Deutsche wollen sich die aktuell günstigen Zinsen für ihre Immobiliendarlehen zunehmend langfristig zunutze machen. Nach Zahlen der Finanzierungsberatung Dr. Klein hat die Sollzinsbindung für ausgegebene Immobilienkredite an Privatleute im Juni ein Rekordniveau erreicht und liegt nun bei 13 Jahren. Das bedeutet, dass der durchschnittliche Zeitraum, für den bei einem Darlehen die Zinsen festgeschrieben sind, derzeit 13 Jahre beträgt. Im Juni 2011 betrug die durchschnittliche Sollzinsbindung noch zehneinhalb Jahre.
Davon, dass die Finanzierung derzeit günstig zu haben ist, profitieren Immobilienkäufer je nach Standort allerdings nur begrenzt. Zwar sind die Zinsen historisch niedrig, jedoch ziehen parallel vor allem in den deutschen Metropolen die Preise für Wohnimmobilien an - gerade weil die günstige Finanzierung viele Hauskäufer lockt. Das macht sich auch in den Darlehenssummen bemerkbar: Die durchschnittliche Höhe der Finanzierungssumme stieg im Juni auf 164.000 Euro. Vor einem Jahr lag sie noch bei 148.000 Euro. Die Analysten der DZ Bank gehen in einem aktuellen Bericht davon aus, dass sich der Aufwärtstrend am deutschen Immobilienmarkt trotz konjunktureller Abschwächung weiter fortsetzen dürfte.
Beim Baufinanzierungsportal Baufi24 hält man eine Entwicklung bei privaten Immobiliendarlehen jedoch für bedenklich. "Die derzeitigen Superniedrigzinsen und geringe Tilgungsraten verlocken auch Haushalte mit geringerem Einkommen und entsprechend geringer Eigenkapitalquote zum Immobilienankauf", sagt Baufi24-Geschäftsführer Stephan Scharfenorth. "Diese sogenannten Schwellenhaushalte könnten bei einem nur geringfügig höheren Zinsniveau in der Regel kein Eigenheim mehr finanzieren. Steigt das Zinsniveau im Laufe der Zeit, gerät für diese Schwellenhaushalte möglicherweise die Anschlussfinanzierung in Gefahr."
Nach Daten des Portals sehen Immobilieninteressierte derzeit 13 Prozent Eigenkapital für die Finanzierung vor. In der tatsächlichen Darlehensvergabe schlägt sich das derzeit jedoch noch nicht nieder. Nach Daten von Dr. Klein finanzieren Banken aktuell im Schnitt rund 77 Prozent des Kauf- oder Herstellungspreises einer Immobilie. Der Eigenkapitalanteil bei einer Finanzierung läge demnach bei rund 23 Prozent.
Dennoch empfehlen Experten Anlegern, darauf zu achten, dass ihr Finanzierungsplan nicht ins Schlingern gerät, sollten die Zinsen einmal wieder steigen. Dabei kann die Sollzinsbindung helfen. Scharfenorth empfiehlt Immobilienkäufern zudem, das, was sie derzeit an Zinsen sparen, direkt in die Tilgung zu investieren.