Im Sommer 2007 war die Stimmung bei Société Généralenoch gut. Die französische Großbank plante ein schickes Glasgebäude für 3500 Händler am Fuße ihrer Doppeltürme in La Defense, dem modernen Büroviertel am westlichen Rand von Paris. Rund 250 Mio. Euro kostet das Prestige-Projekt, jede der fünf Etagen ist halb so groß wie ein Fußballfeld.
Jetzt, fünf Jahre später, ist das Gebäude fast bezugsfertig - doch die Welt sieht anders aus: Die Mannschaft von SocGen ist geschrumpft, allein in Frankreich fielen zuletzt knapp 1000 Stellen weg. Von den Flächen, die die Bank an ihrem Hauptsitz einst so großzügig geplant hat, braucht sie heute nur noch einen Bruchteil. "Wahrscheinlich werden wir die Büros anderweitig vermieten müssen", berichtet einer der Banker, der in den Glaspalast einziehen soll. "Oder wir nehmen ein Fitnessstudio mit rein."
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Was SocGen in La Defense erlebt, ist symbolisch für viele andere Bankenviertel in Europas Metropolen. Die Geldhäuser sind erst in der Finanzkrise, dann in der Schuldenkrise unter Druck gekommen, die Erträge brechen weg. Vor allem die einst gefeierten Investmentbanker liefern nicht mehr die erhofften Gewinne ab. Also müssen die Kosten runter - Jobs werden gestrichen, Verwaltungskosten auf den Prüfstand gestellt. Weitläufige luxuriöse Büroflächen können und wollen sich viele Institute nicht mehr leisten.
Das trifft vor allem Standorte, an denen die teuren Leute mit den besonders schicken Büros sitzen: Paris, London, Zürich. Nicht betroffen ist das lange Zeit als langweilig verrufene Frankfurt mit den Hauptsitzen von Deutscher Bank und Commerzbank. "Hier arbeiten ja kaum Händler und Investmentbanker, der Immobilienmarkt ist auch in der Krise sehr stabil geblieben", berichtet Oliver Barth, Geschäftsführer und Frankfurter Niederlassungsleiter von BNP Paribas Real Estate.
Die Spitzenmiete für Büros liegt am Main seit 2006 relativ stabil bei 36 Euro pro Quadratmeter, die Tendenz geht eher in Richtung 40 Euro als nach unten. "Die große Blase hat es in Frankfurt nie gegeben." Und so kommt es, dass selbst jetzt noch neue Bürohäuser ohne Vorvermietung gebaut werden, der "TaunusTurm" etwa. Tishman Speyer und CommerzReal wollen den 40-Geschosser mit 60.000 Quadratmetern Fläche Ende nächsten Jahres fertig haben.
Von so etwas kann Paris nur träumen. Die einstige Vorzeige-Bürostadt La Defense könnte schon bald zum Museum verkommen, unken Immobilienexperten. "Eine Menge Büros werden hier bald leer sein", sagt Alexis Motte, Chef des Beratungshauses Mobilitis. Die Warnleuchten blinken bereits: Die Leerstandsquote im Viertel steigt, die Spitzenmieten fallen. Und das schon seit mehreren Quartalen.
SocGen zählt heute 25.000 Banker in La Defense, bald werden es nur noch 14.000 sein. Manche verlassen die Bank, Tausende andere werden bis 2016 in den östlichen Pariser Vorort Fontenay-sous-Bois umquartiert. Dort sind Büros deutlich günstiger. Die heimische Konkurrentin Credit Agricole macht es ähnlich: Sie verlagert 5600 Investmentbanker von La Defense in den weniger schicken Außenbezirk Montrouge, südwestlich von Paris.
Der Londoner "City" geht es nicht besser. Etliche neue Bürohäuser, die in den Boomzeiten ohne Vorvermarktung aus dem Boden gestampft wurden, drohen zu Bauruinen zu werden. Die Nachfrage ist eingebrochen, die finanzierenden Banken ziehen sich immer häufiger aus den Projekten zurück. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Die Immobilien-Spezialisten von Cushman & Wakefield befragten unlängst 107 Banken und Finanzdienstleister nach ihrem künftigen Bürobedarf. Das Ergebnis: Ein Drittel will binnen eines Jahres die genutzten Flächen reduzieren. Mehr als die Hälfte der Befragten denkt über eine Untervermietung nach.
Doch ob die Weitervermietung aufgeht, ist ungewiss. Die japanische Großbank Nomura kann ein Lied davon singen. Sie sucht noch immer Nachmieter für ihre ehemalige Niederlassung nahe der Londoner Börse. Nomura zog dort im Herbst 2008 aus - als sie das Europa-Geschäft der kollabierten US-Investmentbank Lehman Brothers übernahm und größere Räume brauchte.
Und es kommen weitere Büroflächen auf den Markt. Im östlichen Londoner Stadtteil Canary Wharf überlegt die Bank of America gerade, ob sie Verwaltungseinheiten in die kleine englische Stadt Chester auslagert, wo die Miete nur halb so hoch ist. Auch die Schweizer Großbank Crédit Suisse spart: Sie hat ihr Gebäude in Canary Wharf für 330 Mio. Pfund an Investoren aus Katar verkauft und danach günstig zurückgemietet. Das macht obendrein auch noch flexibel.
Wollen Vermieter Banken halten, müssen sie sich der neuen Bescheidenheit anpassen, sagt Martin Jepson vom kanadisch-amerikanischen Projektentwickler Brookfield. "Die Banken wollen effizientere und flexiblere Gebäude". Flächen müssten besser ausgenutzt werden, die Laufzeiten der Mietverträge sinken. In London liefen gewerbliche Mietverträge in der Vergangenheit gerne mal 25 Jahre. Dass sich darauf heute keine Bank mehr einlässt, liegt auf der Hand: Die Finanzkrise hat gezeigt, dass manches Geldhaus schon von heute auf morgen in Existenznot geraten kann.