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Merken   Drucken   09.11.2007, 13:42 Schriftgröße: AAA

Private Altersvorsorge: Babypause rächt sich im Ruhestand

Frauen haben in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht. Aber noch immer verdienen sie im Schnitt weniger als Männer, und ihre gesetzliche Rente ist deshalb erheblich niedriger. 2006 betrug die durchschnittliche gesetzliche Rente in den alten Bundesländern für Männer 969 Euro, für Frauen nur 465 Euro. Private Vorsorge ist deshalb für Frauen besonders wichtig. von Carolin Wedekind
Jobs mit niedriger Bezahlung werden vor allem von Frauen ausgeübt. Auch für vergleichbare Arbeiten bekommen Frauen im Durchschnitt weniger Gehalt als Männer und zahlen deshalb weniger Rentenversicherungsbeiträge. Hauptursache der niedrigen Frauenrenten ist aber die kürzere und häufiger unterbrochene Erwerbstätigkeit von Frauen.
Zickzack-Kurs: Die Gehälter im Leben einer Frau sind sehr schwankend   Zickzack-Kurs: Die Gehälter im Leben einer Frau sind sehr schwankend
"Das trifft auch für gebildete und gut verdienende Frauen zu", sagt Ursula Oelbe, die sich als Versicherungs- und Finanzmaklerin auf die Beratung von Frauen spezialisiert hat. Der Grund für Brüche im Lebenslauf ist oft eine Familienpause, denn in den meisten Familien sind es immer noch die Frauen, die Elternzeit nehmen. "Aber auch davon abgesehen haben Frauen bewegtere Erwerbsbiografien als Männer", sagt Oelbe.
Versicherer wie Generali und HDI-Gerling haben das Problem schon lange erkannt und spezielle Frauenprodukte für die private Altersvorsorge auf den Markt gebracht. Seit April 2006 bietet außerdem die zur Ergo-Gruppe gehörende Hamburg-Mannheimer private Rentenversicherungsverträge an, die auf weibliche Bedürfnisse eingehen sollen.
Genau hingeschaut
Unterschiede Frauen bekommen im Durchschnitt nur die Hälfte der Männerrente. 2006 bezogen westdeutsche Männer nach Abzug der Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung monatlich 969 Euro Altersrente, Frauen nur 465 Euro.
Abhängigkeit In die Statistik gehen allerdings viele "Minirenten" früherer Hausfrauen ein. Heute sind aber weniger Frauen so abhängig vom Einkommen eines Mannes. Der Unterschied der Renten zwischen Männern und Frauen wird deshalb künftig sinken.
Babypausen Zwar gibt es weniger Hausfrauen, aber auch Babypausen wirken sich vor allem auf die Rente von Frauen aus. Sie unterbrechen viel häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit, um sich um die Kinder zu kümmern. Laut Familienministerium haben im ersten Halbjahr 2007 nur 8,5 Prozent der Väter Elternzeit genommen.
Gutschrift Weil ein Elternteil während der Erziehungspause gar nicht oder weniger in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, werden ihm für die Kindererziehungszeit Rentenbeiträge gutgeschrieben. Den Einkommensausfall ausgleichen kann das aber nicht.
Die gleichen Gründe, die zu niedrigen gesetzlichen Renten von Frauen führen, stellen nämlich auch besondere Anforderungen an die private Altersvorsorge. Frauen können in der Regel weniger für ihre Rente ausgeben und müssen häufiger die Zahlungen unterbrechen. Obwohl Frauen sich genauso für ihre Altersvorsorge interessieren wie Männer, ergab eine Umfrage der Hamburg-Mannheimer, dass Männer im Jahr 2006 durchschnittlich 230 Euro pro Monat in ihre private Altersvorsorge investierten, Frauen aber nur 158 Euro.
Gleichzeitig zahlen Frauen aber bei privaten Rentenversicherungen für die gleiche Leistung höhere Prämien, weil sie im Durchschnitt fünf Jahre länger Rente beziehen als Männer. Das gilt auch für die speziellen Frauenprodukte der Hamburg-Mannheimer und der Generali. "Das wird sich auch nicht ändern, solange Männer die größere Lobby haben", sagt Oelbe. Einzige Ausnahme ist die Riester-Rente. Bei ihr werden die Beiträge seit 2006 geschlechtsneutral berechnet.
Wie gerechnet wird
Berechnung Bei klassischen Rentenversicherungen sagt der Anbieter zu Vertragsbeginn eine Mindestverzinsung zu. Daraus lässt sich die Garantierente errechnen, das heißt, wie viel der Versicherte später als Rentenzahlung mindestens erhält. Hinzu kommt die Überschussbeteiligung, die der Anbieter für die Vertragslaufzeit als unverbindliche Prognose kalkuliert.
Vergleich Für eine Privatrente wie in Höhe der des Mannes in der Beispielrechnung müsste die Frau pro Monat 7 Euro mehr zahlen.
"Frauen sollten sich vor allem fragen, wie flexibel der Vertrag ist", sagt Maklerin Oelbe. Für Veränderungen wie eine Familienpause erlauben die Frauenverträge der Hamburg-Mannheimer Beitragsunterbrechungen von bis zu 36 Monaten. "Üblicherweise sehen Rentenversicherungsverträge eine Beitragsüberbrückung von maximal zwölf Monaten vor", sagt eine Sprecherin des Unternehmens.
Vorteil Mann
Alter: 30 Jahre, Versicherung ab 65
  Frau Mann
Monatliche Einzahlung 100 Euro 100 Euro
Garantierente 187 Euro 204 Euro
Überschussrente 218 Euro 230 Euro
     
Quelle: Hamburg-Mannheimer
 
Oelbe ist bei speziellen Frauenprodukten skeptisch. "Davon halte ich nichts. So etwas soll suggerieren, dass man als Frau gut aufgehoben ist", sagt Oelbe. "Nötig ist das aber nicht." Oft sind Angebote, die sich gezielt an Frauen richten, nur zielgruppenorientierte Werbung. "Beitragspausen sind immer möglich", sagt Oelbe. "Aber gerade für Frauen in der Familienphase ist es eigentlich wichtig, dass die Verträge weiter laufen, weil sie durch die ausbleibenden Einkünfte während dieser Zeit nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen." Mütterfreundliche Verträge erlauben den Kundinnen deshalb beispielsweise, eine Familienpause später durch Zuzahlungen auszugleichen. Riester- und Rürup-Verträge müssen Sonderzahlungen erlauben.
Oelbe rät Kundinnen zur betrieblichen Altersvorsorge. "Die verlängerte Sozialversicherungsfreiheit der betrieblichen Altersvorsorge bedeutet auch für Gutverdienende eine Steuerersparnis." Sie betont, dass man diese bei betrieblicher Altersvorsorge sofort spürt, bei Rürup- und Riester-Renten erst im nächsten Jahr. Die häufige Befürchtung, bei einem Jobwechsel Probleme zu bekommen, findet sie unbegründet. "Gerade Frauen sind deshalb oft etwas zögerlich, Männer sehen das pragmatischer", sagt Oelbe. "Außer bei Großbetrieben mit eigenen Rentenversicherungen ist es aber selten ein Problem, Verträge mitzunehmen."
  • FTD.de, 09.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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