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Merken   Drucken   13.11.2007, 08:00 Schriftgröße: AAA

Private Altersvorsorge: Was gute professionelle Hilfe ausmacht

Verbraucher sollten ihre Altersvorsorgeberatung selbst bezahlen. Denn Honorarberater holen für den Kunden häufig mehr heraus als ihre Kollegen auf Provisionsbasis. von Anja Krüger
Vertreter, Mehrfachagenten, Makler, Honorarberater - der Verbraucher trifft auf eine Vielzahl an Helfern, wenn er Rat in Sachen Altersvorsorge sucht. Unklar bleibt, wer wirklich gut berät.
"Vernünftig beraten kann nur derjenige, der weiß, wen er vor sich sitzen hat", sagt Thomas Bieler, Altersvorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wenn ein Bankberater dem Kunden nach nur zwei Fragen zur persönlichen Lebenssituation ein Produkt präsentiert, sollte der misstrauisch werden. "Der Berater muss den gesamten persönlichen Hintergrund des Kunden kennen. Er muss wissen, welche Vorsorgeprodukte der Kunde bereits besitzt und was dieser noch alles vorhat", sagt Bieler. So sollte nicht das gesamte Kapital in langfristigen Verträgen gebunden sein, wenn der Kunde noch einen Hausbau plant.
"Es gibt gute Vertreter, gute Makler und gute Berater", urteilt Versicherungsberater Frank Begas. Auch ein Allianz-Vertreter könne eine gute Beratungsleistung abliefern. "Man muss sich allerdings über seine finanziellen Interessen im Klaren sein", erläutert er. So bekommt der Vertreter sein Geld nur, wenn er dem Kunden eine Versicherung der Allianz verkauft. "Einen unabhängigen Marktüberblick kann er nicht bieten", sagt Begas. Das können Makler eher, denn sie rühmen sich damit, unabhängig zu sein und dem Kunden aus einer Vielzahl an Angeboten das Beste herauszusuchen.
Allerdings lebt auch ein Makler von Courtagen und Provisionen. Es besteht die Gefahr, dass er nicht die Produkte anpreist, die für seinen Kunden am vorteilhaftesten sind, sondern in den Vordergrund rückt, was ihm am meisten Geld bringt. "Der Kunde kann sich nur sicher sein, dass die Empfehlung seines Beraters nicht von der Höhe der Provision abhängt, wenn er ihn direkt selbst bezahlt", sagt Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater (VDH). Eine kurze Einmalberatung ist in der Regel für 100 bis 150 Euro pro Stunde zu bekommen. Auch die Verbraucherzentralen bieten eine Altervorsorgeberatung gegen Honorar an. Wer eine umfassende Betreuung wünscht, muss ein monatliches Pauschalhonorar zahlen, das sich nach dem Einkommen richtet. Üblich ist auch eine einmalige Zahlung von 0,75 bis 1 Prozent des betreuten Vermögens an den Berater.
Qualität ist erkennbar
Recherche Ein guter Altersvorsorgeberater sollte detaillierte Fragen zum persönlichen Hintergrund seines Kunden stellen, zum Beispiel, welche Vorsorgeprodukte er bereits besitzt und ob er plant, ein Haus zu bauen.
Honorar Nur wenn der Kunde seinen Berater aus eigener Tasche bezahlt, kann er sicher sein, dass die Empfehlung nicht von der Höhe der Provision für das Altersvorsorgeprodukt abhängt.
Qualifikation Der Berater sollte mindestens einen Abschluss als Fachwirt, besser noch als Certified Financial Planner vorweisen können, rät der Verband der Honorarberater.
Noch hält sich die Nachfrage nach den Leistungen der rund 1300 Honorarberater in Grenzen. "Der Marktanteil liegt unter einem Prozent", sagt Rauch. Er ist aber optimistisch, dass der Anteil steigt, wenn das neue Versicherungsvertragsgesetz Anfang 2008 in Kraft tritt. Dann müssen Vertreter und Makler dem Kunden die Höhe ihrer Provisionen mitteilen. Viele Verbraucher würden derzeit nicht realisieren, dass sie mit einem Teil ihrer Beiträge den Vermittler bezahlen. "Durch die Offenlegung der Provisionen wird ihnen klar, dass Beratung schon immer Geld gekostet hat, und sie werden sensibler, was das Preis-Leistungs-Verhältnis anbelangt", sagt Rauch.
Hier könnten die Honorarberater punkten. In einer Beispielrechnung lässt er einen 30-Jährigen mit einem Jahreseinkommen von 45.000 Euro in Versicherungen und Kapitalanlagen investieren - einmal betreut von einem Honorarberater, ein anderes Mal von einem Helfer auf Provisionsbasis. Im Rentenalter bleiben dem Kunden auch nach Abzug des Honorars rund 52.000 Euro mehr übrig als im Provisionsfall, weil Honorarberater über den VDH Produkte zu Nettokonditionen abschließen können. "Da sie auf alle Produktlösungen im Markt zurückgreifen, kommen auch kostengünstige Alternativen wie börsennotierte Indexfonds zum Einsatz", sagt Rauch. In der Provisionsberatung würden sie nicht stattfinden, weil sie unrentabel für den Vertreter seien.
Rauch rät, auch auf die fachliche Qualifikation des Beraters zu achten. "Er sollte mindestens ein Fachwirt sein, besser noch ein Certified Financial Planner", sagt er. Von einer Zertifizierung der Beratungsleistung an sich, wie sie die Dekra anbietet, hält er dagegen wenig. "Die Beratung der Commerzbank war auch zertifiziert, und trotzdem haben viele Anleger ihr Vermögen durch Investition in die empfohlenen Medienfonds verloren", sagt er.

Ratgeber: In zehn Schritten zum Vertrag
Stellen Sie sich dem Thema! Möglicherweise haben Sie gar kein Problem mit Ihrer Altersvorsorge. Falls Sie 50 Jahre oder älter sind: Keine Panik! Für jede Altersgruppe gibt es spezielle Strategien. Wenn Sie noch jung sind, sollten Sie nicht zu lang warten.
Stellen Sie fest, wie viel Geld Sie im Alter wahrscheinlich brauchen und wie viel Sie voraussichtlich haben werden. Vergessen Sie bei Ihrer Aufstellung nicht Inflation, Steuern, Rentenanpassungen und angespartes Kapital. Lassen Sie im Zweifel Ihre Vorsorge von einem unabhängigen Experten prüfen.
Falls Sie Schulden haben, kümmern Sie sich erst einmal darum. Wenn Sie den Dispokredit ständig überziehen, machen Sie mit einem Altersvorsorgevertrag die Finanzbranche doppelt glücklich. Der Vertrag kann nicht so rentabel sein, dass er 14 Prozent Überziehungszinsen übertrifft.
Prüfen Sie, ob die Instrumente zur Altersversorgung, die der Staat fördert, für Sie infrage kommen. Der Staat bezuschusst den Aufbau privater Altersvorsorge mit Zulagen oder steuerlichen Vorteilen. Investieren Sie aber nicht mehr, als Sie für die maximale Förderung müssen.
Stellen Sie Ihre eigenen Richtlinien auf: Wollen Sie eine Altersvorsorge, die flexibel ist? Das könnte richtig sein, wenn Sie in fünf Jahren selbstständig sein oder ein Haus kaufen wollen. Ist Ihre Lebensplanung dagegen voraussehbar, kann eine langfristige Bindung das Richtige sein.
Lassen Sie von einem unabhängigen Berater ausrechnen, wie groß Ihre Altersvorsorgelücke ist und welche Verträge die richtigen sind. Wirklich unabhängig sind Berater, wenn sie statt Provision ein Honorar bekommen, wie Verbraucherzentralen und spezielle Versicherungsberater.
Manche Honorarberater unterstützen Sie bei der Suche nach dem richtigen Vertrag. Diese Berater nehmen direkt Kontakt zu dem Anbieter auf, der in diesem Fall die Provision aus dem Preis für den Vertrag herausrechnet. Es wird für Sie also billiger.
Kaufen Sie über einen Vermittler, sollten Sie niemals auf die Beratung verzichten. Einen Verzicht müssen Sie dem Vermittler schriftlich bestätigen, Sie verlieren damit aber sämtliche Haftungsansprüche gegen den Verkäufer. Heben Sie die Dokumentation des Beratungsgesprächs gut auf.
Lassen Sie sich bei Aktienfonds nicht von kurzfristigen Betrachtungen blenden. Positive Ausreißer bei der Renditeentwicklung sind nicht aussagekräftig. Betrachten Sie lange Zeiträume, um Schwankungen zu erkennen. Eine Durchschnittsrendite von fünf bis acht Prozent ist ein gutes Zeichen.
Schließen Sie niemals einen Vertrag ab, den Sie nicht verstehen. Ist ein Berater oder Vermittler nicht in der Lage, Ihre Frage zu beantworten, taugt er nichts. Achten Sie darauf, welche Kosten in einem Vertrag stecken. Seien Sie skeptisch, wenn der Anbieter dazu keine Aussagen machen will.
  • FTD.de, 13.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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