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Merken   Drucken   22.01.2009, 11:59 Schriftgröße: AAA

Geschlossene Immobilienfonds: Verlängerte Schließungszeiten

Drei der zwölf eingefrorenen Immobilienfonds schieben die Anteilsrücknahme hinaus. Weitere Anbieter dürften folgen. Beobachter halten die Politik der Anbieter für riskant. von Karsten Röbisch
Die meisten Anleger eines eingefrorenen offenen Immobilienfonds bleiben für längere Zeit auf ihren Anteilen sitzen. Nach Credit Suisse und Morgan Stanley kündigte am Mittwoch mit Pramerica ein weiterer Fondsanbieter an, die Aussetzung der Anteilsrücknahme zu verlängern. Investoren des TMW Immobilien Weltfonds kommen für bis zu weitere neun Monate nicht an ihr Geld heran.
Damit schwinden auch die Chancen für die übrigen Anbieter auf eine Wiedereröffnung ihrer Fonds. Branchenkenner halten diesen Schritt für riskant, nachdem nun mehrere Konkurrenten die Anteilsrücknahme um weitere Monate ausgesetzt haben. Es bestehe die Gefahr, dass Anleger aus Verunsicherung Gelder in großem Umfang abziehen, sobald ein Fonds öffnet - was zur erneuten Schließung führen und einen erheblichen Imageschaden für die Branche bedeuten würde. Aus diesem Grund strebten die betroffenen Anbieter auch eine gemeinsame Lösung an: Sie wollten einheitlich die Aussetzung der Anteilsrücknahme verlängern. Der Vorschlag scheiterte jedoch an kartellrechtlichen Bedenken.
Nettovermögen eingefrorener Fonds   Nettovermögen eingefrorener Fonds
Wegen starker Mittelabflüsse hatten Ende Oktober zwölf Fonds vorläufig dichtgemacht. Rund 25 Mrd. Euro - etwa 30 Prozent des Gesamtvermögens der Branche - sind seitdem eingefroren. Die verhängte Sperrfrist beträgt bei den meisten drei Monate. Bis Ende Januar müssen daher noch fünf Anbieter ihre Zukunftspläne offenlegen. Einzig die UBS hatte ihre Fonds gleich für sechs Monate eingefroren.
Für Experten kommt die Verlängerung der Sperrfrist nicht unerwartet. "Die Entwicklung hat uns nicht überrascht", sagt Christian Völxen, Analyst der Ratingagentur Feri. Es sei absehbar gewesen, dass nicht alle Anbieter unter den aktuellen Marktbedingungen die notwendige Liquidität beschaffen können. Investoren werten vor allem die Entscheidung von Credit Suisse am vergangenen Freitag als Menetekel. Mit einem Volumen von rund 6,6 Mrd. Euro ist ihr Fonds Euroreal der größte unter den eingefrorenen.
Das Gesetz schreibt eine Mindestliquiditätsreserve von fünf Prozent vor. Viele Fonds haben derzeit aber nur einen kleinen Puffer. Um die Liquidität zu erhöhen, können sie entweder neue Anteilscheine ausgeben, die Verschuldung erhöhen oder Gebäude verkaufen. Alle drei Optionen sind derzeit schwierig umzusetzen: Das Misstrauen der Investoren erschwert die Eigenkapitalbeschaffung, Einzahlungspläne sorgen lediglich für kleine Zuflüsse. Ein Immobilienverkauf ist derzeit nur mit Preisabschlägen möglich. Bleibt die Kreditaufnahme: Zwar haben sich die Konditionen für besicherte Darlehen etwas verbessert, zur Finanzierung von Anteilsrückkäufen dürfen die Fonds jedoch nur kurzfristige Kredite bis zu zehn Prozent des Fondsvermögens aufnehmen. Diese sind in der Regel jedoch unbesichert. Banken verlangen, sofern sie überhaupt zur Kreditvergabe bereit sind, hohe Risikoaufschläge.
Gelingt es den Anbietern innerhalb der nächsten neun Monate nicht, die nötigen Barmittel aufzutreiben, können sie die Fonds für ein weiteres Jahr einfrieren. Dann sind sie aber per Gesetz zu Immobilienverkäufen gezwungen. Analyst Völxen rechnet jedoch nicht damit, dass es so weit kommt. "Wenn sich die Zuflüsse der vergangenen drei Monate fortsetzen, ist eine Wiedereröffnung innerhalb der nächsten neun Monate sehr realistisch."
Betroffene Anleger, die bis dahin ihre Anteile verkaufen wollen, können das nur über die Börse tun. Der Schritt ist jedoch mit Preisabschlägen von fast einer Jahresrendite verbunden. Pramerica kündigte immerhin an, Auszahlungpläne für den TMW-Immobilien-Fonds zu bedienen. Das Geld dafür werde nicht dem Fonds entnommen, sondern komme von der Muttergesellschaft. Die Finanzaufsicht BaFin hatte den Anbietern untersagt, Sparpläne aus dem Fondsvermögen zu bedienen.
  • Aus der FTD vom 22.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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