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Merken   Drucken   12.11.2007, 08:00 Schriftgröße: AAA

Private Altersvorsorge: Mitnehmen lohnt sich

Auch für Gutverdienende bieten Riester-, Rürup- oder Betriebsrente gute Möglichkeiten, die Kürzungen der gesetzlichen Renten auszugleichen. Der Staat gewährt Zulagen für die Altersvorsorge. von Anja Krüger
"Wer eine Versorgungslücke im Alter schließen möchte, sollte dazu die Instrumente der staatlich geförderten Altersvorsorge nutzen", rät Andreas Rebhan, Renten- und Versicherungsberater aus Kevelar. Die ehemalige rot-grüne Bundesregierung hat 2002 die staatliche Förderung der zusätzlichen Altersvorsorge eingeführt, um die Abschmelzungen der Renten auszugleichen. Seitdem bezuschusst der Staat die nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) benannten Verträge mit Zulagen. Ab 2008 erhalten Erwachsene pro Jahr die volle Zulage 154 Euro, für jedes Kind gibt es weitere 185 Euro.
Mit Riester-Vertrag, Rürup-Police oder Betriebsrente hilft der ...   Mit Riester-Vertrag, Rürup-Police oder Betriebsrente hilft der Staat beim Aufbau eines Polsters für den Lebensabend
Außerdem können Kunden die Beiträge steuerlich geltend machen. "Jeder, der ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen hat, kann die Förderung erhalten", sagt Rebhan. "Riester-Verträge rechnen sich für jeden, auch für Gutverdienende." Riester-Renten gibt es als konventionelle oder fondsgebundene Versicherungen, als Banksparpläne und als Investmentfonds-Vertrag. Bei klassischen Sparvarianten erhält der Kunde eine Mindestverzinsung. Bei fondsgebundenen Varianten ist das nicht der Fall, aber dafür sind die Renditechancen höher. Alle Anbieter von Riester-Verträgen müssen garantieren, dass der Kunde später mindestens die gezahlten Beiträge erhält.
Rentenversicherungen im Vergleich   Rentenversicherungen im Vergleich
Außerdem bietet die Assekuranz die nach dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup benannten Verträge an. Bis zu einem Betrag von 20.000 Euro bei Alleinstehenden, bei Verheirateten das Doppelte, können Kunden zurzeit 64 Prozent des Beitrags für die Rürup-Rente von ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen. Bis zum Jahr 2025 steigt der abzugsfähige Satz schrittweise auf 100 Prozent. Gesetzlich Rentenversicherte schöpfen die Steuerfreibeträge oft bereits mit den Sozialabgaben ab. Deshalb lohnt sich die Rürup-Rente eher für Selbstständige. Der Steuervorteil hat einen hohen Preis: Kunden können an das eingezahlte Kapital nicht heran, sie können es auch nicht vererben. Berater Rebhan hält nicht viel von Rürup-Renten. "Der Abschluss ist aus Renditegründen nicht sinnvoll", sagt er.
Gruppenverträge gute Alternative
"Die Rürup-Rente ist attraktiv", sagt dagegen Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Jüngere Kunden zum Beispiel könnten die Verträge mit Berufsunfähigkeitsversicherungen kombinieren. Auch die Prämienanteile dafür können steuerlich geltend gemacht werden.
Eine gute Alternative zu Rürup-Einzelpolicen sind Gruppenverträge, sagt Peter Köhler vom Versicherungsmakler Thomae und Partner in Freiburg. "Kunden erhalten Rabatte bei den Kosten." Anbieter haben zum Beispiel für Mitglieder von Berufsverbänden günstige Tarife.
Seit 2002 haben Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, dass sie einen Teil ihres Einkommens in eine Betriebsrente stecken. Die Prämien zieht der Arbeitgeber direkt vom Bruttogehalt ab, der Arbeitnehmer muss weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen. Der Arbeitgeber darf bestimmen, welche Art der Betriebsrente er den Beschäftigten ermöglicht - einen Vertrag für eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds. "In vielen Unternehmen können Arbeitnehmer aber Einfluss auf die Art der Altersversorgung nehmen", sagt Schwark. Arbeitgeber profitieren von Betriebsrenten. Sie zahlen für den Teil des Gehalts, der in den Vertrag fließt, keine Sozialabgaben.
In vielen Branchen haben sich die Tarifparteien auf eigene Versorgungseinrichtungen geeinigt, die gute Konditionen bieten. Das ist etwa in der Elektro- und Metallindustrie der Fall. Auch in der betrieblichen Altersversorgung sind Gruppenverträge wegen der geringeren Kostenanteile oft günstiger.

