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Merken   Drucken   14.11.2012, 15:12 Schriftgröße: AAA

Finanzstabilitätsbericht: Bundesbank warnt vor Immobilienblase

Die Immobilienblasen in Großbritannien, Irland, Spanien und den USA hatten verheerende Folgen.  Der Preisanstieg in sieben deutschen Großstädten könnte laut Bundesbank zu einer Verschuldungsspirale führen.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Christian Charisius
Die Immobilienblasen in Großbritannien, Irland, Spanien und den USA hatten verheerende Folgen. Der Preisanstieg in sieben deutschen Großstädten könnte laut Bundesbank zu einer Verschuldungsspirale führen.
von Frankfurt

Angesichts der niedrigen Zinsen blickt die Bundesbank mit Sorge auf den deutschen Immobilienmarkt. In Ballungsgebieten verzeichnen die Immobilienpreise einen beschleunigten Anstieg, warnt die Bundesbank in ihrem am Mittwoch vorgelegten Finanzstabilitätsbericht 2012. Im vergangenen Jahr kletterten die Preise für Neubauten um über neun Prozent. Preisübertreibungen in einzelnen regionalen Teilmärkten könnten nicht ausgeschlossen werden. "Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass es gerade in einem Umfeld niedriger Zinsen und hoher Liquidität zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen kann. Dies kann auch in deutschen Ballungszentren zum Tragen kommen und die Finanzstabilität hierzulande erheblich gefährden", schreibt der für Finanzstabilität zuständige Bundesbankvorstand Andreas Dombret.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann   Bundesbankpräsident Jens Weidmann

In 125 deutschen Städten stiegen die Preise für Wohnimmobilien im Jahr 2011 laut Bundesbank um 6,3 Prozent für neue Wohnimmobilien und um 4,9 Prozent für wiederverkaufte Immobilienobjekte. In den sieben größten deutschen Städten betrug der Zuwachs für neue Wohnimmobilien im Jahr 2011 sogar 9,1 Prozent, verglichen mit 4,9 Prozent im Jahr 2010. "In der ersten Jahreshälfte 2012 scheint sich der Preisanstieg auf dem Wohnimmobilienmarkt fortgesetzt zu haben. Dies gilt insbesondere für die sieben Großstädte", warnt die Bundesbank. Die sieben größten deutschen Städte sind Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf.

"Sorge bereitet insbesondere ein möglicher selbst verstärkender Prozess, bei dem sich steigende Preise und wachsende Verschuldung gegenseitig befördern. So kann die Erwartung steigender Preise die Bereitschaft zur Verschuldung erhöhen. Zu optimistische Erwartungen über die weitere Preisentwicklung haben bei den Übertreibungen am amerikanischen Immobilienmarkt eine erhebliche Rolle gespielt. Offenbar tendieren Immobilienkäufer dazu, die Preisentwicklung der letzten Jahre fortzuschreiben und damit einen Aufwärtstrend durch ihre Kaufentscheidungen zu verstärken."

Die Bundesbank warnt damit vor einer potenziell destabilisierenden Dynamik auch in Deutschland. In der Zeit von 1999 bis 2008, als die Immobilienblasen in Großbritannien, Irland und Spanien entstanden, hatten die Preise hierzulande noch stagniert. Nun ziehen die Preise in Deutschland an. Die Bundesbank will deshalb die Verschuldung der privaten Haushalte im Blick behalten. Denn eine hohe Verschuldung kann im Falle eines Preissturzes am Immobilienmarkt zu höheren Abschreibungen im Kreditgeschäft der Banken führen und in eine hartnäckige wirtschaftliche Schwächephase führen - wie schon in Großbritannien, Irland und Spanien.

Durch das Niedrigzinsumfeld sieht die Bundesbank auch Gefahren für die Versicherer. "Um künftig Zinsgarantien bedienen zu können, müssen die Lebensversicherer weiterhin Vorsorge treffen", sagte Dombret. Über die deutschen Banken gebe es aber Positives zu berichten: Sie haben ihre Verschuldungsquoten verringert, ihr Kernkapital erhöht und sich zunehmend über stabilere Quellen wie Kundeneinlagen refinanziert. Darüber hinaus haben die deutschen Banken ihre Forderungen gegenüber den von der Staatschuldenkrise betroffenen Ländern deutlich reduziert. Dennoch haben deutsche Banken nach wie vor erhebliche finanzielle Forderungen gegenüber Italien und Spanien, davon knapp 59 Mrd. Euro gegenüber den öffentlichen Haushalten beider Länder. "Sollte sich die Staatsschuldenkrise erheblich verschärfen, würde das natürlich auch das deutsche Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen", warnte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger.

Zudem gibt es nach Auffassung der Bundesbank noch weitere strukturelle Entwicklungen, welche die Ertragslage der Banken mittelfristig belasten. "Dazu gehören die Kosten der Regulierung ebenso wie der sich abzeichnende schärfere Wettbewerb um Kundeneinlagen und um das Kreditgeschäft", so die Vizepräsidentin. "Kreditinstitute sollten daher ihre Geschäftsmodelle fortlaufend auf den Prüfstand stellen und sich zügig dem stärker werdenden Wettbewerb anpassen; auch Konsolidierung sollte kein Tabu sein", sagte Lautenschläger.

 

  • FTD.de, 14.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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