Das rasante Wirtschaftswachstum lässt seit Jahren die Wohnimmobilienmärkte in China boomen
"Die Zentralbank versucht, dem System Liquidität zu entziehen", sagt Xu Biao, Analyst bei der China Merchants Bank. Zudem hat die Regierung die Eigenkapitalanforderungen für Hypothekenkreditnehmer heraufgesetzt und im Januar eine Grundsteuer eingeführt. Bis zu 0,6 Prozent des Immobilienwerts müssen Eigentümer nun pro Jahr an den Fiskus zahlen.
Das rasante Wirtschaftswachstum lässt seit Jahren die Wohnimmobilienmärkte im Reich der Mitte boomen. Immer mehr Angehörige der stetig wachsenden Mittelschicht legen ihr Geld in Eigentumswohnungen an, weil sie den volatilen Aktienmärkten misstrauen. Als Folge sind die Wohnungspreise in den großen Ballungszentren seit 2005 im Schnitt um zehn Prozent pro Jahr gestiegen.
Finanzsektor in Gefahr
Die meisten Erwerber haben 70 Prozent der Kaufpreise über Kredite finanziert. Bei einem Crash droht deshalb Chinas Bankensystem aus den Fugen zu geraten. Die China Citic Bank hat deshalb angekündigt, die Hypothekenkreditvergabe deutlich einzuschränken. "Wir sehen große Risiken im Immobiliengeschäft", sagt Shi Yuan, Generalmanager der Risikoabteilung des siebtgrößten Immobilienfinanzierers im Land. Marktbeobachter gehen davon aus, dass nun weitere Banken den Kredithahn zudrehen werden.
Damit steige aber das Risiko "einer harten Landung des Immobilienmarkts und der chinesischen Wirtschaft", sagt Adrian Mowat, Chefstratege Asien bei der Investmentbank JP Morgan. Die Regierung dürfe nicht zu schnell die Luft aus der Spekulationsblase weichen lassen, warnt auch die Weltbank in ihrer jüngsten Quartalsstudie: "Ein Schock am Immobilienmarkt würde das Finanzsystem und die Wirtschaft im Land hart treffen."