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Merken   Drucken   08.11.2007, 18:58 Schriftgröße: AAA

Private Altersvorsorge: Rentenprodukte - Zu viel Auswahl, zu wenig Zeit

Dossier Die Vielzahl von Rentenprodukten schreckt Verbraucher oft ab, das wichtige Thema systematisch anzugehen. Ein guter Berater kann dabei helfen. Ein Blick auf die staatliche Förderung lohnt sich meist. Frauen sollten bei auf sie zugeschnittenen Policen skeptisch sein. von Katrin Berkenkopf
Die sicheren Tipps zur Altersvorsorge gibt es nicht - wenn es um einzelne Produkte geht. Dazu sind die Lebensläufe zu verschieden, darin stimmen die Experten heute überein. Einige allgemeine Regeln lassen sich dennoch aufstellen. Die wichtigste: "Man sollte so früh wie möglich etwas machen", sagte Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA), das der Deutschen Bank nahesteht.
Wer mit 25 Jahren schon mit der Altersvorsorge anfängt, sollte vier Prozent seines Bruttogehalts investieren. Bei 35-Jährigen sind es schon sechs bis acht Prozent. Zehn bis zwölf Prozent dann bei denjenigen, die erst mit 50 starten. Auch Flexibilität der gewählten Altersvorsorge gehört zu den wichtigsten Anforderungen. "Die Jungen sollten einfach sparen und in möglichst flexible Produkte investieren, also keine Rentenversicherung. In jungen Jahren kann man Vermögensaufbau und Altersvorsorge nicht trennen", betonte Katzenstein.
"Es gibt keinen Königsweg"
Doch es kursieren auch Faustregeln für die Wahl der Anlage für den Ruhestand, etwa "100 minus Lebensalter gleich Aktienanteil am Ersparten". Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zum Beispiel propagiert diese Formel. "Für den langfristigen Vermögensaufbau, und nichts anderes ist ja private Altersvorsorge, sind Sparpläne mit Investmentfonds der Königsweg", sagte BVI-Expertin Gabriele Wetzel. Jüngste Auswertungen des Verbands hätten bestätigt, dass über die vergangenen 30 Jahre mit solchen Plänen eine jährliche Wertsteigerung von zehn Prozent erreicht worden sei.
Verbraucherschützer und Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein bleibt bei solchen Regeln skeptisch. "Es gibt keinen Königsweg", sagte der Referent für Altersvorsorge und Geldanlage beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Entscheidend für die künftigen Rentner sei deshalb vor allem, "unabhängige Beratung einzuholen".
Gerade darauf verwenden viele Deutsche aber nur ungern ihre Zeit. Eine Studie für die Commerzbank ergab 2005, dass Verbraucher 20 Stunden in die Planung ihrer Altersvorsorge investierten, für ein neues Auto nahmen sie sich dagegen durchschnittlich 37 Stunden Zeit. Das hat sich nicht verändert, meint Markus Krebber, Bereichsleiter Vermögensanlage und Vorsorge im Privatkundengeschäft der Bank. "Dass jemand aktiv nach Altersvorsorgeberatung sucht, ist selten."
Die Einführung der Rürup- und Riester-Rente habe der Bank aber neue Argumentationshilfen gegeben, sagte Krebber. Statt einfach die drohende Rentenlücke zu beschwören, könne man jetzt dafür werben, sich staatliche Zuschüsse nicht entgehen zu lassen. Junge Menschen sollten aber vor der Rente noch ein anders Risiko absichern. "Mit 20 oder 25 Jahren würde ich mir mehr Sorgen um die Berufsunfähigkeit machen als um die Altersvorsorge", sagte Krebber.
Gutverdiener investieren weniger in klassische Vorsorgeprodukte   Gutverdiener investieren weniger in klassische Vorsorgeprodukte
Gutverdiener sparten signifikant mehr für das Alter, so Krebber. Sie investierten dabei allerdings weniger in die klassischen Vorsorgeprodukte als in den allgemeinen Vermögensaufbau. Leitende Angestellte oder Geschäftsführer seien zudem oft über betriebliche Altersvorsorge zusätzlich abgesichert, die in den meisten Fällen auch beim Wechsel des Arbeitgebers mitgenommen werden könne. Auch unter Akademikern gibt es aber viele, die auf ihr künftiges Gehalt oder eine Erbschaft vertrauen und wegen unsicherer Zukunftsaussichten kaum an Altersvorsorge denken, ergab eine Untersuchung des DIA. Dabei müssen die Besserverdienenden wegen der Deckelung der staatlichen Rente über die Beitragsbemessungsgrenze deutlich mehr sparen, um das Niveau des letzten Gehalts halten zu können.
Viele fühlen sich überfordert
Immer wieder zeigen Umfragen, dass sich viele Menschen mit der Planung der Altersvorsorge überfordert fühlen. "Es ist ein übles Vorurteil, dass Altersvorsorge so schrecklich kompliziert ist", meinte dagegen DIA-Sprecher Katzenstein. Allerdings sei das finanzielle Basiswissen in Deutschland deutlich niedriger als in anderen Ländern.
"Altersvorsorge scheint ein Argument zu sein, mit dem viele ihr Produkt an den Mann und die Frau bringen wollen", sagt Verbraucherschützer Kleinlein. So würden selbst Geringverdiener mit der Aussicht auf Steuerersparnis in Verträge gelockt, die sich für sie nicht rentieren. Auch die Tatsache, dass nur ein Drittel der lang laufenden Rentenversicherungsverträge bis zum Schluss durchgehalten werden, zeige Mängel in der Beratung. "Da ist es offensichtlich nicht das passende Produkt gewesen."
Die Beratungsqualität werde sich durch die Vermittlerrichtlinie und die Richtlinie für Märkte in Finanzinstrumenten (Mifid) verbessern, hofft Kleinlein. Am Ende rät er vor allem eines: "Man soll nur das abschließen, was man selbst versteht."

