FTD.de » Finanzen » Immobilien » Stimmung der US-Verbraucher kippt
Merken   Drucken   17.10.2008, 17:12 Schriftgröße: AAA

Amerika in der Krise: Stimmung der US-Verbraucher kippt

Fallende Haus- und Aktienpreise in den Vereinigten Staaten drücken auf die Konsumlust der Haushalte. Das Michigan-Verbrauchervertrauen brach so stark wie noch nie zuvor ein. Auch vom Immobilienmarkt gab es schlechte Nachrichten.
von Tobias Bayer (Frankfurt)

Die wirtschaftliche Situation in den USA verschlechtert sich weiter. Angesichts fallender Börsenkurse und Hauspreise sowie zunehmender Arbeitslosigkeit blicken die US-Haushalte skeptischer in die Zukunft als zuvor. Das Michigan-Verbrauchervertrauen fiel im Oktober auf 57,5 Zähler gegenüber 70,3 im Vormonat. Das ist der stärkste je gemessene Einbruch. Zum Vergleich: 2007 lag der Durchschnitt bei 85,6 Zählern.

Auch der Häusermarkt hat die Talsohle noch nicht erreicht. Im September wurde mit dem Bau von nur 817.000 Häusern begonnen. Das sind 6,3 Prozent weniger als im August, teilte das Handelsministerium am Freitag mit. Die Baugenehmigungen, ein wichtiger Frühindikator für zukünftige Projekte, fielen sogar um 8,3 Prozent auf 786.000. Das ist der tiefste Stand seit 1981.

Volkswirte führen den Stimmungswandel bei den Verbrauchern auf die Kreditkrise zurück. "Bei den US-Verbrauchern hat in den vergangenen Wochen ein deutlicher Themenwechsel eingesetzt. Waren es in den vergangenen Monaten die Benzinpreisentwicklungen, die erst für eine Stimmungsverschlechterung mit anschließender leichter Stimmungsaufhellung gesorgt haben, ist nun die Kreditkrise beziehungsweise die Entwicklungen an den Kapitalmärkten der bestimmende Einflussfaktor geworden", schrieben die Volkswirte der Dekabank.

Den Immobilienzahlen gewannen die Experten etwas Positives ab: "Der Häusercrunch setzt sich ungebremst fort. Das bedeutet aber auch, dass weniger Häuser auf den Markt kommen, was die Preise wiederum stabilisieren würde. Aus dieser Perspektive kann man sagen: Je schlimmer die Zahlen vom Bausektor, desto besser", sagte Dimitry Fleming, Volkswirt bei ING. Etwas kritischer kommentierte Ulrich Wortberg, Renten- und Devisenstratege der Helaba, den Bericht: "Damit zeigt sich, dass die Baukrise noch nicht überwunden ist. Darauf hat bereits der gestern veröffentlichte NAHB-Wohnungsmarktindex hingewiesen, der bei 14 Punkten ein Rekordtief markierte."

Formal noch keine Rezession

Der US-Hypothekenmarkt ist Kern der Kreditkrise und des wirtschaftlichen Abschwungs in den USA. Nach Jahren des Booms fallen die Hauspreise nun zweistellig. In den 20 größten Metropolen der Vereinigten Staaten brachen die Preise im Vergleich zum Vorjahr um 16,4 Prozent ein, wie sich am Case-Shiller-Hauspreisindex ablesen lässt. Das wiederum führt dazu, dass die Eigentümer ihre Kredite nicht zurückbezahlen können, weil die Verbindlichkeiten den Wert ihrer Immobilien übersteigen. Economy.com, eine Internetseite der Ratingagentur Moody's, schätzt, dass das inzwischen bei jedem sechsten US-Häuslebauer der Fall ist.

Nach formaler Definition befindet sich die USA noch nicht in einer Rezession. Im ersten und zweiten Quartal wuchs die US-Wirtschaft noch um 0,9 Prozent und 2,8 Prozent. Doch seitdem trübte sich der Ausblick zusehends ein. Nicht nur vom Häusermarkt gibt es schlechte Nachrichten. Die Industrieproduktion ist rückläufig, die Arbeitslosenrate liegt mit 6,1 Prozent auf hohem Niveau,

All das drückt auf den Konsum, der wiederum 70 Prozent des Bruttonlandsprodukts ausmacht. So brachen die Einzelhandelsumsätze im September um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat ein. Mit den nun enttäuschenden Zahlen zur Industrieproduktion und zum Geschäftsklima deutet vieles darauf hin, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal schrumpft.

Zinssenkung der Fed wird wahrscheinlicher

Der Abschwung bleibt auch der Notenbank Fed nicht verborgen. Die Chefin der Disktriktnotenbank San Francisco, Janet Yellen, sprach diese Woche von "Rezession". Auch Fed-Chef Ben Bernanke ist kritisch und schürte am Mittwoch die Sorgen um eine lang andauernde US-Krise. Selbst wenn sich die Finanzmärkte stabilisieren sollten, "wird eine umfassendere Wirtschaftserholung nicht sofort eintreten", sagte Bernanke.

Die Fed senkte vergangene Woche den Leitzins um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent. Nach Ansicht von Experten hat sie weiteren Spielraum nach unten, da der Inflationsdruck nachlässt. Im September blieben die Verbraucherpreise auf Monatssicht unverändert. Im Vorjahresvergleich fiel die Preissteigerungsrate von 5,4 Prozent auf 4,9 Prozent. 52 Prozent der Marktteilnehmer rechnen nun damit, dass sie den Zins auf ihrer nächsten Sitzung Ende Oktober um weitere 50 Basispunkte auf 1,0 Prozent zurücknimmt. 48 Prozent wetten auf eine Senkung um 25 Basispunkte.

  • FTD.de, 17.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler