Als Grund nannte die Orco-Sprecherin "eine Kombination von gestiegenen Finanzierungskosten und höheren Vermarktungsrisiken". Orco werde sich nun auf Gewerbeimmobilien wie das Projekt Leipziger Platz konzentrieren.
Die Fehrbelliner Höfe sind bislang zwar das einzige Projekt dieser Art in Deutschland, das wegen den Eintrübung des Konjunkturumfelds abgeblasen wurde, weitere könnten aber folgen. "Der Baustopp kommt angesichts der gesamtwirtschaftlichen Wetterlage nicht überraschend", sagt Tobias Just, Immobilienexperte von DB Research. Projektentwicklung im Immobiliensektor gehöre zu den risikoreichsten Anlagen überhaupt. Den Aussichten auf attraktive Renditen stehen hohe Risiken gegenüber. Wenn sich Verkauf oder Vermietung um Monate verzögerten, gehe das sofort auf die Rendite. "Wenn sich das Gesamtumfeld verschlechtert, sind solche Projekte in der Regel als erste davon betroffen."
Sonderrolle Berlins bei Immobilien
Dennoch steht der Berliner Baustopp bislang allein da, denn noch immer spielt die Hauptstadt bei Immobilien eine Sonderrolle. "Bei den Nachfragern der Luxuskategorie in Berlin handelt es sich nahezu ausschließlich um ausländische Interessenten, die sich einen Zweit- oder Drittwohnsitz in der Bundeshauptstadt sichern wollen", sagte Wulff Aengevelt, Gesellschafter von Aengevelt Immobilien.
Insbesondere Anleger aus Skandinavien hatten sich in der Vergangenheit wegen der niedrigen Preise in Berlin eingekauft. Die lokale Kaufkraft liegt in Berlin noch immer deutlich hinter westdeutschen Städten zurück. Immerhin habe, so Aengevelt, die Nachfrage nach Wohnungsprivatisierungen in guten Lagen zuletzt sogar noch zugenommen.
In Städten wie München und Frankfurt ist die Nachfrage nach besonderen Luxusapartments offenbar ungebrochen. Hier zahlen Käufer bis zu 15.000 Euro pro Quadratmeter - doppelt so viel, wie in Berlin verlangt wird.
Insgesamt spielen Luxusimmobilien in Deutschland allerdings noch eine untergeordnete Rolle, verglichen mit Ländern wie Großbritannien oder den USA. "Das Luxussegment ist hier noch sehr jung, es gibt wenige Erfahrungen und verlässliche Informationen", sagt DB-Research-Experte Just.