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Merken   Drucken   09.11.2007, 08:02 Schriftgröße: AAA

Private Altersvorsorge: Altersvorsorge ist auch etwas für Spätzünder

Wenn die Bilanz kurz vor dem Ruhestand eine Vorsorgelücke zeigt, brauchen Verbraucher jenseits der 50 nicht in Panik zu verfallen. Auch für sie gibt es Strategien für die Altersvorsorge. von Anja Krüger
Wer eine Lücke von 5000 Euro bis 6000 Euro im Jahr schließen muss, braucht etwa 100.000 Euro, sagt Wolfram Dann vom Beraternetzwerk "Die Alten Hasen". "Der erste Schritt ist die Prüfung, ob für den Klienten ein Vertrag mit staatlicher Förderung infrage kommt", sagt Dann. Auch im fortgeschrittenen Alter kann die Riester- oder die Rürup-Rente attraktiv sein. Bei der Riester-Rente gewährt der Staat Zulagen, außerdem gibt es Steuervorteile. Bei der Rürup-Rente können Kunden Beiträge stufenweise anwachsend steuerlich geltend machen.
Mit Riester-Vertrag, Rürup-Police oder Betriebsrente hilft der ...   Mit Riester-Vertrag, Rürup-Police oder Betriebsrente hilft der Staat beim Aufbau eines Polsters für den Lebensabend
"Gerade für Ältere kurz vor dem Ruhestand ist die Rürup-Rente sehr attraktiv", sagt auch Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Sie profitieren von den steuerlichen Vorteilen, wenn sie einen großen Betrag auf einmal zahlen. Wer 10.000 Euro in eine Rürup-Rente steckt, kann 2007 davon 64 Prozent steuerlich geltend machen.
Um den finanziellen Spielraum zu erhöhen, sollten Ältere ihr Versicherungsportfolio prüfen, rät Berater Dann. "Möglicherweise ist die Rechtschutzversicherung oder die Berufsunfähigkeitsversicherung entbehrlich." Auch die Vermögensstruktur sollte überprüft werden. "Man sollte anfangen, auf die sichere Anlageschiene zu gehen", sagt Dann. Die Investition in beteiligungsähnliche Anlagen oder geschlossene Fonds seien für angehende Ruheständler ungeeignet. "Sie müssen liquide sein", sagt er. Wichtig sei die Investition in stabile Anlagen. "Aktien gehören auf jeden Fall dazu, aber ihr Anteil sollte reduziert werden", sagt er.

Ratgeber: In zehn Schritten zum Vertrag
Stellen Sie sich dem Thema! Möglicherweise haben Sie gar kein Problem mit Ihrer Altersvorsorge. Falls Sie 50 Jahre oder älter sind: Keine Panik! Für jede Altersgruppe gibt es spezielle Strategien. Wenn Sie noch jung sind, sollten Sie nicht zu lang warten.
Stellen Sie fest, wie viel Geld Sie im Alter wahrscheinlich brauchen und wie viel Sie voraussichtlich haben werden. Vergessen Sie bei Ihrer Aufstellung nicht Inflation, Steuern, Rentenanpassungen und angespartes Kapital. Lassen Sie im Zweifel Ihre Vorsorge von einem unabhängigen Experten prüfen.
Falls Sie Schulden haben, kümmern Sie sich erst einmal darum. Wenn Sie den Dispokredit ständig überziehen, machen Sie mit einem Altersvorsorgevertrag die Finanzbranche doppelt glücklich. Der Vertrag kann nicht so rentabel sein, dass er 14 Prozent Überziehungszinsen übertrifft.
Prüfen Sie, ob die Instrumente zur Altersversorgung, die der Staat fördert, für Sie infrage kommen. Der Staat bezuschusst den Aufbau privater Altersvorsorge mit Zulagen oder steuerlichen Vorteilen. Investieren Sie aber nicht mehr, als Sie für die maximale Förderung müssen.
Stellen Sie Ihre eigenen Richtlinien auf: Wollen Sie eine Altersvorsorge, die flexibel ist? Das könnte richtig sein, wenn Sie in fünf Jahren selbstständig sein oder ein Haus kaufen wollen. Ist Ihre Lebensplanung dagegen voraussehbar, kann eine langfristige Bindung das Richtige sein.
Lassen Sie von einem unabhängigen Berater ausrechnen, wie groß Ihre Altersvorsorgelücke ist und welche Verträge die richtigen sind. Wirklich unabhängig sind Berater, wenn sie statt Provision ein Honorar bekommen, wie Verbraucherzentralen und spezielle Versicherungsberater.
Manche Honorarberater unterstützen Sie bei der Suche nach dem richtigen Vertrag. Diese Berater nehmen direkt Kontakt zu dem Anbieter auf, der in diesem Fall die Provision aus dem Preis für den Vertrag herausrechnet. Es wird für Sie also billiger.
Kaufen Sie über einen Vermittler, sollten Sie niemals auf die Beratung verzichten. Einen Verzicht müssen Sie dem Vermittler schriftlich bestätigen, Sie verlieren damit aber sämtliche Haftungsansprüche gegen den Verkäufer. Heben Sie die Dokumentation des Beratungsgesprächs gut auf.
Lassen Sie sich bei Aktienfonds nicht von kurzfristigen Betrachtungen blenden. Positive Ausreißer bei der Renditeentwicklung sind nicht aussagekräftig. Betrachten Sie lange Zeiträume, um Schwankungen zu erkennen. Eine Durchschnittsrendite von fünf bis acht Prozent ist ein gutes Zeichen.
Schließen Sie niemals einen Vertrag ab, den Sie nicht verstehen. Ist ein Berater oder Vermittler nicht in der Lage, Ihre Frage zu beantworten, taugt er nichts. Achten Sie darauf, welche Kosten in einem Vertrag stecken. Seien Sie skeptisch, wenn der Anbieter dazu keine Aussagen machen will.
  • Aus der FTD vom 09.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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