FTD.de » Finanzen » Geldanlage » Wie deutsche Banken von der Subprime-Krise betroffen sind
  FTD-Serie: Die Ursprünge der Finanzkrise

Sie begann bei einem kalifornischen Hypothekenanbieter und hat inzwischen Märkte in aller Welt erfasst: Die Subprime-Krise um schlecht besicherte US-Immobilienkredite betrifft längst auch andere Branchen. Unter den Opfern sind zunehmend deutsche Unternehmen.

Merken   Drucken   13.08.2007, 15:49 Schriftgröße: AAA

Wie deutsche Banken von der Subprime-Krise betroffen sind

Erst die Schieflage der IKB. Dann die Pleite des Hypothekenfinanzierers Homebanc, bei dem mehrere deutsche Banken engagiert waren: Die Verwerfungen auf dem US-Immobilienmarkt haben Deutschland erreicht. Die FTD gibt einen Überblick, was die Subprime-Krise für die einzelnen Finanzhäuser bedeutet. von Angela Maier, Rolf Lebert und Nina Luttmer (Frankfurt)
Es ist wieder eine schlechte Nachricht für deutsche Banken: Der US-Hypothekenfinanzierer Homebanc stellte einen Antrag auf Gläubigerschutz. Zu den beteiligten Instituten gehören laut der US-Finanzaufsicht SEC neben der französischen Großbank BNP Paribas und der JP Morgan die Deutsche Bank und die Commerzbank.
Was sagen deutsche Banken zu ihrem eigenen Engagement im Subprime-Markt? Ein Überblick:
Die Aareal hat nach eigenen Aussagen kein "direktes oder indirektes Engagement " im US-Subprime-Hypothekenmarkt. Anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen betonte Aareal-Vorstandschef Wolf Schumacher, keine Zweckgesellschaft (Conduits) zu führen und keine Garantien für solche Fonds abgegeben zu haben. Das Engagement in forderungsbesicherten Wertpapieren - Asset Backed Securities - belaufe sich auf 650 Mio. Euro. Davon hätten rund 90 Prozent ein Rating von "AAA".
Die Allianz hat im zweiten Quartal eine Vorsorge von 70 Mio. Euro für Subprime-Risiken gebildet. Der Münchner Konzern hält im Subprime-Bereich verbriefte Forderungen (Asset Backed Securities, ABS) von 1,7 Mrd. Euro. Angesichts von Konzernkapitalanlagen im Volumen von 1030 Mrd. Euro sei dies "sehr, sehr niedrig", sagte Allianz-Controlling-Vorstand Helmut Perlet. 99,5 Prozent des ABS-Subprime-Portfolios bestehe aus Papieren guter oder sehr guter Bonität (Investmentgrade). Insgesamt hält die Allianz ABS im Wert von 35 Mrd. Euro, wovon die Hälfte im Handelsbuch steht und deshalb täglich neu zu Marktpreisen bewertet wird. Mit den Preisen des gestrigen Donnerstags (2. August) angesetzt, hätten diese ABS 100 Mio. Euro an Wert verloren. Dafür hat die Allianz bislang aber noch keine Wertberichtigung gebildet.
Die Dresdner Bank hält Super-Senior-CDOs (Collaterlized Debt Obligations) über nominal 5,8 Mrd. Euro. "Das Platzen der Immobilienblase in den USA wird das System nicht destabilisieren", sagte Dresdner-Bank-Vorstandschef Herbert Walter.
Die BayernLB ist nach eigenen Aussagen nicht beeinträchtigt durch die Verwerfungen auf dem US-Immobilienmarkt. "Aus heutiger Sicht sind wir nicht betroffen. Wir halten fast nur Vermögenswerte mit einem Rating von 'AAA' und eine kleine Quote mit 'AA'. Die sind auch noch nicht herabgestuft worden. In Subprimes sind wir gar nicht investiert. Wir halten an den Geschäftsprognosen für 2007 fest", sagte ein Sprecher. Nach Angaben aus Finanzkreisen ist die BayernLB mit 15 bis 20 Mrd. Euro in CDOs investiert. Ein Sprecher der BayernLB wollte das nicht bestätigen.
Die Commerzbank geht aufgrund von Subprime-Investments von einer Ergebnisbelastung von etwa 80 Mio. Euro aus. Das Institut und seine Tochter Eurohypo sind insgesamt mit 1,2 Mrd. Euro in strukturierten Produkten (RMBS und CDOs) auf private Subprime-Baukredite engagiert. Die Prognose, 2007 eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als zwölf Prozent zu schaffen, will die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank trotzdem erreichen.
Die Commerzbank ist unter anderem von der Pleite des US-Hypothekenfinanzierers HomeBanc betroffen. Die Bank habe dem US-Unternehmen Kredite in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe gewährt, sagte Commerzbank-Vorstandsmitglied Bernd Knobloch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen der Tochter Eurohypo am Montag. Die Kredite an HomeBanc seien komplett abgesichert. "Wir gehen davon aus, dass wir unsere Kredite über die Besicherung wieder zurückbekommen werden", sagte Knobloch. Die HomeBanc hatte Ende vergangener Woche Gläubigerschutz in den USA beantragt. Ihre Schulden beliefen sich auf 4,9 Mrd. $.