Ratgeber: In zehn Schritten zum Vertrag
Stellen Sie sich dem Thema! Möglicherweise haben Sie gar kein Problem mit Ihrer Altersvorsorge. Falls Sie 50 Jahre oder älter sind: Keine Panik! Für jede Altersgruppe gibt es spezielle Strategien. Wenn Sie noch jung sind, sollten Sie nicht zu lang warten.
Stellen Sie fest, wie viel Geld Sie im Alter wahrscheinlich brauchen und wie viel Sie voraussichtlich haben werden. Vergessen Sie bei Ihrer Aufstellung nicht Inflation, Steuern, Rentenanpassungen und angespartes Kapital. Lassen Sie im Zweifel Ihre Vorsorge von einem unabhängigen Experten prüfen.
Falls Sie Schulden haben, kümmern Sie sich erst einmal darum. Wenn Sie den Dispokredit ständig überziehen, machen Sie mit einem Altersvorsorgevertrag die Finanzbranche doppelt glücklich. Der Vertrag kann nicht so rentabel sein, dass er 14 Prozent Überziehungszinsen übertrifft.
Prüfen Sie, ob die Instrumente zur Altersversorgung, die der Staat fördert, für Sie infrage kommen. Der Staat bezuschusst den Aufbau privater Altersvorsorge mit Zulagen oder steuerlichen Vorteilen. Investieren Sie aber nicht mehr, als Sie für die maximale Förderung müssen.
Stellen Sie Ihre eigenen Richtlinien auf: Wollen Sie eine Altersvorsorge, die flexibel ist? Das könnte richtig sein, wenn Sie in fünf Jahren selbstständig sein oder ein Haus kaufen wollen. Ist Ihre Lebensplanung dagegen voraussehbar, kann eine langfristige Bindung das Richtige sein.
Lassen Sie von einem unabhängigen Berater ausrechnen, wie groß Ihre Altersvorsorgelücke ist und welche Verträge die richtigen sind. Wirklich unabhängig sind Berater, wenn sie statt Provision ein Honorar bekommen, wie Verbraucherzentralen und spezielle Versicherungsberater.
Manche Honorarberater unterstützen Sie bei der Suche nach dem richtigen Vertrag. Diese Berater nehmen direkt Kontakt zu dem Anbieter auf, der in diesem Fall die Provision aus dem Preis für den Vertrag herausrechnet. Es wird für Sie also billiger.
Kaufen Sie über einen Vermittler, sollten Sie niemals auf die Beratung verzichten. Einen Verzicht müssen Sie dem Vermittler schriftlich bestätigen, Sie verlieren damit aber sämtliche Haftungsansprüche gegen den Verkäufer. Heben Sie die Dokumentation des Beratungsgesprächs gut auf.
Lassen Sie sich bei Aktienfonds nicht von kurzfristigen Betrachtungen blenden. Positive Ausreißer bei der Renditeentwicklung sind nicht aussagekräftig. Betrachten Sie lange Zeiträume, um Schwankungen zu erkennen. Eine Durchschnittsrendite von fünf bis acht Prozent ist ein gutes Zeichen.
Schließen Sie niemals einen Vertrag ab, den Sie nicht verstehen. Ist ein Berater oder Vermittler nicht in der Lage, Ihre Frage zu beantworten, taugt er nichts. Achten Sie darauf, welche Kosten in einem Vertrag stecken. Seien Sie skeptisch, wenn der Anbieter dazu keine Aussagen machen will.
  • Aus der FTD vom 09.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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