Die Finanzkrise führt zu schweren Erschütterungen an den Börsen. Von New York aus greifen die Schockwellen nach Asien genauso aus wie nach Europa. FTD.de bündelt die Reaktionen an den Weltmärkten.
Die wirtschaftliche Situation in den USA verschlechtert sich weiter. Angesichts fallender Börsenkurse und Hauspreise sowie zunehmender Arbeitslosigkeit blicken die US-Haushalte skeptischer in die Zukunft als zuvor. Das Michigan-Verbrauchervertrauen fiel im Oktober auf 57,5 Zähler gegenüber 70,3 im Vormonat. Das ist der stärkste je gemessene Einbruch. Zum Vergleich: 2007 lag der Durchschnitt bei 85,6 Zählern.
Auch der Häusermarkt hat die Talsohle noch nicht erreicht. Im September wurde mit dem Bau von nur 817.000 Häusern begonnen. Das sind 6,3 Prozent weniger als im August, teilte das Handelsministerium am Freitag mit. Die Baugenehmigungen, ein wichtiger Frühindikator für zukünftige Projekte, fielen sogar um 8,3 Prozent auf 786.000. Das ist der tiefste Stand seit 1981.
Volkswirte führen den Stimmungswandel bei den Verbrauchern auf die Kreditkrise zurück. "Bei den US-Verbrauchern hat in den vergangenen Wochen ein deutlicher Themenwechsel eingesetzt. Waren es in den vergangenen Monaten die Benzinpreisentwicklungen, die erst für eine Stimmungsverschlechterung mit anschließender leichter Stimmungsaufhellung gesorgt haben, ist nun die Kreditkrise beziehungsweise die Entwicklungen an den Kapitalmärkten der bestimmende Einflussfaktor geworden", schrieben die Volkswirte der Dekabank.
Den Immobilienzahlen gewannen die Experten etwas Positives ab: "Der Häusercrunch setzt sich ungebremst fort. Das bedeutet aber auch, dass weniger Häuser auf den Markt kommen, was die Preise wiederum stabilisieren würde. Aus dieser Perspektive kann man sagen: Je schlimmer die Zahlen vom Bausektor, desto besser", sagte Dimitry Fleming, Volkswirt bei ING. Etwas kritischer kommentierte Ulrich Wortberg, Renten- und Devisenstratege der Helaba, den Bericht: "Damit zeigt sich, dass die Baukrise noch nicht überwunden ist. Darauf hat bereits der gestern veröffentlichte NAHB-Wohnungsmarktindex hingewiesen, der bei 14 Punkten ein Rekordtief markierte."
Der US-Hypothekenmarkt ist Kern der Kreditkrise und des wirtschaftlichen Abschwungs in den USA. Nach Jahren des Booms fallen die Hauspreise nun zweistellig. In den 20 größten Metropolen der Vereinigten Staaten brachen die Preise im Vergleich zum Vorjahr um 16,4 Prozent ein, wie sich am Case-Shiller-Hauspreisindex ablesen lässt. Das wiederum führt dazu, dass die Eigentümer ihre Kredite nicht zurückbezahlen können, weil die Verbindlichkeiten den Wert ihrer Immobilien übersteigen. Economy.com, eine Internetseite der Ratingagentur Moody's, schätzt, dass das inzwischen bei jedem sechsten US-Häuslebauer der Fall ist.
Nach formaler Definition befindet sich die USA noch nicht in einer Rezession. Im ersten und zweiten Quartal wuchs die US-Wirtschaft noch um 0,9 Prozent und 2,8 Prozent. Doch seitdem trübte sich der Ausblick zusehends ein. Nicht nur vom Häusermarkt gibt es schlechte Nachrichten. Die Industrieproduktion ist rückläufig, die Arbeitslosenrate liegt mit 6,1 Prozent auf hohem Niveau,
All das drückt auf den Konsum, der wiederum 70 Prozent des Bruttonlandsprodukts ausmacht. So brachen die Einzelhandelsumsätze im September um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat ein. Mit den nun enttäuschenden Zahlen zur Industrieproduktion und zum Geschäftsklima deutet vieles darauf hin, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal schrumpft.
Der Abschwung bleibt auch der Notenbank Fed nicht verborgen. Die Chefin der Disktriktnotenbank San Francisco, Janet Yellen, sprach diese Woche von "Rezession". Auch Fed-Chef Ben Bernanke ist kritisch und schürte am Mittwoch die Sorgen um eine lang andauernde US-Krise. Selbst wenn sich die Finanzmärkte stabilisieren sollten, "wird eine umfassendere Wirtschaftserholung nicht sofort eintreten", sagte Bernanke.
Die Fed senkte vergangene Woche den Leitzins um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent. Nach Ansicht von Experten hat sie weiteren Spielraum nach unten, da der Inflationsdruck nachlässt. Im September blieben die Verbraucherpreise auf Monatssicht unverändert. Im Vorjahresvergleich fiel die Preissteigerungsrate von 5,4 Prozent auf 4,9 Prozent. 52 Prozent der Marktteilnehmer rechnen nun damit, dass sie den Zins auf ihrer nächsten Sitzung Ende Oktober um weitere 50 Basispunkte auf 1,0 Prozent zurücknimmt. 48 Prozent wetten auf eine Senkung um 25 Basispunkte.