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Merken   Drucken   28.08.2008, 11:58 Schriftgröße: AAA

Geldanlage: Eigenheim taugt nicht als Inflationsschutz

Bausparkassen und Bauträger betonen gern die Wertstabilität von Immobilien. Gerade in diesen Zeiten liefert ihnen die hohe Inflation ein gutes Argument. Doch der Wert von Immobilien steigt nicht annähernd so stark wie die Teuerung. von Karsten Röbisch
"Die oft zitierte Aussage, Immobilien schützten vor der Geldentwertung, ist in dieser allgemeinen Form nicht gültig", sagt Andreas Schulten vom Datendienstleister Bulwien Gesa. Das Unternehmen hat die Wertentwicklung von Immobilien in den vergangenen Jahren in Deutschland erfasst und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Im Zeitraum von 1990 bis 2007 stieg der Wert deutscher Immobilien nicht annähernd so stark wie die Teuerungsrate. Im Schnitt lag der Wertzuwachs rund 22 Prozent unter dem Inflationsindex.
Dabei sind die tatsächlichen Einbußen in vielen Fällen sogar noch höher. Der Immobilienindex berücksichtigt nur die Entwicklung der Kauf- und Mietpreise für neue Immobilien, nicht aber die Anschaffungsnebenkosten, den Wertverlust oder die Verwaltungskosten bei fremdvermieteten Gebäuden. "Rechnet man die Aufwendungen hinzu, fällt die Bilanz noch schlechter aus", sagt Schulten.
Fonds trotzen Inflation und Markt   Fonds trotzen Inflation und Markt
Gesellschaftliche Veränderungen im Blick
In der Theorie sollte der reale Wert einer Immobilie bei hohen Teuerungsraten nicht sinken: In der Idealwelt führt eine steigende Teuerung mittelfristig zu steigenden Löhnen, was in höheren Mieten mündet. Auch können höhere Baukosten dazu führen, dass die Nachfrage nach Bestandsimmobilien steigt und damit auch ihr Wert. Doch diese Argumente werden von der Praxis widerlegt. Zum einen sind Wohnungsmieten in Deutschland nicht an die Lebenshaltungskosten gekoppelt und zum anderen dominieren andere Mechanismen: Angebot und Nachfrage.
Über Jahrzehnte schien es Naturgesetz, dass Häuser und Wohnungen mit Gewinn verkauft werden können. "Schönheit vergeht, der Hektar besteht", hieß es lange Zeit. Doch das stimmt nicht mehr: Die Gesellschaft verändert sich rasant - und mit ihr auch das Kräfteverhältnis auf den Immobilienmärkten. In Regionen, die wegen mangelnder wirtschaftlicher Perspektiven an Anziehungskraft verlieren, in denen die Bevölkerung ausdünnt und überaltert, fallen die Immobilienpreise so drastisch wie nie zuvor. In wachstumsstarken Metropolen wie München oder Frankfurt ziehen die Preise dagegen weiter an.
Schulten glaubt, dass sich der Markt noch stärker spreizen wird. Angehenden Hausbesitzern rät er, klug zu investieren und die gesellschaftlichen Veränderungen zu berücksichtigen. Soll heißen: Boomregionen sind wirtschaftsschwachen Standorten vorzuziehen; Metropolen den Kleinstädten.

Teil 2: Effektiven Inflationsschutz durch offene Fonds

  • Aus der FTD vom 28.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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