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Merken   Drucken   26.06.2008, 09:09 Schriftgröße: AAA

Immobilien: Den Baukredit wechseln lohnt sich

Viele Bauherren scheuen nach dem Auslaufen ihres ersten Kredits einen bankenwechsel. Dabei ließe sich so viel Geld sparen. von Yasmin Osman
In der Baufinanzierung halten Kreditnehmer in Deutschland ihren Banken meist die Treue. Einer Untersuchung von Investors Marketing zufolge müssen jährlich Baukredite im Volumen von 90 Mrd. Euro verlängert werden. "Nur 9,9 Mrd. Euro davon dürften tatsächlich mittels Bankwechsel umgeschuldet werden", schreibt Interhyp. Alle anderen Kunden nähmen - in aller Regel ungeprüft - das Verlängerungsangebot der finanzierenden Bank an.
Dabei können Kunden bei einer Umschuldung mit einem Anbieterwechsel viel Geld sparen - trotz der damit verbundenen Gebühren. Die Fachhochschule (FH) München fragte bei Kunden nach, die 2007 für ihre Anschlussfinanzierung zu einer anderen Bank gewechselt waren. Der Zinsvorteil lag im Mittel bei 0,4 Prozentpunkten. Bei einer Restschuld von 100.000 Euro entspricht das einer um 4000 Euro geringeren Zinslast.
Viele Kunden würden sogar schon bei einer niedrigeren Ersparnis wechseln. Laut einer Studie von infas TTR, die vom Kreditvermittler Interhyp in Auftrag gegeben wurde, wären zwei Drittel prinzipiell zu einer Umschuldung bereit. Von diesen wäre ein Drittel zufrieden, wenn der Wechsel zwischen 2500 und 5000 Euro einsparen würde, ein Drittel gäbe sich schon mit 500 bis 2500 Euro weniger Zinsen zufrieden. Einem Fünftel genügt sogar ein Wert von unter 500 Euro. Den meisten fällt es jedoch schwer abzuschätzen, wie viel sie bei einem Anbieterwechsel sparen können.
Nur wenigen Kunden ist zudem bekannt, welche Kosten bei einem Wechsel entstehen. Knapp der Hälfte ist nicht bewusst, dass Ausgaben anfallen, und die andere Hälfte schätzt diese meist zu hoch ein. 45 Prozent der Befragten glaubten, dass die Umschuldung eines Darlehens für 100.000 Euro zwischen 500 und 1000 Euro kostet, 28 Prozent rechnen mit mehr als 1000 Euro. Der tatsächliche Wert liegt laut Interhyp bei 200 Euro.
Forward-Darlehen
Vorteil Bei diesem Baukredit kann sich der Kunde bis zu drei Jahre vorab die Konditionen für die Anschlussfinanzierung sichern. Das schafft Planungssicherheit.
Nachteil So ein Kredit ist keine Option, sondern eine Verpflichtung. Das bedeutet, dass der Kunde auf den Kredit nicht nachträglich verzichten kann, weil er zum Beispiel ein günstigeres Angebot gefunden hat. Meist verlangen Banken zudem einen Aufschlag für die "Reservierung" der Konditionen.
Mit den Details setzen sich nur wenige früh genug auseinander: Etwa 70 Prozent der Kreditnehmer haben sich damit laut Umfrage noch gar nicht beschäftigt. Selbst die Hälfte von denen, die schon 2009 umschulden müssen, sind noch inaktiv. Verbraucher, die ihre Bank wechselten, informierten sich meist sehr viel früher. Der FH München zufolge bereiten sich 91,3 Prozent der Bankwechsler drei Monate und länger darauf vor.
Die Banken selbst klären Kunden in der Regel erst sehr kurzfristig darüber auf, zu welchen Konditionen sie Baukredite verlängern. Zumindest das dürfte sich ändern. Denn die Bundesregierung hat die Informationsrechte der Verbraucher gestärkt. Künftig müssen Banken drei Monate vor Ablauf der Zinsbindung eines Kredits Kunden ein Folgeangebot machen oder mitteilen, dass der Vertrag nicht verlängert wird.
"Die Banken müssen den Kunden dabei allerdings nur mitteilen, wie hoch der aktuell gültige Zinssatz ist, diese Konditionen sind drei Monate im Voraus noch nicht verbindlich", erklärt Christian Marburger, Leiter der Rechtsabteilung der Verbands deutscher Pfandbriefbanken. Anders ist das bei den Zinssätzen, die Banken ihren Kunden spätestens vier Wochen vor Ende der Zinsbindungsfrist mitteilen. Diese seien verbindlich.
Wechselwillige Kunden können sich die aktuellen Baugeldkonditionen aber schon früher sichern. Viele Banken bieten Forward-Darlehen an. Mit diesem relativ unbekannten Finanzinstrument lassen sich Zinsen für einen Anschlusskredit bis zu drei Jahre im Voraus festzurren. Meist verlangen die Banken für diese "Reservierung" einen Aufschlag. Derzeit verzichten aber einige darauf, wie zum Beispiel die BW-Bank, die DKB und die DSL Bank sowie ING-Diba. Das hat mit der Lage an den Märkten zu tun: Die Langfristzinsen liegen derzeit unter den Kurzfristzinsen. Daher ist es für Banken, die sich selbst am Kapitalmarkt finanzieren müssen, kein Nachteil, sich so früh auf feste Zinskonditionen festzulegen.
  • Aus der FTD vom 26.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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