Ratgeber: In zehn Schritten zum Vertrag
Stellen Sie sich dem Thema! Möglicherweise haben Sie gar kein Problem mit Ihrer Altersvorsorge. Falls Sie 50 Jahre oder älter sind: Keine Panik! Für jede Altersgruppe gibt es spezielle Strategien. Wenn Sie noch jung sind, sollten Sie nicht zu lang warten.
Stellen Sie fest, wie viel Geld Sie im Alter wahrscheinlich brauchen und wie viel Sie voraussichtlich haben werden. Vergessen Sie bei Ihrer Aufstellung nicht Inflation, Steuern, Rentenanpassungen und angespartes Kapital. Lassen Sie im Zweifel Ihre Vorsorge von einem unabhängigen Experten prüfen.
Falls Sie Schulden haben, kümmern Sie sich erst einmal darum. Wenn Sie den Dispokredit ständig überziehen, machen Sie mit einem Altersvorsorgevertrag die Finanzbranche doppelt glücklich. Der Vertrag kann nicht so rentabel sein, dass er 14 Prozent Überziehungszinsen übertrifft.
Prüfen Sie, ob die Instrumente zur Altersversorgung, die der Staat fördert, für Sie infrage kommen. Der Staat bezuschusst den Aufbau privater Altersvorsorge mit Zulagen oder steuerlichen Vorteilen. Investieren Sie aber nicht mehr, als Sie für die maximale Förderung müssen.
Stellen Sie Ihre eigenen Richtlinien auf: Wollen Sie eine Altersvorsorge, die flexibel ist? Das könnte richtig sein, wenn Sie in fünf Jahren selbstständig sein oder ein Haus kaufen wollen. Ist Ihre Lebensplanung dagegen voraussehbar, kann eine langfristige Bindung das Richtige sein.
Lassen Sie von einem unabhängigen Berater ausrechnen, wie groß Ihre Altersvorsorgelücke ist und welche Verträge die richtigen sind. Wirklich unabhängig sind Berater, wenn sie statt Provision ein Honorar bekommen, wie Verbraucherzentralen und spezielle Versicherungsberater.
Manche Honorarberater unterstützen Sie bei der Suche nach dem richtigen Vertrag. Diese Berater nehmen direkt Kontakt zu dem Anbieter auf, der in diesem Fall die Provision aus dem Preis für den Vertrag herausrechnet. Es wird für Sie also billiger.
Kaufen Sie über einen Vermittler, sollten Sie niemals auf die Beratung verzichten. Einen Verzicht müssen Sie dem Vermittler schriftlich bestätigen, Sie verlieren damit aber sämtliche Haftungsansprüche gegen den Verkäufer. Heben Sie die Dokumentation des Beratungsgesprächs gut auf.
Lassen Sie sich bei Aktienfonds nicht von kurzfristigen Betrachtungen blenden. Positive Ausreißer bei der Renditeentwicklung sind nicht aussagekräftig. Betrachten Sie lange Zeiträume, um Schwankungen zu erkennen. Eine Durchschnittsrendite von fünf bis acht Prozent ist ein gutes Zeichen.
Schließen Sie niemals einen Vertrag ab, den Sie nicht verstehen. Ist ein Berater oder Vermittler nicht in der Lage, Ihre Frage zu beantworten, taugt er nichts. Achten Sie darauf, welche Kosten in einem Vertrag stecken. Seien Sie skeptisch, wenn der Anbieter dazu keine Aussagen machen will.
  • FTD.de, 12.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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