Der Schweizer Projektentwickler Peach Property muss für seine Deutschlandtochter den für Mittwoch geplanten Börsengang absagen, weil er nicht genügend Anleger für seine Luxuswohnungen begeistern kann. Wie das Unternehmen am Montagabend adhoc mitteilte, sei der Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben. Um in Deutschland weitere hochpreisige Wohnungen bauen zu können, will das Unternehmen stattdessen mit ausgewählten Investoren zusammenarbeiten, die es im Zuge des geplanten Börsengang angesprochen habe, hieß es. Nach FTD-Informationen soll es sich hierbei um Investoren aus Dubai handeln.
Für reiche Anleger aus dem Nahen Osten zählt nicht nur die Rendite, die sie mit Objekten erwirtschaften, sondern auch das Prestige, repräsentative Gebäude zu besitzen. Als Faustregel gilt in der Immobilienbranche: Je besser Objekt und Lage, desto niedriger die Rendite.
Damit zeigt sich einmal mehr, dass reine Projektentwickler in Deutschland an der Börse nicht erwünscht sind. Ihr Geschäft gilt als unwägbar, weil sie Gebäude konzipieren, erstellen, vermieten und gegebenenfalls wieder verkaufen - obwohl der deutsche Wohnimmobilienmarkt derzeit boomt und sich gerade Luxuswohnungen in Großstädten leicht vermieten und verkaufen lassen. Doch an der Börse fordern Investoren stetige Erträge. Im Projektentwicklungsgeschäft schwanken die Gewinne jedoch sehr stark.
Laut Berechnungen des Beratungshauses Barkow Consulting spielen Entwickler nur eine stark untergeordnete Rolle, wenn es um die Platzierung von Eigenkapital geht. Seit 2009 liege der Anteil lediglich zwischen drei und fünf Prozent am gesamten Platzierungsvolumen im Immobiliensektor. Im Gesamtjahr 2011, laut Barkow gemessen am Platzierungsvolumen dem besten Jahr aller Zeiten für diese Branche, wurden ca. 2 Mrd. Euro platziert. 2010 hatte der Projektentwickler Chamartín Meermann seinen Börsengang abgesagt. JK Wohnbau hatte den Sprung zwar geschafft. Die Aktie aber, die seinerzeit zu 8 Euro emittiert wurde, kostet aktuell nur noch 3,10 Euro.
In diesem Jahr entfallen mit 1 Mrd. Euro rund 80 Prozent aller Kapitalerhöhungen auf Unternehmen der Wohnungsbranche. Firmen wie die Berliner Deutsche Wohnen oder die Hamburger TAG hatten ihre Aktionäre angepumpt, um auf Einkaufstour zu gehen. Deutsche Wohnen etwa schnappte sich für 1,3 Mrd. Euro die 24.000 ehemaligen Gewerkschaftswohnungen der Baubecon. TAG kaufte für 960 Mio. Euro die BayernLB-Tochter DKB Immobilien mit 25.000 Einheiten.
Ein großer Börsengang wie letztes Jahr mit der Berliner GSW fehlt jedoch 2012. Die schweizerische Peach Property wollte knapp die Hälfte ihrer Deutschland-Tochter für bis zu 38 Mio. Euro an die Börse bringen. Es ist der erste Börsengang in Deutschland in diesem Herbst, der nicht zustande gekommen ist. Zuvor hatten der Versicherer Talanx , die Telefónica -Tochter O2 und die chinesische Firstextile den Sprung aufs Parkett geschafft.