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Merken   Drucken   09.11.2007, 08:06 Schriftgröße: AAA

Private Altersvorsorge: Riester-Rente - vom Ladenhüter zum Bestseller

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten ist der Boom der Riester-Rente ungebrochen. Mehr als 635.000 Kunden haben im dritten Quartal 2007 einen Abschluss gemacht. Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales haben damit insgesamt 9,7 Millionen Verbraucher einen Vertrag. von Anja Krüger
Der Staat fördert mit den nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester benannten Verträgen den Aufbau einer privaten Altervorsorge in Form von Zulagen und Steuervorteilen. Die Zulagen liegen zurzeit bei 114 Euro für Erwachsene und 138 Euro pro Kind. Ab 2008 bekommen Erwachsene 154 Euro, für den Nachwuchs gibt es jeweils 185 Euro. Für Kinder, die ab 2008 geboren werden, zahlt der Staat sogar 300 Euro. Außerdem können Kunden die Beiträge als Sonderausgabenabzug steuerlich geltend machen, jetzt bis zu 1575 Euro, ab 2008 bis zu 2100 Euro. Voraussetzung für die Förderung ist, dass Kunden drei und ab 2008 vier Prozent ihres Bruttoeinkommens in den Vertrag stecken.
Doch viele Kunden haben die Zulagen, die ihnen zustehen, nicht abgerufen. Bei der Allianz Leben, einem der Marktführer auf diesem Feld, haben 23 Prozent der Kunden für das Jahr 2005 noch keinen oder nur einen unvollständigen Zulagenantrag gestellt. "Das entspricht einem Gegenwert von 9,5 Mio. Euro", sagt ein Sprecher.
Mit Riester-Vertrag, Rürup-Police oder Betriebsrente hilft der ...   Mit Riester-Vertrag, Rürup-Police oder Betriebsrente hilft der Staat beim Aufbau eines Polsters für den Lebensabend
Zwar haben Kunden noch bis Ende dieses Jahres Zeit, den Antrag für 2005 zu stellen. Aber nach den Erfahrungen der Allianz Leben werden 15 Prozent der vermeintlichen Riester-Rentner das nicht tun. "Viele glauben, sie müssten den Zulagenantrag nicht stellen, weil sie von der Steuerersparnis profitieren", sagt der Sprecher. Doch das ist ein Irrtum. Bei der Steuerberechnung geht das Finanzamt automatisch davon aus, dass die Zulagen geflossen sind, und zieht diese Beträge ab.

Ratgeber: In zehn Schritten zum Vertrag
Stellen Sie sich dem Thema! Möglicherweise haben Sie gar kein Problem mit Ihrer Altersvorsorge. Falls Sie 50 Jahre oder älter sind: Keine Panik! Für jede Altersgruppe gibt es spezielle Strategien. Wenn Sie noch jung sind, sollten Sie nicht zu lang warten.
Stellen Sie fest, wie viel Geld Sie im Alter wahrscheinlich brauchen und wie viel Sie voraussichtlich haben werden. Vergessen Sie bei Ihrer Aufstellung nicht Inflation, Steuern, Rentenanpassungen und angespartes Kapital. Lassen Sie im Zweifel Ihre Vorsorge von einem unabhängigen Experten prüfen.
Falls Sie Schulden haben, kümmern Sie sich erst einmal darum. Wenn Sie den Dispokredit ständig überziehen, machen Sie mit einem Altersvorsorgevertrag die Finanzbranche doppelt glücklich. Der Vertrag kann nicht so rentabel sein, dass er 14 Prozent Überziehungszinsen übertrifft.
Prüfen Sie, ob die Instrumente zur Altersversorgung, die der Staat fördert, für Sie infrage kommen. Der Staat bezuschusst den Aufbau privater Altersvorsorge mit Zulagen oder steuerlichen Vorteilen. Investieren Sie aber nicht mehr, als Sie für die maximale Förderung müssen.
Stellen Sie Ihre eigenen Richtlinien auf: Wollen Sie eine Altersvorsorge, die flexibel ist? Das könnte richtig sein, wenn Sie in fünf Jahren selbstständig sein oder ein Haus kaufen wollen. Ist Ihre Lebensplanung dagegen voraussehbar, kann eine langfristige Bindung das Richtige sein.
Lassen Sie von einem unabhängigen Berater ausrechnen, wie groß Ihre Altersvorsorgelücke ist und welche Verträge die richtigen sind. Wirklich unabhängig sind Berater, wenn sie statt Provision ein Honorar bekommen, wie Verbraucherzentralen und spezielle Versicherungsberater.
Manche Honorarberater unterstützen Sie bei der Suche nach dem richtigen Vertrag. Diese Berater nehmen direkt Kontakt zu dem Anbieter auf, der in diesem Fall die Provision aus dem Preis für den Vertrag herausrechnet. Es wird für Sie also billiger.
Kaufen Sie über einen Vermittler, sollten Sie niemals auf die Beratung verzichten. Einen Verzicht müssen Sie dem Vermittler schriftlich bestätigen, Sie verlieren damit aber sämtliche Haftungsansprüche gegen den Verkäufer. Heben Sie die Dokumentation des Beratungsgesprächs gut auf.
Lassen Sie sich bei Aktienfonds nicht von kurzfristigen Betrachtungen blenden. Positive Ausreißer bei der Renditeentwicklung sind nicht aussagekräftig. Betrachten Sie lange Zeiträume, um Schwankungen zu erkennen. Eine Durchschnittsrendite von fünf bis acht Prozent ist ein gutes Zeichen.
Schließen Sie niemals einen Vertrag ab, den Sie nicht verstehen. Ist ein Berater oder Vermittler nicht in der Lage, Ihre Frage zu beantworten, taugt er nichts. Achten Sie darauf, welche Kosten in einem Vertrag stecken. Seien Sie skeptisch, wenn der Anbieter dazu keine Aussagen machen will.
  • Aus der FTD vom 09.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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