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  Neue Turbulenzen FTD-Serie: Die größten Risiken für den Finanzmarkt

Zweineinhalb Jahre nach der Pleite von Lehman Brothers geht es an der Börse wieder aufwärts, die Banken erwirtschaften solide Gewinne. Doch die Krise ist noch nicht ausgestanden. In einer elfteiligen Serie beleuchtet die FTD, wo die Bedrohungen lauern.

Merken   Drucken   23.08.2010, 19:45 Schriftgröße: AAA

Die neuen Crashrisiken: Der Markt für Gewerbeimmobilien wackelt  

Käufer von Gewerbeimmobilien müssen Kredite in Billionenhöhe umschulden. Scheitern sie, droht die nächste Finanzkrise. von Sarah Speicher-Utsch  Frankfurt
Sie haben es krachen lassen: 2570 Mrd. Dollar, umgerechnet 2000 Mrd. Euro, haben Europas Banken Immobilieninvestoren für den Kauf von Büros oder Einkaufszentren geliehen - eine Summe, so groß wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Doch was dank stetig steigender Immobilienpreise lange als bombensicheres Investment galt, wird jetzt zum Bumerang - für alle: Gewerblich genutzte Gebäude haben weltweit dramatisch an Wert verloren. Die Banken fürchten um die Rückzahlung der Kredite, Immobilienfirmen wie die deutsche IVG oder US-Banken wie Morgan Stanley und Goldman Sachs, deren Immobilientöchter gerade auch in Deutschland im Boom auf Beutezug gegangen waren, hoffen auf die Verlängerung der Darlehen.
Ob sie mit einem blauen Auge davonkommen, ist höchst ungewiss. Schließlich, so schätzt das Beratungshaus CB Richard Ellis, weisen etwa 20 Prozent aller Kredite für europäische Gewerbeimmobilien Makel auf: Vergeben wurden sie zwischen 2005 und 2007, als die Hauspreise ihren Höchststand erreicht hatten; der Eigenkapitalanteil der Darlehen ist extrem niedrig, das Kreditrisiko der Banken demnach hoch; und das Geld wurde für Immobilien ausgegeben, die heute hohen Leerstand aufweisen und nicht in Toplagen zu finden sind.
Wie groß das Risiko des Crashs am Häusermarkt für die Gesamtwirtschaft wäre, verdeutlicht eine Studie der Deutschen Bank. So macht das Volumen der Kredite, mit denen Investoren Gewerbeimmobilien gekauft haben, in den USA und Großbritannien fast 30 Prozent des BIPs aus, in Deutschland ist die Quote nur geringfügig niedriger - eine Zeitbombe mit Sprengkraft für ganze Länder.
Jetzt laufen viele dieser Kredite aus, und die Banken stecken im Dilemma: Verlängern sie die Darlehen gegen mehr Sicherheiten und Eigenkapital, treiben sie die Investoren womöglich in den Ruin und müssen die Kredite abschreiben. Bleiben die Konditionen unverändert, müssen sie die Darlehen selbst mit mehr Eigenkapital unterlegen - schließlich ist die Immobilie heute weniger wert als dereinst. Schon 2009 galten den Beratern von PricewaterhouseCoopers zufolge Kredite deutscher Finanzierer über mehr als 200 Mrd. Euro als faul.
  • FTD.de, 23.08.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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