Eurohypo ist im Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen mit 850 Mio. Euro engagiert. Den daraus entstehenden Verlust von rund 40 Mio. Euro im dritten Quartal könne die Bank durch den Verkauf von Immobilien wettmachen, sagte Knobloch.
Die Depfa Bank wies Spekulationen zurück, sie könnte wegen Engagements im amerikanischen Subprime-Markt in Schwierigkeiten geraten. Die Bank sei in diesem Marktsegment nicht investiert, sagte ein Sprecher. Die Bank sei ein reiner Staatsfinanzierer, dessen Kredit- und Anlageportfolio ausschließlich aus Investments mit hohen Ratings bestehe.
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (ApoBank) wies Marktgerüchte über Probleme mit Investitionen im amerikanischen Wohnimmobilienmarkt zurück. Die zum genossenschaftlichen Finanzverbund gehörende Bank teilte mit, rund 96 Prozent ihrer Finanzanlagen wiesen ein Rating von "A" oder besser auf. Rund vier Prozent seien mit "BBB" geratet und beträfen Unternehmen, Finanzinstitute und Staaten. Investitionen in Anlagen minderer Qualität habe die Bank nicht getätigt. Im US-Markt für Wohnimmobilien minderer Qualität habe die Bank in einem Fonds insgesamt 75 Mio. Euro angelegt. Das Investment beschränke sich auf Tranchen mit einem Rating von "AAA", die nicht ausfallgefährdet seien und über Restlaufzeiten von rund sechs Monaten verfügten. Entsprechend betrage der aktuelle Kurs 105 Prozent. Eine Nachschusspflicht bestehe nicht.
Bei einer CDO-Transaktion mit einem Gesamtvolumen von 40 Mio. Euro und einem Rating von "Aa3" bestehe ein begrenztes, indirektes Engagement im Subprime-Markt. Weiter Engagements in CDO-Finanzanlagen seien von untergeordneter Bedeutung und nicht ausfallgefährdet. Die Tochtergesellschaft AC Capital Partners in Dublin sei in den gleichen Märkten ausschließlich als Vermögensverwalter tätig und habe keine eigenen Bestände in Wertpapieren und strukturierten Finanzierungen. Entsprechend bestehe weder für die Bank noch für AC Capital die Notwendigkeit, Liquiditätslinien bereit zu stellen.
Die Deutsche Bank schweigt zu ihrem Subprime-Engagement, hat dieses eigenen Angaben zufolge aber schon seit den ersten Anzeichen einer Überhitzung dieses Marktes im Jahr 2002 stark zurückgefahren. Anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen gab sich Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann optimistisch. Die Deutsche Bank sei "fest davon überzeugt", weiter gute Ergebnisse zu erwirtschaften, sagte er. Geschäftsmodell und Risikomanagement der Bank seien darauf ausgerichtet, auch unter den aktuellen Bedingungen erfolgreich zu sein. Auch zu ihrem Engagement bei Homebanc hat sich die Deutsche Bank nicht geäußert.
Die DZ Bank verfolgt nach Angaben einer Sprecherin eine konservative Anlagestrategie. Sie ist im CDO-Markt engagiert, allerdings nur bei europäischen Emittenten im obersten Investmentbereich. 97 Prozent dieses Engagements seien mit einem Rating von "AAA" versehen. Es handele sich zudem um ältere Engagements, deren Fälligkeit absehbar sei.
Die Hypo Real Estate (HRE) ist nach eigenen Angaben nicht im US-Subprime-Markt aktiv und hat entsprechend auch keine Risiken in diesem Segment. Portfoliorisiken hat die Bank auch nicht, da sie im Verbriefungsmarkt kaum aktiv ist und nur Geschäft für Dritte tätigt.
"Wir erwarten, dass unserer Gruppe aus der jetzigen Krise keine Belastungen entstehen. Unser Business-Case ist davon überhaupt nicht betroffen. Wir haben immer gesagt, dass wir in der Wohnungsbaufinanzierungen für private Eigentümer in den USA nicht engagiert waren und sind. Und mit unseren CDO-Investments fühlen wir uns wohl", sagte HRE-Vorstandschef Georg Funke in einem Interview mit dem "Handelsblatt".
Die HVB sieht sich von der Subprime-Krise nicht betroffen. "Die HVB hat ein Subprime-Exposure von lediglich 5 Mio. Euro in den Büchern. Daher spüren wir keine unmittelbaren Auswirkungen von der Krise am US-Hypothekenmarkt", sagte HVB-Chef Wolfgang Sprißler.
