicklung sind nicht aussagekräftig. Betrachten Sie lange Zeiträume, um Schwankungen zu erkennen. Eine Durchschnittsrendite von fünf bis acht Prozent ist ein gutes Zeichen.
Schließen Sie niemals einen Vertrag ab, den Sie nicht verstehen. Ist ein Berater oder Vermittler nicht in der Lage, Ihre Frage zu beantworten, taugt er nichts. Achten Sie darauf, welche Kosten in einem Vertrag stecken. Seien Sie skeptisch, wenn der Anbieter dazu keine Aussagen machen will.
  • FTD.de, 11.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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