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Merken   Drucken   15.03.2007, 08:00 Schriftgröße: AAA

Suche nach verlorenen Schätzen  

Kaufen, was keiner haben will - diese antizyklische Strategie gehört immer noch zu den besten Methoden, an der Börse auf Dauer überdurchschnittlich gute Gewinne zu erzielen. Erfahrung und Kenntnis der Unternehmen schützt vor Fehlinvestitionen. von Horst Fugger
Aktienkurse wie eine Achterbahn   Aktienkurse wie eine Achterbahn
Kaum eine andere Vorgehensweise an der Börse sorgt für so viele Missverständnisse wie die antizyklische Anlagestrategie. Viele verbinden damit die Vorstellung, Antizykliker seien so etwas wie die ewigen Querulanten an den Kapitalmärkten, quasi das personifizierte "Ja, aber ..." der Börse. Nichts könnte falscher sein.
Ständig das Gegenteil dessen zu tun, was die Mehrheit der Börsianer für richtig hält, kann schon deshalb nicht zum Erfolg führen, weil die Masse der Anleger nun einmal über mehr Geld und somit mehr Marktpotenz verfügt als die paar Leute, die sich als eingefleischte Antizykliker verstehen. Außerdem würde es in längeren Trendphasen zwangsläufig zum finanziellen Ruin führen.
Es geht also darum, lediglich an wichtigen Trendwendemarken der Börse eine Position einzunehmen, die im Widerspruch zur jeweils herrschenden Mehrheitsmeinung steht. Das gilt von Gesamtmarkttendenzen über Branchentrends bis zu Einzelaktien. Dabei gibt es Phasen, in denen es schon genügt, die allgemeine Börsentendenz richtig einzuschätzen.
Geeignete Auswahlkriterien Im Allgemeinen tut der Antizykliker gut daran, die Gesamtmarkttendenz zwar zu beachten, aber gut 90 Prozent seiner Mühe der Auswahl von Einzelaktien zu widmen. Aus antizyklischer Sicht interessante Aktien gibt es in jeder Börsenphase; mal mehr, mal weniger, aber immer mehr als genug. Das gilt selbst jetzt, wo der Dax wieder in den Bereich von 7000 Punkten geklettert ist und auch andere wichtige Aktienindizes aktuell mehrjährige Höchststände aufweisen.
Was die Auswahlkriterien betrifft, gehen auch unter überzeugten Antizyklikern die Meinungen auseinander; die eine, einzig wahre Strategie gibt es nicht. Natürlich geht es darum, Aktien möglichst preiswert einzukaufen, aber dieses Kriterium ist leider recht schwammig: Wann ist eine Aktie billig, und wie schützt man sich davor, dass sie nach dem Kauf noch wesentlich billiger wird?
Völlig klar ist, dass es zur Beantwortung dieser Frage quantifizierbarer Kriterien bedarf. Spontankäufe ohne gründliche Analyse sind die Hauptursache teurer Fehlentscheidungen. Harte Kriterien sind dagegen die bisherige Kursentwicklung, die aktuellen Kennzahlen und in gewisser Weise auch die charttechnische Lage.
Fundamentale Kennzahlen Es liegt nahe, dass vor allem solche Aktien in Frage kommen, die einen heftigen Kurssturz hinter sich haben. Diese Voraussetzung hätten noch vor drei, vier Jahren die meisten Aktien an den wichtigsten Weltbörsen erfüllt, aber in weniger dramatischen Börsenphasen engt dieses Kriterium das Auswahlspektrum deutlich ein. Die wichtigste Aufgabe des Antizyklikers ist die Urteilsfindung, welche von diesen Aktien völlig zu Recht abgestürzt sind und welche gute Aussichten auf eine Kurserholung bieten.
Hier helfen die fundamentalen Bewertungskennzahlen weiter: In erster Linie Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) und Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). In der Literatur zum Thema werden einige Faustregeln genannt: Zum Beispiel sollte das KBV nicht wesentlich über 1,0 liegen, ebenso das KUV. Die zuletzt genannte Voraussetzung wird allerdings von so vielen Unternehmen erfüllt, dass man wesentlich strengere Richtlinien anlegen sollte.
  • FTD.de, 15.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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