"Die LBBW hat keine direkten Anlagen im amerikanischen Subprime-Markt. Subprime-Anteile sind jedoch in Strukturierten Finanzierungen (ABS) enthalten. Über 93 Prozent dieser Subprime-Anteile haben ein "AAA"-Rating, weitere fünf Prozent ein 'AA+' bzw. 'A+'. Keine unserer Anlagen ist von der Neueinstufung betroffen, die von den Ratingagenturen aktuell vorgenommen wurde. Aufgrund der allgemeinen Marktentwicklungen kann es jedoch zu unwesentlichen Wertkorrekturen kommen", sagte eine Sprecherin der LBBW. Die Bank sieht keine Auswirkungen für das Geschäftsjahr 2007. Aus Finanzkreisen ist zu hören, die Landesbank sei mit einem ein- bis tief zweistelligen Milliardenbetrag in CDOs investiert.
Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Münchener Rück stellt sich durch die US-Immobilienkrise auf allenfalls geringe mögliche Belastungen ein. Im schlimmsten Fall drohten Verluste im hohen zwei- bis höchstens im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, sagte Münchener-Rück-Vorstand Jörg Schneider. Gemessen am gesamten Anlageportfolio der Münchener Rück von insgesamt 179 Mrd. Euro sei dies als gering einzustufen. Sein Engagement auf dem Markt für gefährdete Hypothekenkredite bezifferte der Konzern auf 600 Mio. Euro - 0,33 Prozent des Kapitals.
Die Postbank räumte ein, dass sie mit 600 Mio. Euro bei zwei Gesellschaften des IKB-Rhineland-Fonds engagiert war. Diese Papiere habe sie nun in die eigenen Bücher aufgenommen. Davon entfalle aber höchstens ein Drittel auf Immobilienkredite und die meisten davon seien von hoher Qualität, betonte ein Postbank-Sprecher. "Was davon 'subprime' ist, wird analysiert", hieß es.
Auch die SachsenLB ist angesichts der Krise ins Rampenlicht geraten. Die Finanzaufsicht BaFin nimmt eine umgerechnet fast 13 Mrd. Euro schwere Zweckgesellschaft der Bank ins Visier, die wie der in Schieflage geratene IKB-US-Fonds am krisengeschüttelten Kreditmarkt engagiert ist. Die Landesbank versuchte am Freitag vergangener Woche zu beschwichtigen. "Wir haben keine Liquiditätsprobleme. Wir können alle unsere Verpflichtungen erfüllen", sagte ein Sprecher der Bank. Die Lage der SachsenLB sei nicht mit der von der IKB vergleichbar. Es gebe keine Anzeichen für erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeiten bei dem Fonds, der ausschließlich in Papiere investiert habe, die mit "AAA" eingestuft seien, also als ausfallsicher gelten.
Die WestLB gibt ihr Engagement in Subprime-Wertpapieren mit insgesamt 1,25 Mrd. Euro an.
Vor Bekanntgabe des milliardenschweren Engagements sagte ein Sprecher der FTD: "Wir sind praktisch nicht in Subprimes investiert. 98 Prozent unseres CDO-Exposures hat ein Rating von 'AAA' oder 'AA'. Von daher sind wir sehr ruhig." Gegenüber der FAZ hatte der Sprecher gesagt: "Wenn es überhaupt ein Ausfallrisiko gebe, beschränke sich dieses auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag."
Konkret betroffen von der Subprime-Krise ist Brightwater, die Vermögensverwaltungstochter der WestLB. Zwei Fondsmanager des New Yorker Ablegers wurden bereits vor die Tür gesetzt. Brightwater bietet institutionellen Anlegern CDOs und Strukturierte Investment-Vehikel (SIVs) an, die in Hypothekenpapiere und andere verbriefte Anlagen investieren. Nach eigenen Angaben verwaltet Brightwater 35 Mrd. $ in den Instrumenten. Nach Angaben der WestLB handelt es sich bei der Hälfte des Betrages um Kundenanlagen.
  • FTD.de, 13.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6748,76  [-5.44 -0,08%
  Euro Stoxx 50 2512,92  [-1.2 -0,05%
  Dow Jones 12848,23  [-29.97 -0,23%
  Nasdaq Composite 2901,65  [-2.43 -0,08%
  Euro 1,3268 USD  [0.002 +0,15%
  Brent-Öl 116,68 USD  [0.27 +0,23%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Rohstoffe: Kanadier verramschen Öl

    Öl ist teuer, die Referenzsorte Brent notiert deutlich über 100 Dollar je Fass. Kanadisches Öl gibt es dagegen schon für gut 60 Dollar. Denn die Förderer leiden unter den Besonderheiten des nordamerikanischen Ölmarkts. Eine Posse mit technischen und politischen Implikationen mehr

 



 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote