Klare Anlagerichtlinien - Beispiel für ein konservatives Stiftungs-Portofolio
Es ist ein bisschen wie die Quadratur des Kreises: Stiftungen wollen einerseits bei der Vermögensanlage kein Risiko eingehen. Hauptsache, es geht kein Geld verloren. Das Stiftungsvermögen soll real erhalten bleiben, heißt die oberste Devise. Auf der anderen Seite aber werden möglichst hohe laufende Erträge benötigt, um den eigentlichen Zweck der Stiftung zu finanzieren.
"Stiftungen sind eine ganz besondere Klientel", sagt Rolf Steffens, Stiftungsexperte der HSH Nordbank. "Es ist daher entscheidend, die richtige Balance von Risiken und möglichst hohen Erträgen zu finden", sagt Steffens. Diese Zielsetzung werde teilweise auch in speziellen Anlagerichtlinien genau festgeschrieben.
Die HSH Nordbank Private Banking, die knapp 300 Stiftungen - vorwiegend im norddeutschen Raum - betreut, greift vor allem auf Anleihen zurück. "Die meisten Stiftungen sind risikoavers und deshalb in erster Linie in festverzinslichen Wertpapieren engagiert", sagt der HSH-Nordbank-Experte. Das seien dann vorwiegend bonitätsstarke Titel aus dem Euro-Raum, die ein zusätzliches Währungsrisiko ausschließen.
Eingeschränktes Anlageuniversum
"Es gibt bei Stiftungen ein ganz klares Anlageuniversum", sagt auch Markus Zschaber, Portfoliomanager der V.M.Z. Vermögensverwaltung in Köln. 80 Prozent konservative Anlageklassen wie Renten, Absolute Return oder offene Immobilienfonds und nur maximal 20 Prozent Aktienfonds - so lauten in der Regel die Vorgaben der Stiftungen. Und auch da ist das Universum oft eingeschränkt: "Es sollten bei den Aktien etablierte Volkswirtschaften sein. Asien kommt nicht infrage, auch nicht Osteuropa oder Lateinamerika, außer die Stiftung wünscht diese dynamischen Risikomärkte", sagt Zschaber, der das Vermögen mehrerer großer karitativer Stiftungen betreut.
Eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Watson Wyatt über die größten Stiftungen Europas unterstreicht das besondere Sicherheitsdenken deutscher Stiftungen: Demnach investieren deutsche Stiftungen stark in Renten, ähnlich wie Versicherungsgesellschaften. Die Aktienquote liegt nur bei durchschnittlich 15 bis 20 Prozent. Diese schwache Aktienquote wirkt sich jedoch auf die Performance aus. Während europäische Stiftungen ihre Vermögen jährlich im Schnitt um 18 Prozent steigerten, erreichten die Deutschen nur ein Plus von acht Prozent.